Werder Bremen – Bayer Leverkusen: Kampf und Spiel

Lars 11. Februar 2015 3 Kommentare Drucken

Werder schlägt Leverkusen in einem teilweise spielerisch und taktisch überzeugenden und teilweise kämpferisch erfolgreichen Spiel 2:1 und liegt nun nach dem vierten Sieg in Folge auf Platz 8 der Tabelle mit einem größeren Abstand zu den Abstiegsplätzen als zu den Europapokalplätzen. Auch wenn ich Tobis sehr treffende Aussage vom Zweckpessimisus zustimme, tut diese ungewohnte Situation sehr sehr gut.

Das Highlight
Nein, nicht der ohne Zweifel wunderschöne Freistoß von Junuzovic, seinem vierten direkt verwandelten Freistoß in dieser Saison. DIE Szene des Spiels begann bei Minute 16:38 mit einem weiten Schlag der Leverkusener nach vorne nach einer Bremer Ecke. Sternberg ist zu passiv, wird von Brandt bedrängt und verliert den Ball. Da kommt Fritz zur Hilfe, der bei Ecken hinten absichert, er bekommt den Ball unter Kontrolle und läuft in Richtung eigenes Tor. In dem Moment haben wohl alle mit dem Rückpass auf Wolf gerechnet und dann mit einem weiten, unkontrollierten Abschlag des Torhüters in die Leverkusener Hälfte. Bremer Standard eben für eine lange Zeit. Stattdessen dreht sich Fritz jedoch um die eigene Achse mit einer Schnelligkeit, die man ihm kaum mehr zugetraut hätte, und startet einen der schönsten Spielzüge der Bremer in dieser Saison. 20 Sekunden nach dem Befreiungsschlag der Leverkusener und sieben Bremer Ballberührungen später, drei davon von unserem Kapitän, schließt Selke volley zum 1:0 ab.

Es war auch die Szene, die das veränderte Bremer Spiel unter Skripnik, Frings und Kohlfeld am besten beschreibt. Unter Dutt hätte Fritz wahrscheinlich den sicheren Pass zurück auf Wolf gespielt und der Ball wäre dann schnell wieder weg gewesen. Nun, unter Skripnik und mit dem Selbstbewusstsein nach drei Siegen, gehen die Spieler das Risiko und versuchen die spielerische Lösung gegen eine starke Mannschaft wie Leverkusen. Und sie kopieren damit im Grunde das Spiel der Werkself.

Das Spiel
Die Aufstellung ließ schon vermuten, dass es Skripnik gegen die Leverkusener eher defensiv angehen wollte. Mit Fritz, Kroos und Bargfrede standen drei defensiv eingestellt Spieler in der Startelf-Raute. Davor spielten Junuzovic als so eine Art Zehner und Bartels und Selke als Stürmer. Auch wenn am Anfang des Spiels noch die Raute klarer zu erkennen war, waren die Positionen im Laufe des Spiels nicht mehr so eindeutig. Die beiden Halbspieler in der Raute, Kroos und Fritz standen oft recht weit außen, um die Außenverteidiger zu unterstützen. Vor allem Kroos hatte bei der Unterstützung von Sternberg viel zu tun, davdieser oftmals im Zweikampf und defensiven Stellungsspiel gegen Bellarabi und Hilbert überfordert wirkte. Und auch Fritz war viel mit defensiven Aufgaben beschäftigt. Vorne waren vor allem Bartels und Junuzovic recht beweglich. Ersterer war oft auf den Flügeln zu finden, so auch bei seiner großartigen Vorbereitung zum 1:0, ließ sich aber ebenso oft hinter Junuzovic zurückfallen und war insgesamt wieder einer der besten Werderaner auf dem Platz.

Leverkusen zeigte zwar insgesamt die bessere Spielanlage, jedoch hatte Skripnik seine Mannschaft sehr gut eingestellt. Dass die Mannschaft sich mittlerweile sehr oft auch spielerisch aus riskanten Situationen retten kann, zeigte am Sonntag nicht nur die Vorarbeit zum 1:0. Insgesamt sieht man sehr viel weniger blinde Befreiungsschläge. Die Drangphasen von Bayer vor allem in der zweiten Hälfte bedeuteten aber vor allem Schwerstarbeit in der Defensive und es wurde deutlich, wie recht Skripnik mit seiner Aussage hat, dass seine Mannschaft (noch) nicht 90 Minuten lang auf höchstem spielerischen Niveau marschieren könne.

Leverkusen hatte jedoch trotz sichtbarer Überlegenheit nicht viele große Chancen, was neben der manchmal zu großen Verspieltheit eben auch an der guten Defensivarbeit von Skripniks Team lag. Zwar liegt Bremen bei der Zahl der Gegentore immer noch an der Spitze der Liga, in den letzten vier Spielen gab es hingegen nur drei Gegentore. Durch die große Kompaktheit und Laufbereitschaft der Bremer kam Leverkusen kaum zu großen Chancen. Insgesamt hatten die Rheinländer nur zwei Schüsse, die aufs Tor gingen, die Wolf also halten musste. Und ein weiterer sehr positiver Aspekt: Die Mannschaft scheint sehr fit zu sein. Die Kräfte der Leverkusener haben ab der 75. Minute merklich nachgelassen und mit ein bisschen mehr Konsequenz bei eigenem Ballbesitz bzw. eigenen Kontern hätte man das Spiel früher entscheiden können.

 

Rückrundentabelle_4

Der Ausblick
So richtig unverdient war der Sieg also nicht, auch wenn es mir direkt nach dem Schlusspfiff zunächst anders vorkam. Und nun wird mir die so langsam etwas unheimlich. Die nächsten Spiele werden zeigen, wie nachhaltig die Entwicklung der Mannschaft ist. Das höre ich immer wieder in diesen Tagen. Und es stimmt wohl auch: An den nächsten Spieltagen geht es gegen die drei Mannschaften, die in der Rückrundentabelle auf den Plätzen zwei bis vier liegen. Direkt hinter Werder. Wenn wir nach diesen drei Spielen immer noch nah dran sind an der Spitze dieser Rückrundentabelle, dann bin ich rundum zufrieden.

Und was soll ich sagen? Alleine schon die Tatsache, dass das durchaus im Bereich des Möglichen liegt, ist doch einfach großartig.

Auf geht’s Werder!

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 1, Durchschnitt: 5,00 von 5)
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3 Kommentare »

  • Olf sagt:

    Im Highlights Absatz schreibst du noch von Hoffenheim. :-)

  • Lars sagt:

    Danke, ist korrigiert. (Sogar dreimal…Oh Mann)

  • Fussball Sportwetten sagt:

    Schade, dass hier auf dem Blog länger nichts mehr neues erschienen ist…

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