Gegen Freiburg: Rückschritt

Lars 22. März 2014 3 Kommentare Drucken

Ein verdientes 1:3 für Freiburg, ein glückliches 1:3 für Werder war das gestern. Werder unterbot die bereits schwache Leistung gegen Stuttgart und konnte die eigenen Stärken nie ausspielen. Ähnlich wie beim letzten Spiel musste Freiburg eigentlich nur auf die Fehler der Bremer warten. Und so reichten eine mittelmäßige Leistung und drei eigene Torschüsse für einen ungefährdeten 3:1 Heimsieg der Breisgauer.

„Beim 3:0 hatte ich Angst, dass es ein Debakel wird. Das konnten wir immerhin verhindern.“

()

Dutt ließ seine Mannschaft wieder mit einer Raute spielen, die Besetzung überraschte allerdings. Für Petersen spielte Makiadi, aber anstatt mit zwei defensiven Mittelfeldspielern und einem Stürmer aufzulaufen, ging Werder wie gesagt mit der Raute ins Spiel. Hunt spielte neben Di Santo ganz vorne und Makiadi gemeisam mit Junuzovic auf der Halbposition im Mittelfeld. Obraniak startete als 10er. Während der ersten Halbzeit, als das Elend so langsam seinen Lauf nahm, hatte ich noch gedacht, dass alle Spieler da vorne vom neuen Duttschen System überfordert seien. Tobi meinte doch schon während des Spiels zu Recht, dass zumindest Obraniak und Makiadi, die beide eher schwach waren, auf den Positionen spielten, auf denen sie sich doch eigentlich wohl fühlen sollten. Nur Hunt war zu Anfang auf buchstäblich verlorenem Posten vorne im Sturm und so orientierte er sich schon früh im Spiel immer wieder nach hinten, um sich die Bälle zu holen oder sich als Anspielstation anzubieten.

Bei gegnerischem Ballbesitz verteidigte Werder eher in einem 4-3-3, was für Freiburg nur am Anfang herausfordern war. Es zeigte sich dann recht früh, dass Bremen mal wieder Probleme bei eigenem Ballbesitz hatte (Warum sollte sich das auch plötzlich ändern?) und dass die Freiburger, wenn sie den Ball von den Bremern geschenkt bekamen, sehr viel Raum für das eigene Spiel hatten. Die einzelnen Mannschaftsteile bei Werder standen viel zu weit auseinander, besonders im Mittelfeld taten sich für die Breisgauer große Räume auf. Alles was Werder stark oder zumindest schwer zu besiegen gemacht hatte in den Spielen gegen Frankfurt, Hamburg und Nürnberg ließ die Mannschaft gestern vermissen und die Freiburger hatten kaum Mühe: ein weiter Ball aus der Abwehr ins vordere Mittelfeld, wo zu viele Spieler frei standen, ein bisschen hin und herpassen und schon waren sie vor dem Tor von Wolf. Dass es zur Pause nur 0:1 stand, war der Schwäche der Freiburger geschuldet, denen man auch ansah, warum sie in dieser Saison gegen den Abstieg spielten.

„Das war hinten nichts, in der Mitte nichts und vorne nichts.“
(Thomas Eichin)

Während der PK nach dem Spiel erklärte Dutt, wie er in der zweiten Halbzeit das Ruder herumreißen wollte: mit hohem Angriffsspressing, um die Freiburger zu Fehlern zu zwingen. Das hat genau einmal gut geklappt und zwar in der 70. Minute, als Hunt einen Fehlpass aufnahm und auf Petersen passte, der dann den Ball in das leere Tor schob. Nur stand es zu diesem Zeitpunkt leider schon 3:0 für die anderen. Das lag daran, dass dieses erwähnte Angriffspressing ansonsten eben nicht funktionierte. Werder bekam fast nie den Zugriff auf das Spiel und die Freiburger konnten sich recht einfach befreien und konterten dann zweimal bis zum eigenen Torerfolg.

Nach dem Anschlusstreffer durch Petersen hoffte ich zwar kurzzeitig nochmal auf einen Schlussspurt, heraus kam aber nur eine weitere Halbchance durch Petersen. Und das war’s. Eher hatte Freiburg noch die besseren Chancen auf den Ausbau des Spiels.

Auf der Suche nach Gründen
Natürlich konnten wir in diesem Spiel mal wieder ganz viele individuelle und kollektive Fehler bei Werder bewundern. Dem Bremer Trainer muss man allerdings schon die Frage stellen, warum er sich entschieden hat, so gegen Freiburg spielen zu lassen. Damit meine ich gar nicht mal die personelle Umstellung. Die Herausnahme von Petersen fand ich richtig. Dass Di Santo dafür jegliche Qualität, die er in den Spielen davor gezeigt hat, vermissen ließ, war vorher ja nun kaum abzusehen. Und dass Makiadi auch gegen seinen Ex-Club nicht das zeigte, weswegen Werder ihn letzten Sommer holte…geschenkt. Nur Hunt in dieser sehr offensiven Rolle war im Nachhinein ein Fehler.

Was mich jedoch verwunderte, war die Spielweise von Werder. Warum haben sie sich in einem Auswärtsspiel, in dem es möglich war, einen weiteren Konkurrenten auf Abstand zu halten, nicht einfach auf das besonnen, was zu den Siegen gegen den HSV und vor allem gegen Nürnberg geführt hat? Warum haben sie sich so weit auseinander ziehen lassen und dem Gegner die Räume geöffnet, die dieser nur dankbar annehmen musste? Und das war ja nicht eine Reaktion auf die Freiburger Führung, sondern zeigte sich ja von Anfang an. Hier trägt Dutt natürlich seinen Anteil an dieser Niederlage, das kann man nicht alles nur der individuellen Schwäche der Spieler anlasten.

Diese einfache Spiel von Werder, das weder schön noch spektakulär aussah, hätte ich auch gerne am gestrigen Abend gesehen.

Fazit der Wahrheitswochen und Ausblick
Nach dem Spiel gegen Gladbach, vor den fünf Spielen gegen die direkten Konkurrenten hatte Werder drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Jetzt, nach zwei Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage, werden es am Ende dieses 26. Spieltags im besten Fall sechs und im schlechtesten fünf Punkte sein. Entscheidend absetzen von den Abstiegsplätzen konnte sich Werder also nicht, sie sind allerdings auch nicht stärker hinten reingerutscht und haben einige der Konkurrenten auf Abstand gehalten.

Jetzt kommt bereits am Dienstag das nächste Spiel, das Heimspiel gegen Wolfsburg. Zumindest ein Unentschieden würde mir ja schon gut gefallen. Derzeit muss ich jedoch schon lange nach etwas suchen, was mich zuversichtlich stimmt, dass die Mannschaft diesen einen Punkt auch erreicht.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
Loading...

3 Kommentare »

  • »Il male, il brutto, il cattivo« | vert et blanc sagt:

    […] gestern gefühlt viel zu spät. Weniger wäre in Freiburg sprichwörtlich mehr gewesen; und so ist Lars vom Werderblog beizupflichten, der sich dieses »einfache Spiel, das weder schön noch spektakulär aussah« auch […]

  • #Link11: Auf den Punkt gebracht | Fokus Fussball sagt:

    […] den ungefährdeten 3:0-Triumph in Hannover. Das 1:3 der Werderaner in Freiburg war für werderblog.net ein Rückschritt. Eintracht Frankfurt schickt den 1. FC Nürnberg in Richtung Liga 2, meint Clubfans […]

  • SVW-Blogschau No. 8 | #hashtagmafia sagt:

    […] »Gegen Freiburg: Rückschritt« […]

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf Ihrer Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.

Um zu Ihrem Kommentar automatisch ein Bild einzufügen, registrieren Sie sich bei Gravatar.