Offener Brief eines Vaters und Fans

Lars 7. April 2013 11 Kommentare Drucken

Sehr geehrter Herr Schaaf, lieber Spieler von Werder Bremen,

ich weiß, nach einem solchen Spiel wie gestern haben Sie wahrscheinlich wenig Lust, den eines besorgten Fans zu lesen, aber keine Angst: Ich möchte mich gar nicht großartig mit Ihrer gestrigen Leistung und dem verlorenen Spiel auseinandersetzen, sondern vielmehr meinen Blick nach vorne richten. Sie wissen es noch nicht, aber selten trifft der Satz „Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste“ so sehr ins Schwarze wie jetzt, vor Ihrem nächsten Auswärtsspiel in Düsseldorf.

Mein Sohn wird am Samstag nämlich das erste Mal in seinem Leben im Stadion sein und ein Spiel des SV Werder Bremen sehen. Sie können sich vorstellen, dass das für einen Vater und dieses tollsten Vereins der Welt ein recht wichtiger Tag ist. Felix ist sein Name (Nomen est Omen!) und er wird am Samstag fünf Jahre und 294 Tage alt sein.

Falls Sie es vergessen haben – so wie ich, bis ich einen Sohn mit fünf Jahren hatte: Das ist das Alter, in dem Jungen noch für die Mannschaften sind, die gewinnen (Das ist übrigens auch der Grund, warum die Bayern und neuerdings auch Dortmund so viele Fans haben, aber das nur nebenbei). Deswegen sagt mir Felix auch immer, wenn ich ein Fußballspiel gucke, dass er für beide Mannschaften ist, damit er am Schluss sagen kann, dass er immer (auch) für die Mannschaft war, die gewonnen hat. Bei einem Unentschieden ist er der festen Überzeugung, dass beide Mannschaften gewonnen haben, weil keine verloren hat, auch wenn ich versuche, ihm zu erklären, dass das nicht so ist.

Neulich hat er bei seiner Oma ein Champions League-Spiel von Schalke gesehen (ich weiß, das ist eigentlich viel zu spät für einen kleinen Jungen…das habe ich auch gesagt) und Schalke hat gewonnen. Seitdem ist er immer auch ein bisschen für die Gelsenkirchener, so auch gestern. Ich hoffe, Sie beginnen die Brisanz meines Anliegens langsam zu verstehen.

Ich bin mir nicht sicher ab wann sich Kinder für einen Fußballclub entscheiden, meine eigene Fan-Werdung liegt zu lange zurück, als dass ich mich dran erinnern kann. Ich weiß jedoch, dass Siege in diesem Zusammenhang sehr prägend sind. Und ich bin mir recht sicher, dass Stadionbesuche und das unschlagbare Erlebnis, eine Mannschaft live zu erleben, ebenfalls eine hohe Bedeutung für die Wahl haben.

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Und genau da kommen Sie ins Spiel. Wenn es also nicht genug Motivation für Sie ist, dass es sich um ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten handelt, den Sie mit einem Sieg abhängen und sich selbst und die Werder-Fans von einer großen Last befreien können, dann denken Sie an einen fünfjährigen Jungen, der mit Werder-Schal (den ich ihm von meinem letzten Besuch im Weserstadion mitbringen sollte) auf der Tribüne sitzt und sein allererstes Fußballspiel live erlebt. Denken Sie vielleicht auch an seinen leicht nervösen Vater, der neben ihm sitzen wird, mit Werder-Käppi (vom selben Besuch im Stadion mitgebracht).

Und das Wichtigste: Denken Sie daran, dass Sie eventuell einen neuen Fan fürs Leben gewinnen können.

Ich wünsche Ihnen, meinem Sohn und mir, viel Erfolg am Samstag. Lebenslang Grün-Weiß!

Ein Vater und Fan.

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11 Kommentare »

  • spyri sagt:

    Diesen Wünschen kann ich mich, nicht ganz uneigennützig, nur anschließen. Und dir wünsch ich ganz viel Spaß mit deinem Sohn.

  • Itsnoteasytobegreen-andwhite sagt:

    Lieber besorgter VaterFan

    vor Jahren schenkte mein Schwiegervater meinem damals 6-jährigen Sohn zu Weihnachten ein Bayern-Handtuch. Der damit verbundene, erhoffte Effekt trat ein, sehr zu meinem Leidwesen. Darauf sah ich mich gezwungen, der kleinen verirrten Seele 5 Euro zu versprechen, wenn er wieder für Werder sei. Heute ist Simon 15 und leidet leidenschaftlich mit der grün-weißen Elf.

    Dies nur für den Fall, dass das Spiel gegen die Düsseldorfer in die Hose geht. Die 5 Euro sollten aber aus der Mannschaftskasse spendiert werden.

    It’s sometimes not easy to be green and White – but essential!

  • Lars sagt:

    Vielen Dank, spyri!

  • Lars sagt:

    Danke für den Tipp mit der Bestechung. Das wird dann meine nächste Maßnahme, sollte dieser offene Brief nicht helfen…

  • | Fokus Fussball sagt:

    […] Basche (Werderblog.net) sorgt sich um Werder Bremen. Vielmehr sorgt er sich aber um seinen Sohn. Deshalb hat er einen […]

  • borttronic sagt:

    Und ich leg noch mal einen drauf: gewinnt Werder 8:1, dann Gangnam-Style im Stadion in goldener Leggings und rosa Tütü. Von mir aus auch in der Werderkabine, damit die Mannschaft was zu lachen hat. Ist mir egal. Ich bring auch ne Kiste Bier mit, wenn sie wollen.

  • Lars sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht vielleicht dann wieder kontraproduktiv hinsichtlich der erwünschten Fan-Werdung des Sohnes ist…

  • Kata sagt:

    Kinder in diesem Alter sind noch ganz wertfrei u. haben ein sehr gutes Gespür für gute Spieler, egal welchem Verein sie angehören ;) Selbst nach Niederlagen des Lieblingsvereins v. Papa verlassen sie das Stadion erhobenen Hauptes.
    Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo auch der Papa-Verein einen tollen Spieler verpflichten wird, der Sohn während des Spieles einen anlächelt u. sagt: „Das gewinnen WIR noch!“
    Unvergesslich dann die Augenblicke, in die strahlenden Augen des Kindes zu schauen u. sich gemeinsam zu freuen ;)

  • Lars sagt:

    Danke. :-)

    Gehe ich allerdings richtig in der Annahme, dass Du nicht davon ausgehst, dass es schon diesen Samstag Grund für eine gemeinsame Freude gibt?

  • Kata sagt:

    Wer weiß …. Vllt. schaut Dich Felix an: „Papas Verein gewinnen das noch!“ ;))

  • Qualität und Moral. Und Qualität. | Werderblog.net sagt:

    […] ach ja: Mein Sohn hat sein erstes Fußballspiel sehr interessiert […]

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