Ein Unentschieden ist eine Niederlage

Lars 20. März 2013 Keine Kommentare Drucken

„Wir alle müssen uns mal entscheiden, was wir wollen… Einmal sind wir zu defensiv, einmal sind wir zu offensiv!“

 

Werderblog_Fuerth Spielbericht_Bild 1

 

Wie unterschiedlich man Unentschieden bewerten kann. Was letzte Woche gegen Gladbach noch ein Erfolgserlebnis war, ist diese Woche eine Blamage und gefühlte Niederlage. Und an beiden Unentschieden trägt Schaaf einen Großteil der Verantwortung. Ich finde es normalerweise etwas billig, den Grund für das Abschneiden einer Mannschaft nur beim Trainer zu suchen. Dafür stehen eben auch elf bis 14 mehr oder weniger erwachsene Menschen auf dem Platz, die das umsetzen müssen, was der Trainer ihnen sagt. Bei den letzten beiden Spielen ist es meiner Meinung jedoch anders. Gegen Gladbach hat man ganz eindeutig Schaafs Plan gesehen, den die Spieler konzentriert bis zum Ende durchgehalten und so ein Unentschieden gegen eine spiel- und heimstarke Mannschaft erreicht haben.

Für mich unverständlicherweise hat Schaaf seine Mannschaft dann gegen Fürth mehr oder weniger genauso ein- und aufgestellt. Gegen den Tabellenletzten, den Werder unbedingt besiegen musste, um hinten nicht weiter reinzurutschen (an dieser Stelle einen schönen Dank nach Hamburg…). Grundsätzlich finde ich ja die Lösung mit zwei Sechsern richtig und denke, dass sie auch in diesem Spiel richtig war, ich hätte allerdings lieber Juno an der Stelle von Sokratis gesehen. Der Grieche war zwar mit Sicherheit einer der aktivsten auf dem Feld und war im Grunde überall zu sehen, vor allem recht häufig auf den Außen und im Sturm (im Vergleich dazu eher selten auf der 6er-Position…). Er ist jedoch nicht unbedingt derjenige, der das Spiel von hinten heraus aufbauen und organisieren kann. Da wäre Junuzovic vielleicht besser gewesen.

Und das war noch nicht mal das größte Problem am Samstag. Die Wahl der Spieler davor stellte sich leider als unpassend für diese Situation gegen Fürth heraus. Gegen Gladbach ging es noch vor allem darum, kompakt zu stehen und dem Gegner möglichst wenig Raum zu geben, um dann bei eigenem Ballgewinn schnell zu kontern. Dass dies im Heimspiel gegen den Tabellenletzten nicht klappen würde, war wohl klar. Und doch stellte Schaaf wieder Iggy und Junuzovic auf die Außen und ließ die kreativen und offensiv ausgerichteten Spieler Hunt, Arnautovic und Elia draußen. Das Ergebnis war ein in der ersten Halbzeit ideen- und konzeptloses Angriffsspiel ohne wirkliche Chancen bzw. mit zweidrei halben Möglichkeiten. Ich kann mich nur an eine einzige Situation in den ersten 45 Minuten erinnern, in der Werder schnell nach vorne kombiniert hat. Den Rest der Zeit war es das, was man auf seinem eigenen Arbeitszeugnis nicht lesen möchte: bemüht.

Und im Gegensatz zum Spiel gegen Gladbach wirkte die Mannschaft auch insgesamt sehr verunsichert. Vor allem bei den beiden Außenverteidigern Gebre Selassie und Schmitz hatte ich das Gefühl, dass sie durchgehend Angst hatten, Fehler zu machen und es daher gar nicht erst versucht hatten. Gerade unsere rechte Abwehrseite wirkte immer wieder äußerst löchrig und Gebre Selassie zu weit weg von seinem Gegenspieler und ohne Unterstützung von den Kollegen. Woran liegt diese Unsicherheit? War der Druck zu groß, gewinnen zu müssen?

Mit Fürth stand nun wirklich alles andere als eine Übermannschaft auf dem Platz. Gerade nach vorne wirkten die Franken in der ersten Halbzeit völlig harmlos, obwohl wir ihnen nun wirklich durch eigene Fehler genug Möglichkeiten gegeben hatten, in Führung zu gehen; ich erinnere mich nur an die beiden Kullerbälle, die jeweils knapp am rechten Pfosten vorbeikullerten.

Oder war es umgekehrt so, dass alle Werderaner nach einem angeblichen Erfolgserlebnis im Spiel davor mal wieder dachten, dass man Fürth im Vorbeigehen schlägt? Da hoffe ich doch noch eher, dass das mit der Unsicherheit stimmt. Wobei mir dann Angst und Bange wird, wenn ich an den Abstiegskampf denke, der jetzt auf uns zukommt…

Die zweite Halbzeit begann mit Hunt und Arnautovic für Gebre Selassie und Trybull dann besser mit dem dynamischen Antritt von Hunt und seinem saucool verwandelten Elfmeter. Wie es dann allerdings sein kann, dass Fürth nicht nur den Ausgleich erzielt, sondern sogar noch in Führung geht, ist mir unerklärlich. Im Gegensatz zur ersten Hälfte waren die richtigen Spieler auf dem Platz, die Entscheidung zu erzwingen. Stattdessen stehen auf unserer rechten Abwehrseite plötzlich drei Fürther frei und in der Mitte der nächste, der den Ball nur noch einschieben muss. Und es ist mir völlig egal, ob dem zweiten Gegentor Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorausging oder ob wir dann nochmal zumindest den Ausgleich erzielten: Wir hätten am Samstag gewinnen müssen. Punkt.

Natürlich ist es für mich einfach, nach dem Spiel zu schreiben, wie man hätte besser aufstellen müssen und was man während des Spiels hätte besser machen müssen. Ich finde es jedoch recht billig von Schaaf und anderen Verantwortlichen nur die Schuld bei den Spielern zu suchen. Genau das bleibt bei mir hängen, wenn ich mir die Interviews mit unseren Trainer mit dem NDR (daraus das Zitat oben) oder dem Kicker angucke. Tenor: Gegen Gladbach haben sie meine Ansagen umgesetzt und es hat geklappt, gegen Fürth haben wir die gleiche Aufstellung gehabt und die Spieler haben das nicht umgesetzt, was ich ihnen gesagt habe. Nicht den leisesten Hauch einer Selbstkritik höre ich da heraus. Und das ärgert mich.

Für mich war dieses Unentschieden gegen Fürth zum großen Teil ein Ergebnis des Trainers. Genauso wie es das letzte Unentschieden gegen Gladbach war. Wie gesagt. das gleiche Ergebnis, aber völlig unterschiedliche Gefühlslagen.

So muss ich mich an das Positive dieses vergangenen Wochenendes halten: Ich war mit Stephen, Andreas und Stefan gemeinsam im Stadion und hatte trotz allen Frusts viel Spaß. Und heute Abend werde ich mit den ersten beiden nochmal das Spiel gegen Fürth und die gesamte Situation bei Werder im Grünweiß-Stammtisch bereden. Darauf freue ich mich, auf das Spiel gegen Mainz noch nicht so richtig. Leider.

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