Umbruch und Aufbruch

Lars 28. September 2012 7 Kommentare Drucken

Auch wenn mir unsere Verteidigung immer noch das Haupthaar ergrauen lässt. Auch wenn ich in 90 Minuten immer noch (oder wieder?) tausend Tode sterbe. Auch wenn erst fünf Spiele gespielt und sieben Punkte errungen wurden: Ich habe wieder Spaß am Fußball von Werder.

Und mindestens genauso wichtig: Ich habe noch keinen einzigen der Spieler vermisst, die am Ende der letzten Saison gegangen sind, gehen wollten oder gehen mussten. Wenn ich Pizarro bei den Bayern auf der Bank sitzen sehe, habe ich das Gefühl, dass es schon ewig her ist, seit er bei uns gespielt hat. Marin? Wiese? Naldo? Ach ja, die waren auch mal da. Wehmut kommt bei mir allerhöchstens auf, wenn ich Klasnic bei Mainz sehe. An der  jüngeren Vergangenheit des Vereins vermisse ich nicht viel.

Nachdem letzte Saison jegliche Emotion nach und nach den Bach runter ging, ist im Sommer die Fußballkultur rund ums Weserstadion  wieder erwacht und ich fiebere wieder mit. Einige Gründe dafür:

  • Wie die Menschen so sind, oft muss es erstmal richtig in die Hose gehen, bevor man erkennt, dass sich etwas ändern muss. Und die Vereinsführung hat, in der ihr eigenen ruhigen Art, erkannt und geändert.
  • Und auch mit unserem Trainer ist etwas passiert. Nachdem ich letzte Saison noch dachte, die Raute wird Bremen erst gemeinsam mit verlassen, spielt die Mannschaft doch tatsächlich mit ihm anders.
  • Und es wurden, wie es scheint, die richtigen Spieler für diese neue Taktik eingekauft. Wann hatten wir zum Beispiel zuletzt Spieler, die sich auf den Außen richtig wohl fühlten? Und de Bruyne wird uns diese Saison (und eventuell leider nur diese) noch richtig viel Spaß machen.
  • Und gleichzeitig wirkt das Spiel wieder eigenartig vertraut, so wie wir es von Schaaf gewohnt sind: Offensiv, mit schnellem Umschalten und genauso schnellen Pässen nach vorne. Man gucke sich nur das fast schon wahnsinnig offensiv aufgestellte Mittelfeld an. Und es scheint zu funktionieren, bislang zumindest. Das Spektakel ist auf jeden Fall zurück.
  • . Für mich ist er bislang der Spieler der noch kurzen Saison. Er gibt der Mannschaft Ordnung und Sicherheit und über ihn läuft viel. Ihm scheint es zu bekommen, dass der Altersschnitt rapide gesenkt wurde und er nun einer der wenigen Routiniers in der Mannschaft ist, eigentlich der Einzige neben Clemens Fritz. Hoffen wir, dass er unverletzt bleibt.

Natürlich gibt es auch Dinge, die (noch) nicht funktionieren, apropos graue Haare: Nach hinten wirkt Werder immer noch gerne und oft so wild wie eh und je. Aber wenn es nach vorne wieder läuft, nehme ich das bis zu einem gewissen Grad in Kauf. Also: Bitte weiter so, nur mit ein paar mehr Punkten aus den nächsten Spielen.

Und ach ja: Eigentlich wird es doch wieder mal wieder Zeit, die Bayern zu schlagen.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 0)
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7 Kommentare »

  • borttronic sagt:

    Dem ist nichts bis wenig hinzuzufügen.
    Der Trennungsschmerz der Abgänge hat sich verflüchtigt und das ist gut so. Wenn ich sehe, dass Wiese jetzt schon wieder die meisten Gegentore geschluckt hat, denke ich mir, dass es doch nicht nur an der offensiven Ausrichtung der Abwehr liegen kann. Wenn ich Naldo in Wolfsburg sehe, denke ich mir: joa, schade, aber Sokraits und Prödl gefallen mir auch.

    Das einzige, was mir zum Glück fehlt, sind die Stürmer. nach 5 Spielen hab ich leider weder bei Petersen noch bei Akpala das Vertrauen, dass sie 20 Tore machen könnten. Da fehlt mir das Gefühl der Verlässlichkeit. Vielleicht täusche ich mich, vielleicht braucht es das aber gar nicht, weil das Team im gesamten knipst.

    Auf jeden Fall macht mir Werder bislang doch ungeahnte Freude.

  • Michael sagt:

    Äpfel mit Birnen.

    Schwer da einen Vergleich zur letzten Saison aufzustellen. Viele schwächen der Aktuellen Mannschaft kann man sicher im Altersschnitt und mangelnder eingespieltheit finden… wie in der letzten Saison geht da meiner Meinung nach noch viel im Mittelfeld verloren. Viele Ungenauigkeiten, Fehlpässe und Unsicherheiten die zu einem langsamen Spielaufbau führen und unsere Abwehr oft in Schwierigkeiten bringen.
    Gerade gegen Stuttgart und Freiburg fühle ich mich sehr an die letzte Spielzeit zurück erinnert. Wenig Torchangsen, nur zum Glück sitzen die dann… das war im letzten Jahr nicht anders, bis zum Winter – da lief dann plötzlich nichts mehr und wir haben gar gegen eine Desolate Herta ohne einen Torschuss verloren.
    Schade das Spiele die mehr Hoffnung machen die sind die verloren wurden (wenn auch, gegen Hannover, dank zweier Fehlentscheidungen vom Schiri).
    Wir werden sehen wie sich das entwickelt, es macht in jedem Fall mehr spass als zum ende der letzten Saison, aber was macht schon weniger Spass als 8 Niederlagen in folge bei absoluter Teilnahmslosigkeit einer über bezahlten Mannschaft? Der sieg in Freiburg war wichtig, so kann man morgen ohne großen druck spielen… ich sehe uns morgen jedoch dennoch mehr wie einen Zweitligisten im Pokal, wenn was geht dann nur wenn alle kratzen, beissen und eine ordentliche Portion glück mit bringen.

  • Michael sagt:

    Man konnte in den letzten beiden Spielen übrigens ganz eklatant die Fehler der letzten Saison wieder finden. Das der Tor Bayern durch einen Konter nach Ecke (hatten wir so oft) und nun gegen Augsburg kaum einen zwingenden Torschuss überwiegend verursacht durch eklatante Fehlpässe oder Tempoverlust im Mittelfeld.

    Wir sind noch nicht raus aus dem groben, neue Spieler hin oder her. Die Fehler die uns die Spiele kosten sind die selben. Im Worum hatte jemand diesen interessanten Singnatureintrag „Ein umbruch hört nicht an der Seitenlinie auf.“ Mir ist es ein Rätzel wie wir über Jahre Probleme mit Ecken und Standards haben (De Brynes Tor in allen ehren, aber gewollt war das nicht.). Ein paar Tage die Woche 30 Minuten Sondertraining für Standarts und es KANN in ein paar Monaten nur besser aussehen. Es kann doch nicht sein das wir nun für Jahre schon froh sein müssen wenn ein Eckball nicht direkt am Kopf des ersten Gegenspielers endet und einen Konter einleitet.

  • Florian sagt:

    Ich finde diese Saison vorallem die österreichische Stütze rund um Prödl, Junozovic und Arnautovic sehr wichtig. Arnautovic scheint auch langsam mal erwachsen zu werden, Junozovic war auch schon in der österreichischen Bundesliga schon einer der Top 3 Spieler und Prödl wirkt in dieser Saison auch stabiler. Wenn jetzt noch Elia seine Topform aus Twente-Zeiten findet dann läuft mir schon langsam das Wasser im Mund zusammen, was Werder in der Rückrunde spätestens bieten wird.

  • Lars (Autor) sagt:

    Michael, ich stimme Dir total zu. Bei allem Lob hatte ich auch beim Spiel gegen die Bayern öfters an letzte Saison gedacht. Und nun gegen Augsburg noch viel mehr und nahe an der Resignation. Das mit dem Zeit geben für eine junge Mannschaft stimmt natürlich immer noch, nur sollten sie doch wenigstens daran arbeiten, die typischen Fehler abzustellen. Oder ist die Ansteckungsgefahr bei Werder (beim Trainer?) einfach zu groß…?

  • Lars (Autor) sagt:

    Florian, bei Prödl und Junuzovic stimmte ich Dir zu, Arnotauvic hat meiner Meinung nach in den letzten Spielen schon sehr abgebaut und man erkennt wieder den Spieler der letzten Saison. Bei ihm ist es vielleicht noch wichtiger, dass er mal ein Erfolgserlebnis bekommt, nur wenn er so weiter macht, wird’s schwer (Henne/Ei-Problem und so).

  • Trekki sagt:

    Es ist ja nun kein Geheimniss das Werder und Verteidigung nicht zusammenpasst.
    Trotzdem macht es wieder spass am Wochenende Fussball zusehen. Auch wenn wir noch keine Serie starten konnten so bin ich trotzdem sicher das wir am Ende der Saison besser stehen als in der letzten. Die Körpersprache der Spieler ist eine ganz andere und auch offensiv haben wir Mittel mit denen wir endlich wieder Spiele gewinnen können. Ich hoffe noch das Niels sich noch etwas mehr steigert denn er hat das Zeug dazu Pizza vergessen zu machen.

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