Spielbericht Freiburg

Lars 17. Februar 2013 3 Kommentare Drucken

Der Eindruck während des Spiels war, dass Freiburg völlig zu Recht gewonnen hat und Werder zum größten Teil der 90 Minuten klar dominiert hat. Dieser Eindruck hält zwar auch dem zweiten Blick stand, und dennoch hab ich auch ein paar positive Sachen bei Werder gesehen und gerade in der zweiten Hälfte, als Werder dem Sportclub sein Spiel aufzwängen konnte, war bei Freiburg auch viel Glück dabei. Und doch bleiben nach dem Spiel eher die Defizite von Werder hängen, natürlich vor allem, weil wir verloren haben. Aber auch, weil diese Defizite schon lange bekannt sind und unser Trainer trotzdem offensichtlich nichts dran ändern kann oder will.

Dabei fing das Spiel eigentlich gut an. Werder spielte nach vorne, ließ Freiburg nicht zum Zug kommen und es gab auch ein paar ganz gute Gelegenheiten, die allerdings nicht wirklich zu Chancen wurden. Als dann in der 16. Minute Lukas Schmitz nach wunderbarem Pass von Junuzovic frei vor dem Freiburger Torwart den Ball vertändelte, war der erste Schwung vorbei und Freiburg machte Ernst. Und genauso fühlte sich das dann an. Als ob der Sportclub sich am Anfang nur mal angucken wollte, wie Werder nach zwei Siegen in Folge so spielen würde und als sie dann merkten, dass das alles nicht so wild war, fingen sie mit ihrem gewohnten Spiel an. Wenn sie den Ball hatten, ging es sehr schnell, ballsicher und ansehnlich nach vorne und wenn Werder dann von Mielitz ab aufbauen musste, standen sie extrem hoch und ließen Bremen keinen Raum. Es war teilweise schon fast peinlich mit anzusehen, wie hilflos Werder war. Und wenn der Ball dann doch mal unfallfrei vom Torwart zum Mittelfeld ging, war er schon wieder weg.

Insgesamt war bei Werder zu wenig Bewegung und es ging zu langsam. Und verbunden mit Freiburgs hohem Pressing bedeutete das dann eben, dass der Ball immer schnell wieder hergeschenkt wurde. Und hinten reihten sich die Fehler aneinander. Nach vorne war De Bruyne noch der einzige, der unser Spiel mal schnell machte und das Unvorhergesehene versuchte. Ekici und Elia wurden von Freiburg gut verteidigt und hatten dadurch kaum (Elia) bis gar keine (Ekici) Wirkung. So hoffnungsvoll das bei Kevin De Bruyne nach vorne aussah, so offensichtlich waren auf der anderen Seite seine Schwächen im Abwehrverhalten. Einige Male kam Freiburg zu gefährlichen Situationen, weil De Bruyne nicht konsequent genug nach hinten arbeitete.

Das Führungstor von Freiburg war nur folgerichtig und wir hatten Glück, dass sie nicht mehr aus ihrer großen Überlegenheit von Minute 15 bis 45 machten. Und es war gut, dass wir De Bruyne hatten. Nach einem eigenen Ballgewinn machte er das Spiel sehr schnell, passte auf Petersen und der machte es sehr viel besser als noch zwei Minuten davor.

Die letzten fünf Minuten von Halbzeit Eins war es im Grunde so wie davor: nach vorne zu langsam und steif, nach hinten Slapstick. Wie gesagt, es war im Grunde großes Glück, dass es 1:1 stand.

Die zweite Hälfte begann Werder, eigentlich ungewöhnlich, furios. Zunächst der Aluminiumtreffer von Petersen, dann noch ein guter Schuss von Fritz und dann kam wieder Freiburg. In der 51. Minute hatte Miele noch gut gegen den ebenfalls guten Caligiuri gehalten, doch zwei Minuten später stellte sich Ignjovski ungeschickt an und den Elfmeter verwandelte Caligiuri zum 1:2. Direkt danach hat Schaaf Gottseidank mal direkt reagiert und zum einen Arnautovic für den leider schwachen Ekici gebracht und auch in der Abwehr stellte er um und schickte Fritz für Ignjovski zurück auf die Linksverteidigerposition, während der Serbe auf die Sechser-Position wechselte. Beides waren richtige Entscheidungen und besonders Arnautovic brachte den nötigen Elan. Auch wenn Freiburgs Trainer einen neuen Spieler gegen ihn stellte, machte er unser Spiel schneller. Auch das 2:2 bereitete er dann super vor.

Und direkt nach dem Ausgleich drückte Werder weiter und Freiburg hatte jetzt viel Glück. Zweimal rettete noch der Pfosten und ich glaube, Freiburg hätte sich auch nicht beschweren können, wenn der Schiri einen Handelfmeter für Werder gepfiffen hätte. Und dann kam leider in der 70. Minute eine Ecke: Mielitz war zu zögerlich, Guedé hämmerte den Ball noch an die Latte, aber Ginter machte es in der Bremer Abwehrkonfusion dann besser. Danach traf Petersen noch mal den Pfosten, insgesamt hatte Werder aber keine richtige Durchschlagskraft mehr und kam nicht noch ein drittes Mal zurück.

Auf Bremer Seite gefielen mir De Bruyne und Petersen noch am besten. Besonders der Belgier war bis zu Arnautovics Einwechslung der einzige wirklich Gefährliche bei uns. Ignjovski, Elia und Ekici gehörten die letzten beiden Spiele zu den Erfolgsgaranten. Gegen Freiburg blieben sie blass bzw. wurden von den Breisgauern sehr gut ausgeschaltet und waren in der Person Ignjovskis schlicht überfordert. Hinzu kam, dass die einzelnen Mannschaftsteile nicht zusammenpassten. So rührte Ignjosvkis Überforderung oft auch daher, dass er auf seiner Seite alleine gelassen wurde, wenn sie von Freiburg überladen wurde. Das Mittelfeld arbeitete zu schlecht nach hinten und verlor nach vorne zu schnell den Ball; beides sorgte dafür, dass Freiburg zu viel Platz bekam und recht leicht kombinieren konnte.

Wie gesagt, insgesamt hatte Freiburg natürlich verdient gewonnen, besonders auch weil sie das spielerisch und taktisch bessere Spiel machten. Man konnte klar sehen, dass Werder gegen einen so hoch pressenden Gegner große Probleme hat, überhaupt ins Spiel zu kommen. Wenn dann noch die obligatorischen Schnitzer in der Abwehr und das Pech oder Unvermögen im Angriff dazukommen, wird es schwer. In der zweiten Halbzeit jedoch hat Werder es teilweise geschafft, den offenen Schlagabtausch zu erzwingen, der vielleicht doch eher eine taktische Maßnahme von Schaaf ist, als dass dieser zufällig entsteht. Und da bekam auch Freiburg große Probleme und verlor die Ordnung.

Gegen die Bayern sollte Werder jedoch möglichst auf einen ähnlichen offenen Schlagabtausch verzichten. Dieser kann nur in die klare Niederlage führen. In der Hinrunde haben wir gerade gegen die richtig guten Gegner eigentlich ganz gut ausgesehen und sind auch nicht, gerade auswärts nicht, ins offene Messer gelaufen. Die nächsten Tage bis zum nächsten Spiel werde ich nun nutzen, mir positive Gedanken zu machen.

Lebenslang Grün-Weiß!

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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3 Kommentare »

  • Lars sagt:

    Was ich noch hinzufügen möchte, vor allem weil sich mittlerweile schon unter vielen Fans eine negative Stimmung gegen ihn entwickelt, die an Hunt damals erinnert: Mir hat Mielitz gestern gut gefallen, hatte einige starke Szenen und eine unglückliche beim 2:3.

  • Im Nebel | sagt:

    […] dass mir zwischenzeitlich das Wort »Slapstick« durch den Kopf schoss – und bin offensichtlich nicht der Einzige, dem das gestern so erging: »Es war teilweise schon fast peinlich mit anzusehen, wie hilflos […]

  • Die Blog- & Presseschau für Montag, den 17.02.2013 | Fokus Fussball sagt:

    […] Werderblog sieht einen verdienten Sieg der Freiburger gegen Bremen. Auch Hamburg-ist-grün-weiss sieht das […]

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