Gegen Stuttgart: Eine wunderbare Mannschaft im Glück

Lars 17. März 2014 18 Kommentare Drucken

Was macht man, wenn man gegen eine Mannschaft spielt, die nicht viel mit dem Ball anzufangen weiß? Genau: Man gebe ihr den Ball. Stuttgart hat dies mehr beherzigt als die letzten Gegner von Werder und es wäre beinahe aus Bremer Sicht in die Hose gegangen. Der VFB hätte den Sieg sicher eher verdient gehabt.

„Es war ein glücklicher Punktgewinn für uns. Stuttgart hat den Spieß herumgedreht und in einer Art und Weise gespielt, wie wir die letzten Wochen gespielt haben.“

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Dutt ließ Werder genauso auflaufen wie im letzten Spiel gegen Nürnberg. Das Spiel fing allerdings nicht genauso an. Stuttgart zog sich bei Ballbesitz recht weit zurück und ließ Werder erstmal machen. Und dann sah es oft so aus, dass die Bremer sich den Ball hin und herschoben, ohne das viel passierte. Weite Bälle auf die Stürmer oder die Außen brachten nicht viel und deswegen holten sich sowohl Hunt als auch Obraniak immer wieder mal die Bälle von weit hinten. Das Kombinationsspiel kam jedoch wieder einmal nicht in Gang und das werden wir wohl auch in dieser Saison nicht mehr erleben.

Werder ballbesitz

Stuttgart hingegen wusste sehr wohl etwas mit dem Ball anzufangen. Sobald sie ihn eroberten, was gegen Bremen derzeit nicht so wirklich schwierig ist, ging es eigentlich recht ansehnlich nach vorne. Vor allem Traoré in seiner neuen Rolle war recht aktiv und verteilte die Bälle gut, vor allem auf die Außen. So richtig gefährlich wurden sie zunächst jedoch nicht und so war die gefährlichste Situation für Werder der Elfmeter kurz vor dem Halbzeitpfiff. Es ist schwer zu sagen, ob es tatsächlich ein strafstoßwürdiges Handspiel von Lukimya war. Für mich sah es eher danach aus, dass der Arm des Abwehrspielers direkt vor seinem Körper war, als der Ball diesen berührte. Und auch Thorsten Kinhöfer schien dies zunächst so gesehen zu haben, aber anscheinend hat ihn sein Assistent vom Gegenteil überzeugt. Weil Harnik den ersten Elfmeter seiner Bundesligakarriere sehenswert an den Außenpfosten setzte, müssen wir uns gottseidank nicht mehr großartig darum kümmern. Wäre trotzdem interessant was Collinas Erben dazu sagen.

Die zweite Halbzeit war dann etwas offener als die erste und es gab mehr Torchancen. Stuttgart war auch in den zweiten 45 Minuten die insgesamt bessere Mannschaft mit den besseren Torgelegenheiten. Dass der VFB nur ein Tor hinbekommen hat, lag diesmal weniger an der Abwehrstärke von Werder, sondern eher an der eigenen Abschlussschwäche.

Merkmale wie Konsequenz im Abwehrverhalten, Aggressivität und Aufmerksamkeit sind nur schwer in Form von Spieldaten zu messen. Und dennoch hatte ich von Anpfiff an das Gefühl, dass es am Samstag genau daran mangelte. Nach vier Spielen in Folge ohne Niederlage wirkte es so, als ob die Spieler nicht mehr mit letzter Konsequenz arbeiteten, als ob sie nicht mehr jedem Ball und Gegenspieler hinterherrennen wollten. Das Gegentor war dafür beispielhaft. Prödl blieb einfach stehen, als der Ball in den Strafraum geschlagen wurde und guckte nur noch hinterher, wie Niedermeier weiter dran blieb und den Ball schließlich ins Tor brachte. Ich mag mich täuschen, aber ich glaube, gegen den HSV hätte Prödl den Ball weggeköpft. Oder Wolf wäre rausgekommen und hätte den Ball weggefaustet.

Vielleicht lag es aber auch insgesamt an Stuttgart, dass Werder nie so richtig in dieses Spiel fand. Dutt deutet das in seinem Zitat oben aus der Pressekonferenz nach dem Spiel an, dass die Schwaben das richtige Mittel gegen die Raute gefunden haben. Vielleicht ist es an der Zeit, mal wieder die Aufstellung der Mannschaft zu ändern, um nicht so ausrechenbar zu sein für den nächsten Gegner. Petersen könnte wegen mir gerne mal eine Pause bekommen. Torgefahr geht von ihm derzeit kaum aus, wichtig ist er allerhöchstens noch mit seiner kämpferischen Einstellung. Vielleicht könnte Kobylanski, nach mehreren Einwechslungen, mal von Anfang an seine Chance bekommen, wenn es auch im nächsten Spiel mit der Raute weitergeht. Ansonsten kann ich eigentlich keinen Spieler so richtig hervorheben, weder positiv noch negativ. Die Mannschaftsleistung insgesamt gefiel mir nicht mehr so gut wie in den Spielen zuvor.

Es kann keine Rede davon sein, dass die Qualität nicht ausreicht. […] Dieses Jahr haben wir als Ziel, den Konsolidierungskurs des Vereins als Mannschaft mitzutragen und wir haben die Aufgabe, den Abwärtstrend der letzten drei Jahre zu stoppen und langsam wieder nach oben zu gehen. […] Für dieses Ziel haben wir eine wunderbare Mannschaft, eine sehr engagierte Mannschaft. Eine Mannschaft die mit Leib und Seele diesen Verein lebt und das verstehe ich schon auch als eine Qualität.

(Robin Dutt)

Das Unentschieden , auch wenn es glücklich war, hilft uns natürlich mehr als den Stuttgartern. Nach den Siegen von Freiburg und dem HSV ist der VFB nun auf den 17. Platz abgerutscht und Bremen hat nun sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Und auch gegen den vierten direkten Konkurrenten hintereinander hat Werder nicht verloren.

Was mich nur etwas beunruhigt, ist die Tatsache, dass uns fast alle Mannschaften da unten spielerisch überlegen sind. Insofern ist es schon erstaunlich, wer in diesem Jahr alles um den Abstieg mitspielt. Letztendlich geht es natürlich darum, die richtigen Ergebnisse einzufahren (…*kling*…) und was das angeht, hat Werder bislang gegenüber den anderen Mannschaften die Nase vorn: Siege gegen Hamburg und Nürnberg, Unentschieden gegen Frankfurt und Stuttgart. Diese vier Mannschaften stehen immer noch hinter Werder und am Freitag kommt mit Freiburg der nächste Club, der mit sieben Punkten Abstand hinter uns steht. Ich hoffe, dass die Mannschaft ein bisschen mehr die Qualität zeigt, die ihr Robin Dutt im gestrigen Sportclub im NDR bescheinigt hat und den Abstand zumindest hält.

Ein Sieg wäre natürlich noch schöner.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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18 Kommentare »

  • /spe sagt:

    »Nach vier Spielen in Folge ohne Niederlage wirkte es so, als ob die Spieler nicht mehr mit letzter Konsequenz arbeiteten, als ob sie nicht mehr jedem Ball und Gegenspieler hinterherrennen wollten.«

    Allerdings, den Eindruck hatte ich auch. Eichin hatte unter der Woche ja angekündigt, trotz der letzten Punktgewinne den Druck aufrecht erhalten zu wollen. Das hat nicht vollständig geklappt. Zur Kinhöfer/Lukimya-Frage: Hellmut Krug ließ sich hierzu in der Kreiszeitung mit »Das war eine Fehlentscheidung« zitieren (leider taucht da derzeit ’ne Fehlerseite auf, sonst hätte ich’s verlinkt). Sehe ich auch so. Keine Vergrößerung der Körperfläche.

  • Lars (Autor) sagt:

    Vielleicht wäre es an der Zeit, mal wieder andere Spieler zu bringen, die sich beweisen wollen.

  • Stephen sagt:

    Vielleicht ist es aber auch ein Schock zur rechten Zeit. Das Spiel machte halt ganz deutlich, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn alle 100% geben. Ich denke, diesen Punkt wird Dutt der Mannschaft auch noch einmal bis zum Freiburg-Spiel vermitteln.

    Auch wenn wir das Problem diese Saison nicht mehr beheben werden, fand ich es schon erschreckend, wie wenig die Mannschaft mit dem Ball anzufangen weiß. Diese Hilflosigkeit, wenn die Stuttgarter uns das Feld überlassen haben, war von den Tribünen aus greifbar. Das wurde in den Spielen zuvor auch ein wenig durch die Ergebnisse überdeckt.

    Aber jetzt zählt nur der Klassenerhalt, nicht die Ästhetik. ;)

  • Lars (Autor) sagt:

    Das mit dem Schock zur rechten Zeit habe ich auch gedacht. Wobei die Gefahr immer noch besteht, dass sie denken, „Och, hat doch geklappt und ein Unentschieden ist doch ein gutes Ergebnis“.

  • Stephen sagt:

    Das ist dann eben Dutts Aufgabe, einem möglichen Schlendrian Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass man gegen Freiburg wieder an die Leistungen gegen den HSV und Nürnberg anknüpfen kann. Zumindest im Bezug auf die Einstellung und Konzentration.

  • Michael sagt:

    Ich sehe das ganz ähnlich. Das wir die Punkte in den letzten Spielen eingefahren haben ist unglaublich wichtig, gerade weil da rein Spielerisch wenig Hoffnung für die verbleibenden Spiele nach Freiburg bleibt.

    Meine Persönliche Milchmädchenrechnung ist ja diese. In der Hinrunde haben wir 19 Punkte geholt. Das ist für den Klassenerhalt nach 42 Punkte Regel zu wenig. Von diesen 19 Punkten haben wir in der Rückrunde gegen Brauenschweig und Augsburg direkt mal 5 liegen gelassen – das ist sehr sehr sehr schlecht gewesen.

    Pluspunkte aus der Rückrunde +1 BMG; +1 Frankfurt; +2 Nürnberg. Soll heißen Aktuell haben wir einen Punkt weniger geholt als in der Hinrunde in der wir bereits zu wenig Punkte für einen sicheren Klassenerhalt eingefahren haben. Und verzeiht mir jetzt das ich er einplane gegen Leverkusen keine drei Punkte zu hohlen als gegen Bayern nicht unter zu gehen. Dementsprechen wäre ein Sieg in Freiburg (die uns Traditionell besser liegen als der VFB) extrem wichtig und dennoch keine sichere Rettung. (Das wären dann 19 + 21 wenn alle weiteren spiele ähnlich verlaufen wie die Hinrunde.)

    Wir sind Akut abstiegsgefährdet. Das sich vier Spiele ohne niederlage gut anfühöen ändert daran nichts, und eine Manschaft die drei Spielzeiten in Folge in der ersten runde aus dem Pokal fliegt kann es auch schaffen drei Spielzeiten in Folge keine/zu wenig Punkte aus dem letzten Saisondrittel zu hohlen.

  • Michael sagt:

    20 natürlich, nicht 21.

  • Michael sagt:

    Sorry fürs Spammen. Die Frage ist dann halt auch woher kommen die restlichen Punkte? Vieleicht gegen Hoffenheim? Vieleicht gegen 96? Dann wirds schon schwierig. Natürlich kann man sagen, „Hey, vieleicht gehts für Bayern, Leverkusen und Berlin an den letzten Spieltag schon um nichts mehr… aber trotzdem sind die auf dem Papier alle überlegen.

  • Lars (Autor) sagt:

    Danke fürs Kommentieren. :-)

    Diese Saison werden auf jeden Fall weniger als 40 Punkte (was ja die normale natürliche Grenze für den sicheren Klassenerhalt ist) für den Klassenerhalt ausreichen. Es ist ja kaum vorstellbar, dass Stuttgart noch 19 Punkte aus den verbleibenden neun Spielen holen wird (fünf Siege und vier Unentschieden zum Beispiel). Manche sagen, es reichen schon 35 Punkte, das wären dann für Werder zwei Siege, die natürlich noch drin sind, etwa am Freitag gegen Freiburg und dann zu Hause gegen Hoffenheim oder Hertha. Gegen Bayern wird nix zu holen sein, aber gegen alle anderen, die noch kommen, ist bei richtig guter Einstellung und Tagesform immer was drin (siehe Leverkusen in der Hinrunde).

    Spielerisch besser sind außer Braunschweig eigentlich alle Mannschaften zur Zeit, daher hilft die theoretische Klasse wenig.

    Auf der anderen Seite haben Dutt und Eichin ja die 40 Punkte als Ziel ausgegeben für diese Saison zusammen mit dem Ziel, früher als letzte Saison mit dem Abstieg nichts mehr zu tun zu haben. Die 40 Punkte werden wohl nur mit viel Glück erreicht.

  • Michael sagt:

    Tagesform geht natürlich immer, aber man muss halt auch sehen das Mainz, Wolfsburg und Schalke nicht nur um Europa und Championsleague Plätze mitspielen sondern ggf. sogar um die Viezemeisterschaft.

    Auch wenn das bei WOB und Mainz nicht so klingt wenn man den Namen hört.

  • René sagt:

    Hallo zusammen,

    dir Lars sowie allen anderen bei der famosen hashtagmafia einmal mehr danke für die spannenden Gedanken zum SVW. Eigentlich wollte ich ja diejenigen von euch, die im Stadion waren, fragen, wie ihr das Engagement von Mannschaft und Publikum erlebt habt. Die Frage haben v.a. Stephen und vert et blanc netterweise schon beantwortet und meinen Eindruck bestärkt, dass der letzte Wille der vorherigen Spiele nicht mehr da war. Allerdings denke ich, dass man der Mannschaft eine Schwankung wie die gegen den VfB zugestehen muß. Offensichtlich ist doch, dass sie nur am Limit eine Chance hat in der Liga aber permanent an dieses Liment zu gehen schafft keine Mannschaft, das ist gerade im Tabellenkeller gut zu beobachten. So gesehen sind wir mit ´nem blauen Auge davongekommen und was die nächsten Spiele angeht bin ich ganz bei Stephen, d.h. es ist Dutts Aufgabe, die Spannung hochzuhalten und den Schlendrian gar nicht erst zuzulassen. Personelle und taktische Veränderungen scheinen mir in diesem Sinne ein probates Mittel bzw. dringend angezeigt (Pause für Petersen).
    Das Spiel beim SC bietet mit dem Duell Dutt vs Streich ohnehin einen delikaten Extraaspekt. Ich gehen davon aus, dass Dutts Motivation, an der Dreisam zu bestehen, besonders groß sein wird. Möge es uns zugute kommen. Nach diesem Spiel drücke ich dem SC dann beide Daumen für den Klassenerhalt!

    Grün-weiße Grüße aus Berlin,
    René

  • Lars sagt:

    Michael, klar, für eigentlich alle, gegen die wir noch spielen, geht es noch um was (bis auf die Bayern, aber die spielen nun wirklich in einer anderen Liga als wir). Dennoch habe ich die Hoffnung, dass bei entsprechender Form zum Beispiel gegen Wolfsburg etwas drin ist.

  • Lars sagt:

    Danke für die Blumen, René!

    Und ansonsten hoffe ich wie gesagt, dass die Mannschaft die richtigen Lehren aus diesem Unentschieden zieht und sich nicht denkt, das wird schon, auch mit 3/4 Einsatz.

  • /spe (vert et blanc) sagt:

    Ich denke auch, dass weniger als 40 Punkte reichen dürften. Gerade eingedenk der Tatsache, dass sich die Abstiegskonkurrenz noch gegenseitig Punkte stehlen wird. Es gibt da natürlich bestenfalls Wahrscheinlichkeiten, aber ein Blick auf die letzten Spielzeiten zeigt, dass 32, 33, 34 Punkte schon häufiger ausreichten.

  • SVW-Blogschau Nr. 7 | #hashtagmafia sagt:

    […] Gegen Stuttgart: Eine wunderbare Mannschaft im Glück Ich habe drüben aufm Werderblog weniger Kampf und Einsatz bei der Mannschaft gesehen als in den Spielen zuvor. Davon abgesehen hat es Stuttgart ganz clever angestellt und mal zur Abwechslung Werder ein Spiel aufgezwungen, welches ihnen derzeit nicht richtig liegt. […]

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