Tacheles III

Bernhard 21. November 2010 16 Kommentare Drucken

Gute Nacht!

Was die Profifußballabteilung des SV Werder Bremen momentan abliefert, ist nicht bundesligareif. Und bei gleicher Einstellung würde man bei einem Abstieg sogar noch bis Liga 3 durchgereicht. Woran liegt es?

In einer Schieflage wie der jetzigen gibt es ein bis vier Ursachen. Die erste ist der Trainer samt seinem Stab. Darüber habe ich bereits vor zwei Wochen geschrieben. Nummer zwei ist die Mannschaft, Nummer drei der Vorstand samt Einkaufspolitik, Nummer vier Pech. Meistens sind es mehrere, zusammenhängende Ursachen.

Schon seit zwei Wochen habe ich das sichere Gefühl, daß sich bald ein anderer Verein an der lange Zeit herausragenden Arbeit von Thomas Schaaf erfreuen wird. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber in ein paar Monaten, ab Juli vielleicht. Nach dem Schwälbchen gegen Frankfurt ist der Sommer schon wieder verflogen, und die „Leistung“ der Truppe, ihr Wille etwas zu bewegen abgekühlter denn je. Herr Schaaf muß sich fragen lassen, warum er diese Mannschaft immer noch nach auf Angriff spielen läßt. Das Potential dazu ist einfach nicht vorhanden, es gibt keine Spieler, die ein Spiel aufziehen können, es fehlen Leute, die einen Angriff gestalten können. Aber schnell sind die Jungs, konterstark sollte man meinen. Wenn man inzwischen jahrelang um die Abwehrsorglosigkeiten weiß, wenn mit Özil, Diego, Pizarro, Arnautovic Kreativausfälle aus unterschiedlichen Gründen zu beklagen sind (und ich rede noch nicht mal über fehlende flankenbefähigte Außenverteidiger), dann muß man sein System halt mal überdenken.
Is nich passiert.

Gegen Schalke nun war ein Spiel zu sehen, in dem wir gar nichts zu sehen bekamen. Keinen Einsatz, keine Kombinationen, keine Abwehrverhalten und kein Mitleid mit Wiese seitens der Mannschaft – Verzeihung, seitens der zehn Feldspieler. Könnte mir vorstellen, daß der momentan bei einer Bayern-Anfrage sofort „ja“ sagen würde…(ok, Mielitz wäre ein sehr guter Ersatz).
Da gibt es immer noch Leute, die sagen, oh, aber wenn wir anfangen, mit neuen Trainern zu experimentieren, dann wird es wieder wie nach Rehagel. Aufwachen, Leute! Diese Saison ist bereits Saison 1 nach Rehagel mit Aad-de-Mol-/Dixie-Dörner-Fußball. Nur mit noch schlechteren Resultaten! Nach vorne wirkungslos, mit etwa der Hälfte bis runter zu einem Drittel der gewohnten Anzahl Torchancen und völlig fehlendem Kombinationsfußball. Wesley wird gelobt, weil er den Ball halten kann, Diego wurde deshalb gemahnt, weil er das Tempo verschleppte. So ändern sich die Zeiten. Niemand erwartet von den jetzigen Spielern mehr den One-Touch-Fußball, der so erfolgreich war. Aber wird deshalb die grundlegende tatktische Ausrichtung verändert?
Nö. Is nich passiert.

Schleichend, aber für jeden sichtbar, bewegte sich Werder in den letzten zwei Jahren Richtung Mittelmaß mit Stoßrichtung Abstieg (noch 24 Punkte – woher?). LV? Nicht gelöst, lieber woanders mal 6 bis 8 Millionen investiert. Ecken oder Freistöße? Sind in dieser Saison regelmäßig ein Geschenk an den Gegner, das war mal (vor langer, langer Zeit) eine der Stärken von Werder, das könnte man ja einfach mal wieder trainieren. Liegt es an Kalli Kamps‘ Abgang als Co-Trainer? Wann war denn das…vor zwei Jahren?
Zuviele Baustellen. Wird an diesen gearbeitet?
Nö. Passiert nich. Nich ma mehr wirklich Flickwerk.

Was ist zu tun? Notbremse? Nö. Aber in der Winterpause müssen deutliche Zeichen gesetzt werden.
#1 Verträge mit Almeida, Boenisch, Jensen nicht verlängern. Almeida noch in der Winterpause abgeben. Frings ebenfalls nicht mehr als Spieler verlängern, aber bei Werder (Jugendtrainer? :-) ) einbinden. Pasanen. Hmm. Naja, an ihm liegt es nicht. Nicht wirklich. Nehmt’s ihn halt nochamal.
#2 Kanonen wie Hunt, Wagner, Rosenberg, Vander und andere auf die Transferlisten setzen, die Gehaltslisten entschlacken. Spieler mit Nummer 44 auf dem Rücken will ich nicht mehr sehen. Selbst inklusive (der ja ohnehin nicht eingesetzten Nachwüchsler) sollte irgendwo bei 30 Schluß sein.
#3 Mal schauen, wessen Verträge woanders zum 30.6.2011 auslaufen und in der Winterpause für die nächste Saison anwerben! (Womé als LV ist übrigens vertragslos und könnte sofort ran. Der war ja fast das Beste, was die letzten Jahre dort gespielt hat…ok, ok, der ist aus dem Training raus, ist auch schon 31, und Werder wollte ihn ja wohl menschlich nicht mehr oder so) Laufen ansonsten nicht in Skandinavien/Rußland einige Verträge sogar schon zum 31.12.2010 aus?
#4 Klaus Allofs (Geschäftsführer Profibereich) muß insgesamt seine Personalpolitik neu ordnen. Und sich selbst einen Maulkorb verpassen (Der Kader sei stark genug, 15 Punkte müssen drin sein, blabla).
#5 Ernsthaft Ausschau halten nach einem Nachfolger von Thomas Schaaf. Keine Schnellschußaktion, sondern gründliche Gespräche. TS darf das ruhig wissen, würde sich vielleicht, falls er selber einsieht, daß auch die beste Ehe mal ein Ende finden kann, sogar mit einbringen wollen bei der Übergabe an jemand anderen.

Oder
#6 Bis zur Winterpause 4 BL- und 2 CL-Spiele überzeugend und torreich gewinnen. Äh. Nunja. Wird nich passieren.

Nach der Winterpause dann kann man sich wohl vollends auf die BL konzentrieren, Zielsetzung Klassenerhalt zum 30.ST, Konsolidierung mit neuen Spielern, auch aus dem Nachwuchs.
Mehr is nich, mehr bleibt nich, mehr wird’s wohl nich wern.

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16 Kommentare »

  • Christian sagt:

    Es sind immer noch keinerlei Aussagen getätigt worden, dass das Saisonziel korrigiert wird, oder? Dafür wäre es mal wirklich an der Zeit, denn das Ziel Champions League klingt immer hohler (ich hielt es auch schon zu Beginn der Saison für ein sehr optimistisch formuliertes Ziel).

  • Stephen sagt:

    @Christian: Doch, Allofs hat die Saisonziele heute mittag schonmal korrigiert: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/545153/artikel_Allofs_Gibt-keinen-Besseren.html

  • The Buzz T.an sagt:

    also zu #4: diese 15 vorderung ist blos wieder ne erfindung der bild. http://www.werder.de/aktuelles/news/meldung.php/19287/Schalkes-Offensive-standhalten–wieder-Boden-gutmachen (so ziemlich am ende steht die offizielle aussage)

    dieses drecksblatt nervt einfach nur.

  • Niko sagt:

    Bloss weg mit diesem Trainer. Schaaf ist schon lange nicht mehr tragbar. Die Spieler lachen doch nur über den. Und so sieht auch ihre Leistung aus. Jetzt hat Schaaf nicht mehr die überragenden Einzelspieler wie er sie viele Jahre hatte.

    Er schafft es seit Jahren nicht das die Mannschaft mal in der Defensive ordentlich steht. Die Mannschaft spielt nicht als Team. Es sind nur 11 Einzelspieler auf dem Platz. Wir hatten unsere Erfolg mit Schaaf aber die Zeit ist schon lange abgelaufen. Der Abwärtstrend geht doch schon seit fast zwei Jahren und wurde nur durch die Finalteilnahmen kaschiert.
    Schaaf kommt mir wie ein sabbernder Boxer vor der nichts mitbekommt und nur noch in der Vergangenheit lebt. Wir brauchen frischen Wind. Warum darf ein Hunt immer spielen. Ist Schaaf sein Vater oder sein Trainer?

    Ich hätte gerne einen Tuchel in Bremen. Einen Trainer der einen klaren Plan hat und keinen Thomas Schaaf mehr.

  • Julia sagt:

    Also ich hoffe nicht das Schaaf geht. Er hat die letzten Jahre immer alles wieder für usn zum Guten drehen können und ich glaube das er es auch jetzt wieder tut. Er kann die Mannschaft nicht so eifnach umpolen, das dauert. Und mit den Ausfällen wird das auch nicht leichter. Die neuen funken (noch) nicht und es ist einfach der Wurm drin. Ich denke ehr die Spieler sollten mal an iherer einstellung was ändern.

  • Planet of Sports sagt:

    Thomas Schaaf und die Krise, sowie die Zukunft in Bremen!…

    Ist es die Ruhe vor dem  Sturm? Oder nur eine Schwächephase? Nach 13. Spieltagen steht die Mannschaft von der Weser nur auf Rang zwölf. Kommen sie dort wieder raus oder muss wirklich ein neuer Übungsleiter her? Sauer, traurig, enttäuscht, manchmal soga…

  • herbi sagt:

    was ist das hier für nen hobbytrainer blog!?!?! es liegt an der mannschaft nicht an schaaf und allofs. was deren politik angeht inbezug auf einkäufe etc. kann man hinterfragen. na dann her mit den vorschlägen. funkel? wie wärs mit dem.. mmhh? vollidioten. ihr seit dann auch die, die im stadion stehen und anstatt anfeuern und singen motzen und pfeiffen. sone fans brauch werder nicht. absolut überflüssige meinungen…..

  • Stephen sagt:

    Richtig herbi. Genau das ist eine gute Argumentation. Alle als Vollidioten titulieren und das, was andere sagen als überflüssig abtun. So muss das sein, du Honk!

  • Sprentz sagt:

    Hallo Leute,

    habe hier mal meine Liste mit Krisengründen erstellt. Mal schauen, was Ihr so meint…

    – Die Selbstwahrnehmung: Ich kann den Mist vom eigentlichen Potenzial der Mannschaft, einer Serie bzw Aufholjagd, der Meisterschaft etc nicht mehr hören. Seit 3 Jahren reden wir so daher und verlieren immer gleich darauf die nächsten spiele. Werder sollte sich so langsam bewusst sein, dass sie einfach nur noch die nr 5-8 in der Liga sind. nur wenn alles super läuft und andere auch schwächeln, reicht es bei uns für platz 3 oder höher.

    – die Transfers: Nach der Carlos Alberto Nummer hatte ich wirklich gehofft man hätte dazu gelernt. Ein Spieler muss zu allererst menschlich ok sein und bereit sein, für den Verein alles zu geben. Jetzt hat man sich mit traumwandlerischer Sicherheit mit Arnautovic das nächste AXXXXloch für viel Kohle ins Boot geholt. Solche Charaktere, die nur in der Disse einen auf dicke Hose machen, aber aufm Platz nicht fighten, kriegen das beste Manschaftsgefüge kaputt.

    – die Einstellung: Ein Resultat des neuen Mannschaftsbilds ist die Aussendarstellung. Jetzt wird Werder repräsentiert von Zauberlehrlingen, die auf Youtube Übersteiger-Videos posten und tolle Werbeverträge haben. Mit Werder und der Stadt identifizieren sie sich kaum. Reingehangen wird sich auf dem Platz schon gar nicht. (motto: „wenn ich grad n tollen Übersteiger vorn gemacht hab, bin ich damit bestimmt in der Zusammenfassung bei sky – da brauche ich gar nicht mehr hinten mitzuhelfen….“). aufzählung der gemeinten ist wohl nicht mehr nötig. Jedenfalls repräsentieren sie nicht mehr das, wofür ein Eilts, Bode, Otten, Votava, Kiwi, Budde etc stand(en).

    – der Trainer und seine Taktik: Die Aufstellung ist seit Jahren ein Witz. Wir spielen regelmässig mit 4-5 Stürmern und wundern uns, dass es hinten klingelt. Dazu hatte ich vor kurzem schon einmal etwas gepostet. Beim Spiel gegen Schalke sah sich Passanen wieder mehrere Male zwei Gegnern gegenüber, die sich nur noch aussuchten mussten, wie sie ihn denn zu zweit ausspielen möchten. der linke „Mittelfeldspieler“ hat sich vorn noch von seinem letzten vergeblichen Dribbler erholt… Ausserdem stellt Schaaf häufig immer die selben auf, obwohl sie nur Müll abliefern. Andere bekommen ganz klar nicht die selben Chancen sich zu beweisen. So demotiviert man die zweite Garde endgültig. (Ich bin froh, dass der Vranjes „weg“ ist; seine Kritik scheint aber nicht unberechtigt gewesen zu sein. Er war ja auch jahrelang ein treuer, loyaler, unkritischer 12er Mann).
    Schaaf hat ja jetzt endlich erkannt, dass vor allem Einsatz und Kampf wieder her müssen. Dann muss er aber auch diejenigen zumindest bis Weihnachten in die Regionalliga schicken, die diese Dinge dann so arg vermissen lassen. Sonst macht er sich nur noch lächerlich. Bsp Schalke: da hat ein gestandener Jones den Trainer nicht zufriedengestellt – schon hat er sich n Einlauf abgeholt und darf für die nächsten Spiele zu Hause bleiben. Auch der letzte Hirni im Team hat kapiert, dass der Trainer das mit der Laufbereitschaft wohl doch ernst gemeint hat und wetzt wie ein Duracell-Häschen… Schönspieler wie Jurado müssen erstmal hinten an stehen um sich aus der Krise herauszukämpfen.

    – nörgelnder, formschwacher kapitän: Lutscher mault nur über die anderen, während seine eigenen Leistungen auch nicht mehr herausragen. Somit ist er ein spaltender Faktor, keiner, der zusammen schweisst.

    Hoffentlich wirds bald besser. Ob mit oder ohne Schaaf ist mir mittlerweile eigentlich ziemlich egal. Wenn Schaaf noch eine Zukunft haben will, muss er aber endlich mal durchgreifen. Wer jetzt nicht spurt, muss Konsequenzen zu spüren bekommen! Auch ruhig mal öffenltich.

  • Bernhard (Autor) sagt:

    @tom007…äh, herbi: Sich kritisch mit seinem Verein auseinanderzusetzen, wenn es nicht läuft, eben WEIL man sein Herz für den Verein schlagen läßt, hat nichts mit mangelndem Unterstützen zu tun. Vollpfosten, die argumentationslos in der Gegend rumstehen, denen es an Analysen wie Lösungsvorschlägen (vom Deutsch ganz zu schweigen) mangelt, haben hier in der Tat nichts zu suchen.
    Der Werder-Karren ist mächtig in den Dreck gefahren, und nur mit dem Absingen der immer gleichen, sorry, ziemlich einfallslosen Gesänge kommt er nicht wieder heraus.
    Also mach mal ein paar konstruktive Vorschläge, was Deiner Meinung nach zu tun sei.
    Oh, zu viel verlangt? Sorry.
    Na dann, grölend und wenig hilfreich mit in den Untergang, Hauptsache fröhlich. Wie war das damals auf der HMS Titanic? Überlebt haben die, die sich gewehrt haben.

  • Bernhard (Autor) sagt:

    @ sprentz: Stimme den Absätzen 1, 5 und besonders 4 lebhaft zu!

    Bei Arnautovic bin ich immer noch zuversichtlich, daß er sehr bald das bringt, was er kann.

  • Stephen sagt:

    @sprentz:

    zu Transfers: Ja, Carlos Alberto war ein tiefer Griff in die Kloschüssel. Und die Außendarstellung von Arno ist momentan auch nicht die Beste. Aber man darf auch nicht vergessen, dass sich die Medien bei ihm auch auf jeden kleinen Pups stürzen. Unter anderen Umständen hätte wohl keiner seine „Saftladen“-Aussage zur Kenntnis genommen oder berichtenswert gefunden. Aber da er einen Ruf als Troublemaker hat und Bremen zudem sportlich in Schieflage war, hat man sich an dem Spruch genüsslich hochgezogen. Was nicht heißen soll, dass Arno es nicht besser wissen sollte. Hat seinen Ruf ja nicht erst seit heute und sollte ja auch schon gemerkt haben, dass er ständig im Fokus steht.

    Jeder Transfer ist halt eine Wette. Man schaut sich die Fähigkeiten, die Persönlichkeit und andere Faktoren an und dann entscheidet sich der Verein, ob er bereit ist diese Wette einzugehen. Bei Arno ist es einfach so, dass er vielleicht schwierig ist, aber auch über immenses Talent verfügt. Bremen hat einfach gedacht, dass der Transfer lohnenswert ist und ich bin auch noch nicht bereit, ihn als Fehleinkauf abzustempeln.

    Was das fighten angeht, bist Du hier aber ein wenig auf dem Holzweg. Arno ist doch einer der wenigen Offensivspiel, der seinen Gegner auch mal im Sprint zum eigenen 16er folgt und auch mal in einen defensiven Zweikampf geht. Was das angeht, können sich Hunt und Marin mal ein Scheibchen abschneiden (ja, Marin ist 2m kleiner und wiegt höchstens 100 Gramm, aber nach hinten laufen darf er ja trotzdem).

  • Lars sagt:

    Und überhaupt: Er hat doch recht mit dem Saftladen…

  • okidoki sagt:

    @Bernhard

    Toller Blog und sehr gute Analyse.

    Ich denke auch, dass die Gründe für die schlechte Entwicklung der Mannschaft tiefer liegen und bei Werder ein grundsätzlicher Wandel erfolgen muss, um in den nächsten Jahren wieder Schritt für Schritt wettbewerbsfähig zu werden. Hier mal meine grunsätzliche Analyse, etwas aus der Vogelperspektive, würde mich interessieren was ihr davon haltet:

    1. Es gibt zwei Möglichkeiten wie man eine Mannschaft zum Erfolg bringt: Mit Geld oder mit Leidenschaft.

    In der Variante „Geld“ muss man ordentlich investieren, um Erfolg zu haben. Bestes Beispiel sind FCB, Chelsea etc. Der Trainer führt das Team mit harter Hand und lässt sich von den Diven nicht auf er Nase rumtanzen. Häufig ist das Team weniger Wert als die Summe der Einzelspieler. Macht nix, es wird dann halt etwas mehr investiert werden.

    In der Variante „Leidenschaft“ ist das erfolgreiche Team mehr als die Summe der Einzelspieler. Der Trainer ruft Top-Leistungen der Mannschaft ab, indem er die Eigenmotivation der Spieler maximiert und ihnen das Vertrauen in den Erfolg als Team gibt.

    Werder hat in der Vergangenheit immer mit Leidenschaft und Teamspirit Top-Leistungen abgerufen. Das Team war immer mehr als die Summe der Einzelspieler. Das war der Kern für Werder’s Erfolg, denn

    2. Werder hat nicht die finanziellen Möglichkeiten sich den sportlichen Erfolg „zu kaufen“

    Werder verfügt nicht über die finanziellen Mittel, Top-Spieler am Markt zu kaufen und langfristig zu halten. Um so wichtiger ist es das Talente mit Hunger und Potential aufgespürt und weiterentwickelt werden. Das hat KA in der Vergangenheit sehr erfolgreich getan.

    Wieso funktioniert dies nicht mehr oder wieso haben wir den Eindruck, dass KA immer mehr Fehleinkäufe macht?

    Der Markt für Talente ist inzwischen hart umkämpft. Hatte Werder hier früher ein Alleinstellungsmerkmal setzen heute zahlreiche Klubs auf diese Strategie, siehe Leverkusen, Hoffenheim, Dortmund. Das bedeutet, dass KA nicht mehr so einfach an die Talente kommt. Vielmehr muss er jedes jahr höhere Risiken bei der Verpflichtung eingehen, die nicht nur teurer werden sondern auch höheres Risikopotential bieten, siehe Carlos Alberto.

    Um so wichtiger ist es, dass vom Team Leidenschaft und Eigenmotivation abgerufen wird. Für mich ist die ganz entscheiden Frage wieso TS dies nicht mehr schafft. Meiner Meinung nach gibt es hierfür zwei Gründe:

    Erstens: Mürrischer Umgangston und eine harte Hand scheinen sich abzunutzen bzw. in einer ernsten Krisensituation das Gegenteil zu bewirken. Ist das Vertrauensverhältnis Mannschaft zu Trainer oder das Gefüge innerhalb der Mannschaft einmal zerstört (durch was auch immer) kommt der Trainer mit seiner launischen Art nicht mehr glaubwürdig an die Mannschaft heran.

    Zweitens: Wenn dann auch noch Frings einen Freifahrtschein bekommt rumzuschnauzen, obwohl er seit 2 Jahren echt nicht mehr Top-Leistuntgen bringt tötet das aus meiner Sicht jegliche Motivation der jungen Talente (von denen es ja nicht mehr viele gibt) ab. Wie oft ist Frings nur noch „Top“ im taktischen Faul weil er zu langsam ist und wie oft meckert er mit dem Schiedsrichter wegen angeblicher Fehlentscheidungen oder den Mitspieler für angebliche schlechte Teameinstellung? Für mich ein klares Anzeichen, dass er sich zu sehr auf seinen Lorbeeren ausruht. Klar ein Autoritäts-typ auf dem Platz ist wichtig, aber nur gegenüber dem Gegener, nicht gegenüber den Mitspielern, und die Autorität muss immer – auch bei Frings – durch Leistung untermauert werden. Löw hat das erkannt und die Konsequenzen gezogen (wie weit ein positiver Teamspirit eine unerfahrene Mannschaft bringen kann haben wir in Südafrika gesehen). Und Werder? Will den Vertrag mit Frings verlängern und ihn in den Trainerstab holen. Na wenn Frings ein Teil des Problems ist wird es so nicht gelöst. Die Mannschaft hat sich wohl von dem Schock auch noch nicht erholt.

    Fazit: Werder muss zu 100% den Teamgeist in der Mannschaft wieder erwecken. Wenn der Trainer hierzu nicht mehr glaubwürdig oder nicht mehr in der Lage ist, sollte er gehen (ungeachtet seiner bisherigen Erfolge). Wenn einzelne Spieler, insbesondere Frings, Autorität beanspruchen die sie nicht mit Leistung untermauern, sollten sie gehen (ungeachtet ihrer vergangenen Erfolge). Wenn es zuviele Mitläufer im Kader geht sollten diese so schnell wie möglich gegen neue Talente ausgetauscht werden.

    Nur dann ist Werder wieder als Talentschmiede glaubwürdig und attraktiv für junge Talente, die KA dann auch wieder einfacher nach Bremen holen kann.

    In dem Sinne.

  • Sprentz sagt:

    @ stephen

    in der tat ist arni schon mal mit zurück gewetzt, wie man es von hunt & marin eigentlich noch nie gesehen hat. Wie tief unsere Ansprüche an das Defensivverhalten von Mittelfeldspielern (oder im Mittelfeld eingesetzte Spieler) mittlerweile doch gesunken sind… (geht mir ja genauso)

    charakterlich muss sich der kollege aber ganz schnell bessern. Sonst fragen sich alle Mitspieler: „Warum soll ich denn weiter Gas geben, die Anweisungen umsetzen und mannschaftsdienlich sein, wenn der kollege arnautovic genau das gegenteil macht und trotzdem spielen darf“. (Achtung, die saftladen nummer war doch nur n pups gegen seine anderen Eskapaden, die ja für seine kurze anwesenheit recht zahlreich sind)

    Asoziales Verhalten erschwert die Aufgabe des Trainers ungemein das auf den Platz zu kriegen, was alle zurecht fordern in dieser Krise: Eine einsatzwillige, hungrige Einheit, in der sich alle den Hosenboden für ihren Nebenmann aufreissen….

  • Thies sagt:

    Kleiner Einwurf zur Trainerdiskussion:

    Ich habe mich auch schon gefragt, ob ein Wechsel angebracht wäre. Am Ende bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass TS selbst es wahrscheinlich bestens beurteilen kann. Ich glaube, wenn er zu dem Schluss kommt, dass ein neuer Trainer besser für Werder wäre, würde er sich das auch eingestehen und die Konsequenzen ziehen. Wieso auch nicht? Er will das Beste für Werder. Und was ihn selbst angeht – der Mann kriegt doch überall einen Job!

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