Reden und Verlieren

Lars 29. November 2012 6 Kommentare Drucken

„Das ist jetzt eines der direkten Duelle, das du für dich entscheiden musst, wenn du dabeibleiben willst.“

Ich gebe zu, ich habe mich – mal wieder – täuschen lassen. Von den Leistungen der letzten Spiele, auch gegen die Größeren und Großen wie Bayern und Schalke, und von der Tabellensituation. Wenn wir gegen Leverkusen gewinnen, habe ich gedacht, sind wir auf drei Punkte an Leverkusen dran. Dann können wir wirklich über die Europaliga nachdenken.

Und heute ist Leverkusen auf Platz 2 und wir auf Platz 12 kurz vor Nürnberg. So schnell kann es gehen. Und weil es so schnell gehen kann, ist diese Momentaufnahme der Tabelle natürlich auch keine Katastrophe und es kann natürlich auch bald schon wieder anders aussehen.

Es ist allerdings eine Ernüchterung. Die Mannschaft ist offensichtlich noch nicht so weit, dass sie in Richtung des sechsten Platzes angreifen kann. Noch nicht so konstant, dass sie gute Leistungen über einen längeren Zeitraum bestätigen kann. Und wohl auch noch nicht so gefestigt, dass sie eine für sie günstige Tabellensituation nutzen kann. Und so ziehen eben erstmal Mannschaften wie Gladbach und Stuttgart vorbei.

„Von Anfang an war es unser Ziel, die Qualifikation für Europa zu schaffen. Und mit dieser Mannschaft muss das auch gehen“

Die Niederlage gegen Leverkusen war verdient, eigentlich auch in dieser Höhe. Bayer wirkte von Anfang an sehr souverän, hat sein Spiel aufgezogen, die Bremer in einem gewissen Rahmen machen lassen und dann die eigenen Chancen kompromisslos ausgenutzt. So spielt eine Mannschaft, die einen Lauf hat.

Und Werder? Von Anfang wirkte die Spielweise nicht so, wie die Aussagen vor dem Spiel eigentlich vermuten ließen. Dass die beiden neuen in der Startaufstellung, Füllkrug und Ignjovski, recht nervös wirkten, ist ja noch nachvollziehbar. Gerade Füllkrug hat nur sehr selten das gezeigt, was er auch in Interviews ankündigte, dass er bereit sei für die Startelf.

Doch wirkte die gesamte Mannschaft in der ersten Hälfte seltsam gehemmt. Gerade von der eigenen Stärke, dem schnellen Spiel nach vorne, war kaum etwas zu sehen. Stattdessen gab es wieder mal zu viele Fehlpässe und Unkonzentriertheit. Erst nach dem ersten Gegentreffer wachte Werder ein wenig auf, biss sich jedoch an starken Leverkusenern die Zähne aus.

Und auch nach der Pause ging es zunächst bissig und munter weiter in Richtung des Tores von Leno. Auf den zweiten Gegentreffer fand Werder eine schnelle Antwort und brachte Leverkusen danach immer wieder mal in Bedrängnis. Doch leider fehlt derzeit ein Vollstrecker, der die Tore erzwingt. Hunt konnte in diesem Spiel nichts rumreißen und De Bruyne war mal wieder aktiv und gewillt, doch leider auch nicht mehr als das.

„Ein Auswärtssieg sollte schon dabei sein – und zu Hause müssen wir sowieso immer gewinnen.“

Und ein paar Fragen seien erlaubt:

Warum wird mal wieder fast eine komplette Halbzeit verschlafen? Nach den Ansagen vor dem Spiel hätte ich zumindest erwartet, dass der Wille zu siegen von Anfang an aufblitzt. Andererseits, ich weiß es ja eigentlich besser…

Warum gibt es immer wieder diese unmotivierten Pässe beim Spielaufbau in die Füße des Gegners? Und warum diese unfassbaren Fehler in der Abwehr? Mehr braucht eine Mannschaft, die an sich glaubt und das nötige Selbstvertrauen hat, nicht, um zu gewinnen.

Und warum sind unsere Standards so harmlos? Ich finde es ja gut, dass wir viele Tore aus dem Spiel heraus erzielen. Das sieht schön aus. Doch es ist auch sehr aufwändig. Es muss doch mal möglich sein, den Ball bei einem Freistoß nicht direkt in die Mauer zu hämmern.

„Gier nach Europa ist groß“
Zlatko Junuzovic

Davon habe ich gestern leider nicht viel gesehen. Und in den nächsten Wochen möchte ich davon bitte auch nichts mehr hören.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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6 Kommentare »

  • borttronic sagt:

    Besser hätte ich es nicht schreiben können.

  • Die Blog- & Presseschau für Donnerstag, den 29.11.2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] Werderblog hat sich von den Bremer Leistungen der letzten Wochen täuschen lassen und wurde bei der gestrigen […]

  • Joern sagt:

    Schöner Artikel. Treffend die Situation zusammen gefasst, dem kann ich nur zustimmen!

    Aber heute kein einziges Wort gegen den Schiedsrichter (Freistoß vor dem 0:1,,?)?
    Ich hoffe ich habe Dich mit meiner „Kritik“ zum Artikel „Das Pfeifen im Walde“ nicht verunsichert ;)

  • Stephen sagt:

    Was soll man zum Schiri sagen? Natürlich ist das ein Schwachsinns-Pfiff gewesen, aber danach waren ja noch mehrere Sekunden Zeit, das 0:1 durch angemessenes Verteidigen zu verhindern. Wäre es 0:1 ausgegangen, hätte man vielleicht darüber rumdiskutieren können, aber dafür war das Ergebnis zu deutlich.

    Ansonsten fühle ich mich wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Große Reden, kleine Leistung. Das Übliche halt.

  • Lars (Autor) sagt:

    Joern, nein überhaupt nicht. Ich meckere ja normalerweise nicht über Schiedsrichter, nur wenn es gar nicht anders geht. ;-)

    Ich habe das Foul gar nicht gesehen, aber wie Stephen schreibt: Wenn man nach einem vor mir aus unberechtigten Freistoß und nach dann mehreren Spielzügen ein Gegentor bekommt, kann man nicht unbedingt die Schuld (nur) beim Schiri sehen.

  • Werbung für Bremen sagt:

    Was kann man dazu noch sagen?

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