Gewalt und Gefühl

Lars 7. November 2012 Ein Kommentar Drucken

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der sich bei Hunts Freistoßtor am Sonntag an eine ähnliche Situation im Januar letzten Jahres beim Spiel gegen Hoffenheim erinnerte, als ebenfalls ein Kapitän die Verantwortung übernahm und einen Ball ins Tor knallte. Beim Freistoßtor von Hunt am Sonntag knallte eher etwas anderes, aber das Gefühl bei mir war ein Ähnliches (bei Wetklo wahrscheinlich nicht, aber lassen wir das…).

Damals hatte sich die Hoffnung nicht wirklich bestätigt, dass dieser erzwungene Sieg einen Wendepunkt zum Guten sein könnte. Aber die beiden Situationen sind natürlich auch nur schwer vergleichbar, die vorletzte Saison war schon weiter fortgeschritten und wir standen damals ungleich schlechter da. Und vor allem: Die Mannschaft war eine komplett andere. Und vielleicht ist Hunts Freistoß vom Sonntag auch ein Zeichen für die spielerische Qualität, die wir mit dieser komplett neuen Mannschaft hinzugewonnen haben, besonders natürlich in der Offensive. Es war eben kein Gewaltschuss wie der von Frings im Januar 2011. Hunt hat den Ball mit Gefühl und Können ins Tor geschlenzt.

Dieser Sieg lässt mich hoffen, weil die Mannschaft gezeigt hat, dass sie auch einen Sieg erzwingen kann, dass sie ein Spiel gewinnen kann, dass sie fast schon aus der Hand gegeben hat. Dass sie sich mal belohnt für die richtige Einstellung. Und das kann bei diesen jungen Spielern Gold wert sein. Ich bin gespannt, wie sie kommenden Samstag gegen Schalke auftreten werden, das gestern ja durch die Aufholjagd doch noch ein wenig mehr Selbstvertrauen sammeln konnte.

Doch zurück zur Qualität in dieser neuen Bremer Mannschaft. Mit De Bruyne , Elia und Petersen haben drei Neuzugänge bislang in allen zehn Partien gespielt. Und besonders de Bruyne und Elia haben gemeinsam mit einen sehr starken Hunt und einem Arnautovic, der sich – bleiben wir vorsichtig! – gefangen zu haben scheint, in unserer Offensive endlich das zurückgebracht, wofür der Club bekannt ist: Schnelles Umschalten und schnelles und direktes Spiel nach vorne. Wie habe ich das Rumgestümpere der letzten Saison gehasst, als völlig inspirationslos die Pässe nach vorne ins Nichts gespielt wurden. Das frühe 1:0 gegen Mainz ist ein gutes Beispiel für diese wiederentdeckte Qualität: Ein erzwungener Ballverlust des Gegners im Mittelfeld wird gedankenschnell in ein Tor verwandelt.

Und dann Hunt. Erinnert sich noch jemand daran, wie viele Fans ihn vor einzwei Jahren verdammt und als Hauptschuldigen für den Niedergang des Vereins ausgemacht hatten? Wie hat sich das doch gedreht. Ich mag seinen nüchternen Umgang mit seiner eigenen Rolle, wie man es vor allem in den Interviews nach dem Spiel gegen Mainz sehen konnte. Er ist auf jeden Fall wahnsinnig wichtig für die junge Mannschaft und hat gottseidank diese Rolle, die nach den Abgängen in den letzten beiden Jahren frei wurde, angenommen und füllt sie derzeit einfach großartig aus.

Natürlich ist dieser letztendlich auch sehr glückliche Sieg nur eine Momentaufnahme und wir sind immer noch am Anfang der Saison. Aber ich habe ein gutes Gefühl.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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