Von Augsburger Plänen, Bremer Chaos und eigener Ratlosigkeit

Lars 2. Februar 2014 Ein Kommentar Drucken

Ich werde versuchen, mich in diesem Beitrag eher und vor allem auf das gestrige Spiel in Augsburg zu konzentrieren und weniger die Gesamtsituation von Werder zu beleuchten, mit der ich natürlich genauso unzufrieden bin wie andere. Und die bloggenden Kollegen drüben bei der Papierkugel, dem Werder-Exil oder #werder2013 haben diese Gesamtsituation ja schon gut und aus unterschiedlichen Gesichtspunkten kommentiert.

Überraschungen in der Aufstellung
Nun also zum Spiel: Zunächst gab es bei der Aufstellung von Werder reichlich Verwirrung, vor allem auf Twitter. Nachdem die Bild schon Freitag Abend verkündete, Hunt würde fehlen, las man zunächst bis 30 Minuten vor Spielbeginn nirgendwo sonst etwas dazu. Die Bild wiederholte diese News, bevor Sky dann Hunt in die Startelf twitterte. Nach ein paar Minuten Herumraten gab der Verein dann die Gewissheit: Hunt konnte wegen Knieproblemen nicht spielen. Dies war dann aber nicht die einzige Überraschung bei der Aufstellung. Auch wenn ich im letzten Grünweiß-Stammtisch schon vermutete, dass Makiadi, der wieder fit war, auch in der Startelf stehen würde, habe ich nicht damit gerechnet, dass Bargfrede draußen bleibt. Er war sowohl gegen Braunschweig als auch gegen Leverkusen einer der besseren Bremer und Kroos hat bis zum letzten Spiel lange gefehlt. Daher war diese Entscheidung von Dutt, auf das Duo Kroos/Makiadi zu setzen, für mich völlig unverständlich.

Die andere, ebenfalls eher negative Überraschung war Di Santo auf einer der beiden offensiven Außenpositionen. Auch diese Entscheidung Dutts war für mich nur schwer verständlich. Noch bei der Pressekonferenz zur Vorstellung von Obraniak hatte der Trainer gesagt, dass einige Spieler vor allem in der Offensive immer wieder auf für sie ungewohnte Positionen spielen mussten. Warum spielt dann nicht Yildirim von Beginn an? Natürlich kenne ich nicht die genauen Details wie Formkurve und Fitnessstand jedes Spielers, vor allem wenn er kaum spielt, aber Yildirim war doch zumindest im Kader und saß auf der Bank. Er wäre doch die logische Lösung für das Problem der nicht-positionsgetreuen Aufstellungen in unserer Offensive.

Junuzovic auf der Hunt-Position war dann für mich schon leichter verständlich. Schon gegen Braunschweig hatte der Österreicher einige gute Szenen als kreativer Mittelfeldmann.

Die erste Halbzeit: Zuerst Chaos, dann Augsburger Ordnung und Bremer Chaos
Als nach ca. 20 Minuten endlich so etwas wie Struktur ins Spiel kam, waren schon zwei Tore gefallen. Die glückliche Führung durch das Augsburger Eigentor glich Werner durch einen leicht abgefälschten Freistoß aus. Neben diesen beiden Toren war die Anfangsphase von beiden Mannschaften sehr hektisch, viele Pässe kamen entweder zum Gegenspieler oder landeten im Aus. Ein wirklich koordinierter Spielaufbau war auf beiden Seiten nicht zu erkennen. Bremen jedoch war in einer Hinsicht auffälliger: Dumme Fouls in der Nähe des eigenen Strafraums begehen. Nach vier Minuten bekam Kroos bei einem solchen Foul auch noch die gelbe Karte und Werner durfte schon mal für sein Tor sechs Minuten später üben. Und auch im Anschluss während der gesamten ersten 45 Minuten stellten sich die Bremer reichlich dämlich an und produzierten reihenweise Freistoßmöglichkeiten für die Hausherren.

Nach der zweiten gelben Karte des Spiels in der 18. Minute für Garcia bekamen dann die Augsburger das Spiel in den Griff und dominierten die Partie von da an deutlich. Daran, wie sie nach eigenen Ballgewinnen agierten, kann man sehr schön die derzeitigen Unterschiede der beiden Mannschaften festmachen:

Augsburg spielte nach Balleroberung schnell und einigermaßen sicher nach vorne. Man sah: Die Spielzüge sind einstudiert und die Spieler, die allesamt individuell sicher nicht um Klassen besser sind als die Bremer, wussten, was sie zu tun hatten und wohin sie laufen und spielen mussten. Die Bremer machten es ihnen dazu noch im Mittelfeld und auf den Außen recht leicht und ließen ihnen Raum zum Spielen. Dass Augsburg nicht früher die weiteren Tore geschossen hatte, lag wohl nur an ihrer eigenen Unzulänglichkeit beim Abschluss und an den beiden Spielern bei Werder, die Normalform hatten: Caldirola und Prödl.

Und Bremen? Neben der erwähnten guten Leistung der Innenverteidiger war da leider nicht viel. Es wirkte so, als ob sie einfach nicht wussten, was sie mit dem Ball machen sollten, wenn sie ihn dann mal hatten. Und deswegen gaben sie ihn gleich wieder ab. Sie waren hektisch und schlampig und es war keine Struktur und kein Plan erkennbar. Dadurch bekamen die Augsburger die Bälle wieder zurück, ohne dass sie allzu viel dafür tun mussten, und konnten ihr schnelles Spiel wieder aufziehen.

Vor allem die beiden Sechser Kroos und Makiadi brachten meiner Meinung nach kaum etwas zu Stande. Bei Kroos lag es vielleicht auch daran, dass er durch seine frühe gelbe Karte gehemmt war, bei Makiadi weiß ich nicht, woran es lag. Seine Aufstellung hat er in der ersten Halbzeit jedenfalls nicht gerechtfertigt. Ich könnte jetzt sagen, dass die Offensive bei allem Fokus auf die Abwehr im Training und in den Spielen zwangsläufig zu kurz kommt, nur war auch die Defensivleistung des Großteils der Mannschaft dürftig. Diese Leistung in der ersten Halbzeit, als die Mannschaft noch alle Spieler beisammen hatte, lässt mich einfach ratlos zurück. Lag das wirklich alles daran, dass Hunt fehlt? Der einzige Spieler bei uns zur Zeit, der den Ball mal länger als eine Sekunden halten kann und auch einigermaßen weiß, was er damit zu tun hat?

Die zweite Hälfte: Schadensbegrenzung(?)
Bei aller Augsburger Überlegenheit und Bremer Mängel stand es nach 45 Minuten trotzdem nur 1:1. Es hätte also durchaus sein können, dass noch etwas zu Gunsten Bremens passieren konnte. Zum Beispiel durch ein kollektives Zusammenreißen, durch kluge Wechsel von Dutt zur Halbzeit oder auch einfach nur durch Glück. Dafür, dass die Hoffnung darauf gar nicht erst aufkommen sollte, sorgte Garcia noch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Die zweite gelbe Karte war natürlich berechtigt, alles Andere dazu kann man bei Stephen nachlesen.

Eichin sagte nach dem Spiel, dass es nach dem Platzverweis für Garcia in der zweiten Halbzeit nur noch um Schadensbegrenzung ginge. Wieso eigentlich? Es ist ja schon öfter vorgekommen, dass eine Mannschaft zu zehnt nicht unbedingt schlechter spielt als in kompletter Besetzung. Nur, bei Werder an diesem Tag leider nicht. Schon nach vier Minuten war es so, wie Eichin sagte. Eine Flanke auf rechts wurde nicht verhindert, Gebre Selassie verschätzt sich bei dieser Flanke und es steht 2:1 für Augsburg. Danach war das Spiel gelaufen. Augsburg konnte den Ball laufen lassen, wie sie wollten und Werder konnte (wollte?) nichts dagegen tun. Das 3:1 war zum einen folgerichtig und zum anderen so albern entstanden, wie es zu diesem Tag nicht besser passen konnte.

Ich hab das Spiel zwar tatsächlich noch zu Ende geguckt (am Abend nachträglich wohlgemerkt, nicht live), aber es gab nichts Bemerkenswertes mehr zu berichten. Außer vielleicht zwei Dingen:

Der einzige wirklich sehenswerte längere Pass aus dem Mittelfeld, der mir in Erinnerung geblieben ist, kam von Bargfrede auf den links gestarteten Junuzovic. Daraus entstand zumindest eine Mini-Chance.

Und Kobylanski sorgte in der 81. Minute für den ersten Schuss von Werder in Richtung Tor. Den ersten der gesamten Partie. Sehr viel mehr muss man eigentlich nicht mehr schreiben.

Fazit? Ratlos.
Was mir an diesem Spiel die Sorgen bereitete, war die erste Halbzeit. Dass individuelle Fehler und Unachtsamkeiten zu Gegentoren führen, daran habe ich mich ja mittlerweile gewöhnt. Was die Bremer allerdings mit elf Mann in den ersten 45 Minuten da herumgestümpert haben, ist einfach nur erschreckend (man gucke sich nur die puren Statistiken zu diesem Spiel an). Ich habe so gut wie keine nennenswerte Offensivaktion gesehen. Das Aufbauspiel war nicht vorhanden und auch das Defensivverhalten, auf dem ja eigentlich der Fokus im Trainingslager gelegen hatte, ließ die meisten Zeit und bis auf wenige Ausnahmen bei den meisten Spielern komplett zu wünschen übrig.

So ist es mittlerweile so weit, dass einige bloggende Fans, inklusive die oben verlinkten Andreas und Stephen, ihre großen Zweifel am Trainer haben. Und ich bin mir auch nicht mehr sicher, ob er der Richtige ist.

Was mich wieder etwas besänftigt hat, waren die Zitate von Dutt zu Beginn der Hinrunde letzten Sommer, die in diesem Blogbeitrag bei Hamburg ist grün-weiß zusammengetragen sind. Hier nur ein kleiner Auszug:

Trainer zu sein, heisst Entwicklungsarbeit. Der Aufbau einer Mannschaft dauert mindestens ein Jahr

Die nächste Sache ist die Defensive, da kann man auch relativ schnell in zwei, drei Monaten ein relativ ordentliches Ergebnis erzielen. Bei der Offensive kann das bis zu einem Jahr dauern, wenn es mit dem Ball geht

Die letzten sechs Monate geben Dutt recht. Es dauert anscheinend wirklich sehr lange, bis eine Mannschaft zusammenfindet und ein Konzept eines neuen Trainers annimmt. Wobei ich Dutt nicht so einfach aus der Verantwortung nehmen will. Spätestens nach diesem in jeder Hinsicht katastrophalen Spiel gegen Augsburg fällt es mir schwer eine Entwicklung bei der Mannschaft zu sehen, einen wirklichen Plan. Mir hängt da viel zu viel von Glück oder eben Pech ab. Die Hinspiele gegen Braunschweig und Augsburg gewann Werder 1:0, obwohl sie nicht unbedingt besser gespielt haben als die beiden ersten Spiele 2014, weil eben mal ein Ball hineinging, der letztes Wochenende gegen Braunschweig partout nicht hineingehen wollte.

Hinzu kommen die Personalentscheidungen. Von Mielitz und Wolf will ich gar nicht wieder anfangen (auch wenn für mich immer noch kein einziger spielerischer Grund für diese Entscheidung zu erkennen ist). Doch auch darüber hinaus kann ich so Einiges an Dutts Entscheidungen nicht nachvollziehen: Warum spielt Makiadi eigentlich immer, wenn er fit ist, und bekommt nicht mal eine Pause? Warum muss Bargfrede nach zwei guten Spielen wieder auf die Bank und einem Spieler Platz machen, der bislang nicht überzeugt hat? Warum muss Di Santo dauerhaft auf einer ungewohnten Position spielen, wo wir doch Spieler haben, die da offensichtlich zumindest auf dem Papier besser hinpassen? Hinzu kommen so manche schwer verständliche Wechselentscheidungen (oder eben keine Wechsel).

Ich bin natürlich kein Trainer und möchte mir auch nicht anmaßen, alles besser zu wissen. Und ich denke auch nicht, ich müsste alles verstehen, was ein Trainer entscheidet, oder dass Dutt alles haarklein erklären muss. Ich habe allerdings bislang bis auf eine Ausnahme jedes Spiel der Bremer in dieser Saison gesehen und denke, dass ich daher schon zumindest ein wenig Überblick über die Leistungsfähigkeit der Spieler auf dem Platz habe. Und daher denke ich auch, dass ich solche Fragen stellen darf (und aus Gesprächen, aus Blogs und von Twitter weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin).

Einen Kader zu formen, dauert länger als eine Transferperiode, hat Eichin gesagt. In der zweiten unter seiner sportlichen Leitung wurde mit Obraniak ein Spieler geholt, dessen Fähigkeiten wir dringend brauchen, wie ich auch schon im letzten Beitrag geschrieben habe.

Nächsten Samstag bin ich mit meinem Sohn im Weserstadion. Es wird sein erstes Heimspiel sein. Ich hoffe sehr, dass wir mit Hunt, der dann hoffentlich (bitte bitte!) wieder fit ist, und eben Obraniak die nötige Qualität im Kader haben werden, von denen dann auch Spieler wie Petersen oder Elia profitieren.

Jetzt ist es am Ende doch noch mal grundsätzlicher geworden.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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