Fast

Lars 3. April 2014 3 Kommentare Drucken

Ein Duell zweier Teams im Abstiegskampf. Mannschaft A spielt eigentlich besser als Mannschaft Z, auch wenn es keine qualitative Offenbarung ist. Zumindest hat sie einige Chancen, um in Führung zu gehen, während von den anderen kaum etwas kommt. Dann, kurz vor der Pause, geht Mannschaft Z trotzdem durch einen glücklichen Freistoß in Führung und mit einem 1:0 in die Pause.

Normalerweise geht so ein Spiel dann folgendermaßen weiter: Mannschaft A erholt sich von diesem Rückschlag nicht mehr, während Mannschaft Z befreit aufspielt und sich den Sieg letztendlich in der zweiten Halbzeit verdient. Mannschaft A ist damit weiterhin mitten im Abstiegskampf und am Ende der Saison heißt es, dass diese Niederlage möglicherweise der entscheidende Nackenschlag war.

Gottseidank ging die Geschichte dieses Spiels von Werder in Hannover anders aus. Und so bleibt die Zuversicht, dass dies möglicherweise der wichtige Schritt zum sicheren Klassenerhalt war.

Ich hatte nach den beiden Siegen gegen Hamburg und Nürnberg davon gesprochen, dass man so langsam eine Entwicklung bei Werder erkennen kann, die vor allem darin besteht, dass der Trainer die Defensive stabilisiert hat (zwar haben wir schon wieder 54 Gegentore und das zweitschlechteste Torverhältnis, allerdings haben wir auch schon neunmal zu Null gespielt) und Werder immer stärker in Richtung schnelles Umschalten und Konterspiel trimmt.

Sich entwickeln:
A) durch seine Einwirkung auf ein höheres Niveau heben
B) allmählich unter bestimmten Bedingungen zu etwas anderem, Neuem werden

Auch wenn die Mannschaft gegen Hannover vor allem in der ersten Halbzeit teilweise sehr dominant und spielerisch klar verbessert auftrat (wo haben die das auf einmal hergeholt?), sah man die Entwicklung auch in diesem Spiel. Vor allem natürlich beim ersten Tor von Di Santo, das nach einer gegnerischen Ecke entstand. Und auch davor und danach gab es immer wieder Situationen, in denen Bremen nach Ballgewinn in der meist sicheren Defensive schnell nach vorne spielen konnte. Und das vor allem auch einigermaßen ansehnlich.

Ein anderer Punkt sind die Standards, sowohl eigene als auch gegnerische, die bei einer nichtsdestotrotz immer noch spielerisch limitierten Mannschaft ein wichtiges Element darstellen. Wieder hat Werder nach einem eigenen Standard getroffen. Und wieder stand die Defensive bei gegnerischen Standards überwiegend sicher, bis auf das eine Mal am Ende der ersten Halbzeit. Bei dem Tor sah auch Wolf nicht gut aus, wobei er sicher nicht damit rechnete, dass der Ball so einfach durch die Mauer ging.

Mindestens die ersten 30 Minuten waren also das Beste, was Werder seit langem geboten hat. Und damit meine ich nicht nur den Einsatz und die Disziplin, wie wir es in einigen Spielen in dieser Saison schon sehen konnten. Auch spielerisch sah das richtig gut aus, nicht Bayern München-gut (wer will das schon…?), aber zumindest so, wie es zu diesem Zeitpunkt der Saison und bei dem Druck, den sich die Mannschaft wieder selbst eingebrockt hat, nicht zu erwarten war. Nach 30 Minuten hatte Werder ca. 75 Prozent Ballbesitz und Elia stand da schon fünfmal im Abseits. Auf Seiten von Hannover hatte nur ein Verteidiger mehr Ballkontakte als Torwart Zieler.

Die zweite Halbzeit konnte Hannover das Spiel offener gestalten. An Werder hat mir gut gefallen, dass sie trotz Rückstand ruhig weiter- und die eigenen Stärken weiter ausspielten. So haben sie die Tore gemacht und so haben sie auch die diversen Möglichkeiten der Hannoveraner, die in der zweiten Halbzeit stärker wurden, gut vereiteln können. Die Niedersachsen schienen sich, je länger das Spiel dauerte, immer mehr auf die Brechstange namens Standards von Huszti zu verlassen. Eine letztendlich gescheiterte Strategie.

Werderblog_32 Punkte

Jetzt sind es also 32 Punkte insgesamt und acht Punkte Vorsprung bei noch sechs ausstehenden Spielen. In den letzten zehn Jahren hätten 32 Punkte fünfmal für den Klassenerhalt gereicht. Acht Punkte Vorsprung hat keine Mannschaft seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel in diesem Zeitraum noch verspielt.

Auch wenn es schon sehr stark nach Klassenerhalt aussieht, möchte ich gerne noch drei Punkte haben. Gegen Schalke werden diese drei Punkte wohl noch nicht eingefahren. Obwohl. Wer weiß.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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3 Kommentare »

  • Kristijan sagt:

    „In den letzten zehn Jahren hätten 32 Punkte fünfmal für den Klassenerhalt gereicht.“
    Das ist eine Frage des Standpunkts: Tatsächlich hat nur Gladbach 2009 die Klasse mit 31 Punkten gehalten. Alle anderen 15. hatten immer mindestens 33 Punkte. Aus Sicht eines Absteigers ist aber das die Punktzahl, die er hätte haben müssen um die Klasse zu halten ;-) Dennoch, bin ich ebenfalls optimistisch, dass diesmal 32 Punkte reichen werden.

  • Lars (Autor) sagt:

    Ich habe oben mal eine Grafik eingefügt mit den Punkten der jeweils 16. der letzten zehn Spielzeiten. Du hast natürlich recht, dass zum Beispiel Hoffenheim letztes Jahr auch 32 Punkte nicht für den 15. Platz gereicht hätten. Augsburg hingegen hätte ruhig einen Punkt weniger haben können und hätte trotzdem nicht in die Relegation gehen müssen. Wie Du sagst, eine Frage des Standpunktes… :-)

    Aber einigen wir uns einfach auf: Noch drei Punkte und Werder sollte endgültig gerettet sein.

  • SVW-Blogschau Nr. 9 | #hashtagmafia sagt:

    […] Fast In diesem letzten Spiel sehe ich auf dem Werderblog wieder Anzeichen der Entwicklung, die ich auch schon vorher, etwa bei den Spielen gegen Nürnberg und Hamburg ausgemacht hatte: Sichere Defensive und schnelles Umschaltspiel. Diesmal war es sogar noch garniert mit ansehnlichem Spiel. […]

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