19 Stunden für Abschied und Anfang

Lars 16. November 2012 5 Kommentare Drucken

19 Stunden. Ungefähr so viel lag zwischen dem offiziellen Abschied von Allofs bei uns und seiner offiziellen Vorstellung in Wolfsburg.

Ich war seit Beginn dieser Geschichte letzten Donnerstag seltsam emotionslos. Wahrscheinlich habe ich, wie so viele andere Fans, von Anfang an bereits geahnt, dass das Ganze schon beschlossene Sache war. Dann aber nach 13 Jahren diesen schnellen und insgesamt doch recht unrühmlichen Abgang zu beobachten, schmerzt schon ein bisschen. Und es wirft leider doch einen Schatten auf Allofs‘ Zeit bei uns.

Ich weiß, dass ein fließender Übergang im Fußballgeschäft normal sein kann und dass spätestens nach dem Aufkommen der Gerüchte – oder sagen wir besser, nach dem Lancieren der Gerüchte aus Wolfsburg – schnell eine Entscheidung her musste. Dass der Geschäftsführer Sport eines Fußballvereins jedoch so schnell mir nichts dir nichts bei einem direkten Konkurrenten anfangen kann und noch nicht mal einen Tag später darüber schwadronieren kann, ob er den Trainer bald auch holt, ist gelinde gesagt ungünstig.

Und auch obwohl mir natürlich sehr bewusst ist, was Allofs bei uns geleistet hat, was er hier aufgebaut hat, denke ich trotzdem immer mehr daran, was eigentlich in den letzten drei bis vier Jahren schief gelaufen ist und woran Allofs auch eine Mitschuld trägt. Das mag Selbstschutz sein oder nicht. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Verein es in den letzten Jahren nicht mehr geschafft hat, in ähnlicher Weise optimal mit den bestehenden Verhältnissen klarzukommen und umzugehen, wie dies Anfang des Jahrtausends noch funktioniert hat. Und dabei waren die Voraussetzungen nach jahrelanger Champions League und dem Aufbau von Spitzenspielern, die teuer verkauft worden sind, doch eigentlich recht gut, vor allem viel besser als noch 1999.

Ich bin und bleibe Allofs natürlich unendlich dankbar für die Erfolge, die er gemeinsam mit Schaaf und den anderen im Verein für Werder Bremen und für uns Fans erreicht hat. Als er 1999 anfing, war dies nun wirklich nicht abzusehen. Ich bin sehr gut im Verdrängen, insofern kann ich mich nur noch dunkel an die Jahre zwischen Rehhagel und Schaaf/Allofs erinnern. Aber kurz gesagt, es war keine gute Zeit

Wie Allofs‘ Zeit bei Wolfsburg wird, wird sich zeigen. Ein gewisses Interesse habe ich natürlich schon, zu sehen, wie er unter finanziell ungleich besseren Voraussetzungen klar kommen wird. Allzu viel Herzblut werde ich jedoch nicht dafür verschwenden.

Viel interessanter wird sein, wie es bei uns weitergeht. Es sieht derzeit doch stark danach aus, dass Frank Baumann nach dem Abgang von Allofs eine tragende Rolle bekommen wird, in welcher Form auch immer. Er kennt sich natürlich aus bei uns und hat die letzten Jahre bei Allofs natürlich viel lernen können (nur leider waren diese Jahre wie gesagt nicht unbedingt die beste Zeit der letzten 13 Jahre…).

Ich kann mich jedoch auch immer mehr mit einer externen Lösung anfreunden und auch hat ja während der PK am Mittwoch durchklingen lassen, dass er ebenfalls darüber nachdenkt.

Bemerkenswert finde ich bei der ganzen Sache noch, wie gut die Reaktionen unseres Trainers tun. Sowohl während der Hängepartie, als er sich einfach weigerte, irgendetwas zu sagen, als auch danach muss ich sagen, dass ich mich freue, ihn derzeit bei uns zu sehen. Für einen Fan ist es eine Wohltat, jemanden da stehen zu sehen, der so offensichtlich am Verein hängt.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, was irgendwann einmal sein wird“, sagte Allofs auf die Frage, ob er Schaaf nach Wolfbsurg zu holen gedenkt.

Ja, natürlich kann niemand wissen, was die Zukunft bringt. Ich weiß auch nicht, ob ich in einem Jahr noch Fan von Werder sein werde…

Doch, das zumindest weiß ich ganz genau. Lebenslang Grün-Weiß.

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5 Kommentare »

  • borttronic sagt:

    Der Moment des „Niedergangs“ und der schlechteren Arbeit kann man recht gut terminieren: 2009, Born tritt zurück. Seitdem geht der Trend nach unten – was auch die Verpflichtungen von Allofs angeht. Ich vermute, dass er mit der „Doppelbelastung“ überfordert war. Schade finde ich, dass er sich nicht frühzeitig gemeldet hat.

  • Lars (Autor) sagt:

    Wenn das der Grund ist, dann ist es in der Tat tragisch. Aber welche Führungskraft sagt schon von sich aus, dass sie überfordert ist…?

    Und umso besser, dass der Verein jetzt höchstwahrscheinlich wieder die Trennung vollzieht.

  • Rioqju sagt:

    Man kann auch zu deinem Schlußsatz zynisch bemerken, daß ja auch Wolfsburg grün und weiß ist, also Vorsicht mit diesem Slogan, der für uns Werderfans so viel bedeutet ;)

    Ich bin ja doch recht naiv, wenn ich mich immer wieder wundere, warum der Spieler zu dem Verin wechselt oder der Funktionär nun dahin. Beschäftigen die sich nicht mit Fankultur, Vereinsgeschichte und Image eines Clubs? Wieso kann ich nicht mal als Beteiligter sagen: „Nee, da geh ich nich hin, die ham keine Seele!“ Oder so etwas in der Kategorie.
    Und selbst Klaus Allofs muss doch sehen, daß in Wolfsburg nichts danach aussieht. Man ist doch lange im Geschäft und kennt sich aus.
    Ach, ich kindliches Gemüt. Bin wohl zu sehr Romantiker, wenn es um Fußball geht!

  • Lars (Autor) sagt:

    Ich habe allerdings noch keinen Wolfsburger „Lebenslang Grün-Weiß“ sagen hören…wobei mir einfällt, dass ich überhaupt keinen Fan von Wolfsburg kenne. Gibt’s die überhaupt? :-)

    Viele Funktionäre und Spieler gehen offenbar recht pragmatisch mit ihrer Rolle um. Ausnahmen gibt es natürlich und nach Stand heute ist unser Trainer zum Beispiel eine Ausnahme. Ich persönlich bin da ähnlich romantisch wie Du und kann auch emotional nicht verstehen (wobei das irgendwie wie ein Widerspruch klingt), wie man einfach so mal schnell den Verein wechselt und dann auch noch direkt am Tag nach dem Wechsel sagen kann, dass man hofft, man gewinnt das Spiel gegen Werder in zwei Wochen. Aber wie gesagt, Allofs scheint da anders zu sein und wenn ich das hinnehme, kann ich seinen Schritt verstehen. Aber auch nur dann.

  • Der Tag danach | Papierkugel Blog sagt:

    […] also das erste Spiel nach dem Allofs-Abgang. Es wurde viel geredet und geschrieben in den letzten Tagen, da tat es gut, dass heute endlich wieder der Ball rollte. Natürlich war die […]

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