Kurz zu Allofs und Wolfsburg

Lars 10. November 2012 5 Kommentare Drucken

(Zum Schalke-Spiel werde ich wohl morgen erst meinen Senf abgeben, aber das hier muss zuerst sein)

„Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell“

Es gibt wohl kaum einen Bundesligaverein in diesem Land, der mir gleichgültiger wäre als der . Werksverein? Neureich? Nordrivale? Naldo? Diego? Das alles interessiert mich herzlich wenig.

Und nun geistert seit gestern dieses Gerücht herum, Allofs Wechsel nach Wolfsburg sei sozusagen schon beschlossene Sache und es fehle nur die Unterschrift (hier gibt es übrigens eine sehr schöne Zusammenfassung des gestrigen Tages).

Das Interview, das Allofs heute vor dem Spiel dem Sender gegeben hat, klingt natürlich nicht nach einem klaren Bekenntnis zu Werder. Vielmehr hört es sich wie der Prototyp eines Interviews mit einem Fußballer oder Vereinsoberen an, der kurz vor einem Wechsel steht, aber noch nichts Klares dazu sagen kann. Dass Wolfsburg großes Interesse an ihm hat, sollte mittlerweile jedem klar sein. Und dass Allofs auch nicht wirklich abgeneigt ist, scheint nach dem heutigen Tag ebenso klar zu sein.

Hierzu möchte ich fürs Erste nur zwei Sachen sagen:

1. Ich könnte es verstehen.

Allofs ist seit 1999 im Verein, seit 13 Jahren also, und hat bei uns Großartiges geleistet. Ich kann mich noch dunkel an das Chaos erinnern, das vor ihm bei Werder herrschte. Das ist kein Vergleich zu dem Verein, wie er heute dasteht. Nun scheint es ja seit einiger Zeit Spannungen zwischen ihm und den anderen Verantwortlichen im Verein zu geben, vor allem mit Willy Lemke soll er sich so einige Streitereien ums Geld und der Zukunft von Werder geliefert haben.

Und nun ist da dieses Interesse von Wolfsburg. Und Allofs kann sich überlegen: Baue ich hier bei Werder wieder etwas Neues auf, mit einem recht kleinen Budget? Oder gehe ich zu einem anderen Verein, einem der finanziell ohne Zweifel besser dasteht und wo die Möglichkeiten eines Managers also zumindest einfacher sind. Wenn die Entscheidung für das Neue fällt, was sollte man ihm vorwerfen?

2. Wenn es denn so kommt: Vielen Dank für alles, Klaus Allofs!

Ich lese derzeit (wieder mal) so Einiges von Enttäuschten und angeblich Betrogenen. Dass Allofs Werder verrate. Dass er nur auf das Geld aus sei. Dass er sich einen Dreck um „uns“ kümmere.

Das ist für mich respektloser Mist. Respektlos gegenüber einem, der sich jahrelang reingehängt hat in den Verein und der ihn wieder groß gemacht hat. Und der auch im letzten Jahr die nötigen Veränderungen in der Mannschaft durchgezogen hat, auch und gerade unter ungünstigen Bedingungen. Dafür danke ich ihm von ganzem Herzen.

Und wenn er dann nach Wolfsburg gehen sollte: Ich hoffe für ihn persönlich, dass er diesen Schritt nicht bereuen wird. Ich kann zwar als Fan nicht kaum nachvollziehen, wie man von Bremen nach Wolfsburg wechseln möchte, aber für ihn ist es nun mal auch ein Beruf.

Und zum Abschluss eine Phrase: Werder Bremen wird es auch nach Allofs geben. Und wer weiß, vielleicht größer als zuvor.

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5 Kommentare »

  • perp sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Nüchterne und für meine Begriffe richtige Einschätzung der Lage.
    Man muss wohl wie so oft zwei Ebenen unterscheiden: einerseits die Tatsachenlage, die m.A.n. eher gegen einen Wechsel spricht (Retortenverein WOB; Allofs augenscheinlich größeres Talent, mit begrenzten Mitteln kreative Lösungen zu finden, als sein Talent, mit großen Summen zu hantieren; blöder Zeitpunkt in mehrerer Hinsicht) und andererseits Allofs persönliche Motive, die natürlich dafür sprechen mögen (neue Herausforderung; neue Möglichkeiten; interne Differenzen bei Werder; Diego verkaufen können; …). Letztere sind verständlich und letztlich natürlich ausschlaggebend für die Entscheidung.

    Und vielleicht noch ein Tipp: nicht so viel Kreiszeitungs-Kommentare lesen.

    Cheers,
    perp

  • Lars (Autor) sagt:

    Zu Deinen Argumenten, was gegen einen Wechsel spricht: Dass Wolfsburg ein Retortenverein ist, wird Allofs zunächst einmal egal sein, vielleicht sieht er auch eher die Chancen, etwas aufzubauen. Das mit den Problemen, mit viel Geld sinnvoll umzugehen, ist ein interessanter Punkt; könnte man ja meinen angesichts von Carlos Alberto z.B. Andererseits hat jeder gute Manager auch Fehlgriffe. Gehört wohl dazu.
    Und den Zeitpunkt finde ich ehrlich gesagt insgesamt eher günstig. In der Sommerpause wurde der notwendige Umbruch nun wirklich vollzogen und ein neuer Manager hätte Zeit, sich einzuarbeiten. Die zeitliche Nähe zur Verlustmeldung ist natürlich unglücklich, aber man wusste ja auch vorher nicht, was mit Magath und Wolfsburg passiert. Und an dem Aufkommen der Geschichte hat Allofs wohl eher keine Schuld. Da sieht alles doch sehr danach aus, dass Wolfsburg Druck gemacht hat und immer noch macht. In diesem Sinne viel Spaß dann bei denen. Interessant ist ja auch, dass es in zwei Wochen gegen Wolfsburg geht.

    Und was meinst Du mit Kreiszeitungskommentaren?

  • perp sagt:

    Dass jeder Manager Fehlgriffe macht, ist klar, bei Allofs häuften sich diese aber, als er mehr Geld zur Verfügung hatte. (Dass muss natürlich nicht heißen, dass er in Wolfsburg nicht erfolgreich sein kann.)

    Nochmal zum Zeitpunkt: mein Gedanke war, dass es für Werder besser wäre, wenn man einen fließenden Übergang bewerkstelligen könnte, soz. eine Stabübergabe während der restlichen Saison (z.B. an F. Baumann). Aber es ist natürlich so gut wie ausgeschlossen, dass Wolfsburg sich auf so was einlassen würde. (Da war meine Werderbrille zu stark…) Insofern ist der Wechsel zur Winterpause wohl das beste was geht. (Dass der Umbruch schon vollzogen ist, glaube ich im Übrigen nicht. Aber ein großer Teil der Arbeit ist gemacht.)

    „Kreiszeitungskommentare“: Jene teilweise hanebüchenen Auslassungen, die unter Artikeln der Syker Kreiszeitung stehen, meinte ich damit. Da kann man auch sehr viel „respektlosen Mist“ lesen.

  • Lars (Autor) sagt:

    Ah ja, verstehe. Ich habe ehrlicherweise noch keinen einzigen Kreiszeitungskommentar gelesen, ist wohl auch besser so. Für albernes Allofs-Gebashe reicht es, auf Twitter zu gucken oder ins Worum zu schauen.

  • Die Blogschau für Montag, den 12.11.2012 | Fokus Fussball sagt:

    […] Werderblog hat sich mit der Frage auseinander gesetzt, ob Allofs nach Wolfburg wechseln könnte. Aus Sicht des […]

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