Das Vertrauen in die Sportmedien

Lars 23. März 2014 4 Kommentare Drucken

Ich möchte mich mal einem Thema widmen, das nur bedingt mit Werder zu tun hat und genauso bedingt mit meinem Job als PRler.

Das -Magazin Meedia hat das unjournalistische Interview mit dem derzeitigen Bayern-Trainer zum Anlass genommen und berichtet über die Krise der Sportmedien. Nach Meinung des Autors ist die Tatsache, dass so viele Medien und Menschen weltweit aus diesem Sponsorentext zitieren, ein Beleg dafür, dass die regulären Sportmedien in einer Vertrauenskrise sind.

Hier ein längeres Zitat:

„So zeigen Auswertungen des Social-Media-Analyse-Portals 10000 Flies immer wieder, dass Fußball-Vereine mit ihren Pressemitteilungen zu Transfers oder Trainerentlassungen in den sozialen Netzwerken längst mehr Leser finden, als die klassischen Medien mit ihren Berichten und Meldungen zum selben Thema. Zum einen ist es schön, dass sich so viele für die Originalquelle interessieren. Zum anderen bekommen die Vereine so eine immer größere Deutungshoheit, um die Nachrichten ganz in ihrem Sinne steuern zu können.“

Ich kann dieses Phänomen aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich warte eigentlich immer auf die jeweilige offizielle Meldung des Vereins, bevor ich hier oder auf Facebook und Twitter über einen Transfer oder eine Trainerentlassung berichte. Der Grund dafür liegt jedoch eher an den Sportmedien selber. Es gibt meines Wissens noch keine Untersuchung darüber, wie viele mehr oder weniger exklusive Ankündigungen von Medien zu entsprechenden Wechseln von Spielern oder Trainern im Fußball sich als wahr herausstellen und wie viele einfach nur völlig aus Luft gegriffen sind. Ich wage aber zu behaupten, dass die aus welchem Grund auch immer nicht zustande gekommenen Wechsel in der Überzahl sind. Natürlich verteilt sich diese Flut an Spekulationen vor allem auf einige wenige einschlägige Medien, aber nichtsdestotrotz gibt es wohl sonst nirgendwo so viele Vermutungen und Gerüchte wie im Profifußball.

Und aus dieser Erfahrung heraus ist es für mich ganz einfach: So lange Werder oder ein anderer betroffener Verein keinen Vollzug melden, glaube ich an keinen Spielertransfer und an keine Trainerentlassung. Und natürlich weiß ich, dass solche Meldungen der Vereine selber PR sind (ich mache ja auch PR) und dass sie dadurch natürlich den eigenen Verein in bestmöglichem Licht erscheinen lassen wollen. Und ich denke, dass dies auch viele andere Fans und Blogger einzuschätzen wissen. Und im Übrigen: In Sachen Glaubwürdigkeit und Vertrauensseligkeit bin ich mir nicht sicher, wie gut manche Medien gegenüber den Vereinen abschneiden…

Transfergerüchte sind da ein von Meedia schlecht gewähltes Beispiel. Denn meine Skepsis gegenüber Medienberichten zu angeblich ganz toll sicheren Spielerwechseln bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht guten zu schätzen weiß. Das reicht dann vom puren Verfolgen eines Live-Tickers und den anschließenden Spielberichten bis zu tiefer gehenden Artikeln zu Fußballtaktik oder Sportpolitik. Und ich würde sagen, dass besonders im Sport ein unabhängiger und kritischer überaus wichtig ist, siehe etwa die Affären rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften oder auch die Steuergeschichte rund um Uli Hoeneß, bei der ich mir, jenseits jeglicher Häme, vom noch weitere Aufklärung erhoffe.

Am Ende schreibt Meedia, dass jeder Sportjournalist wohl gerne besagtes Interview mit geführt hätte, dass in den letzten Tagen rauf und runter zitiert wurde. Doch der Bayern-Trainer hat sich wohl in seinen Arbeitsvertrag reinschreiben lassen, dass er keine Interviews mit kritischen und unabhängigen Medien führen muss. Ich habe die Hoffnung, dass dieses Interview mit dem Trainer in einem „richtigen“ Medium anders ausgesehen hätte. Denn es gibt wohl auch bei die ein oder andere Sache, über die er wohl nicht so gerne gesprochen hätte wie über diese Erinnerungen an seine Zeit bei Barcelona.

Und genau dafür ist Journalismus da.

„Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations.“
(angeblich George Orwell)

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4 Kommentare »

  • Stephen sagt:

    Generell sehe ich das Problem, dass weite Teile der Sport-Berichterstattung heute von einer erschreckenden Oberflächlichkeit sind. Oft geht es um Ergebnisse, um Statistiken, Serien, darum einen Trainer aus dem Amt zu schreiben und so weiter und so fort. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Sport und auch mit dem, was auch schief läuft, bleibt dabei oft aus. Gerade auch im TV hört man ja so gut wie keine kritischen Nachfragen zu bestimmten Themen, weil der Fußball eben auch eines der Premium-Produkt ist, welches man sich ja nicht selber beschädigen möchte (gilt bspw. auch für Wintersport und andere Sportarten). Im Print sieht das teilweise noch anders aus und hier gibt es ja auch eine Berichterstattung, die sich eben nicht alleine mit Schwarz-Weiß-Denken zufrieden gibt (siehe bspw. die Diskussionen um „die Ultras“ o.ä.).

    Es ist schon bezeichnend, dass mit Sport-Inside eine der wenigen Sport-Sendungen, die auch mal kritischer nachfragt im WDR um 22:45 Uhr versteckt wird. Und das bspw. die Spielverlagerung (zusammen mit anderen) aus der Blogosphäre heraus die taktische Analyse in die Mainstream-Medien getragen haben, zeigt ja auch, wie wenig teils über den Tellerrand geschaut wird und man am Ende versucht, sich Entwicklungen einzuverleiben.

    Die Vereine versuchen natürlich zunehmend, den Informationsfluss zu lenken, was wieder den Druck auf Journalisten erhöht, bloss nicht allzu kritisch nachzufragen, weil man sonst gewisse Privilegien beim Zugang zu Offiziellen verlieren könnte. Da zitiert man dann halt die Audi-Zeitung und lässt kritische Fragen bleiben, weil man ja sonst beim Meister-Bankett außen vor bleiben könnte.

  • #Link11: Auf den Punkt gebracht | Fokus Fussball sagt:

    […] Grundsätzliches: werderblog.net schreibt anlässlich des Sponsoreninterviews von Pep Guardiola über “Das Vertrauen in die […]

  • Lars (Autor) sagt:

    Ich denke auch, dass wir vor allem im Fernsehen den eher unkritischen Journalismus bewundern dürfen und da wohl im Privatfernsehen noch ein bisschen mehr, wo eben auch viel mehr von der Zahlungsbereitschaft der Unternehmen abhängt. Im Radsport hat es ja auch lange gedauert, bis sich der TV-Journalismus angemessen kritisch mit diesem Sport und den Doping-Auswüchsen auseinandergesetzt hat.

    Und ich stimme Dir zu, die Vereine versuchen natürlich, die Berichterstattung in ihrem Sinne zu beeinflussen, mittlerweile auch immer stärker über Social Media. Gerade in dieser Situation ist kritischer Journalismus umso wichtiger. Die Frage ist nur, ob die Menschen und Unternehmen bereit sind, dafür zu bezahlen, bei Ersteren in Form von Werbung und bei Zweiteren etwa in Form von (Online)-Abos.

  • SVW-Blogschau No. 8 | #hashtagmafia sagt:

    […] »Das Vertrauen in die Sportmedien« […]

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