Wohin?

Patrick 11. November 2010 9 Kommentare Drucken

1. FC Kaiserslautern. 4x Deutscher Meister.
Borussia Mönchengladbach. 5x Deutscher Meister.
Eintracht Frankfurt. 1x Deutscher Meister.
1. FC Nürnberg. 9x Deutscher Meister.
1. FC Köln. 3x Deutscher Meister.

Gemeinsame Aufstiege in die 1. Bundesliga: 17.

Fünf Beispiele für „Fahrstuhlmannschaften“ der 1. Fussball-Bundesliga. Weitere Beispiele können wir mit Sicherheit alle geben: Karlsruhe, Cottbus, Duisburg, 1860 und St. Pauli. Ein Auszug.

Ich komme aus Mainz. Die Entfernung nach Kaiserslautern ist nicht groß, von hier bis zu meinem Sitz im Stadion auf dem Betzenberg sind es fast genau 60 Minuten. Inklusive Einlasskontrollen, Parkplatzsuche und den Weg nach Oben.
Die eine Hälfte meiner Familie ist bei der Eintracht zuhause, die anderen haben sich den Teufeln verschrieben. Zu den 05ern will keiner, aus gutem Grunde. Und ich, ich stehe ganz Außen, als Bremer. Als verrückter Mainzer, der nur in seinen Grün-Weißen Welt lebt.

Was ich damit sagen will, ich kenne die Gefühlswelten zwischen Deutscher Meister und 2. Bundesliga. Eine ganze Region lag in trauer, als Kaiserslautern abgestiegen ist. Als man dann noch kurz davor war, in der 3. Bundesliga zu verschwinden, die Insolvenz kurz bevor stand, war man perplex, fassungslos.
Das passiert, wenn man mit aller Macht wieder nach Oben will. Mit Zahlen rechnet, die nur im besten Erfolgsfalle eintreten werden. Dem 1.FCK hat es damals den Arsch gerettet, dass u.a. Lotto Rheinland-Pfalz Klose „gekauft“ hat, man hat also den Erlös der Transferrechte gekauft und das Sie einen riesigen Fan haben, der unter anderem in diesem Land fast eine Narrenfreiheit besitzt. Kurt Beck, unser Landesvater.
Damals haben Land und Stadt den Teufeln soviel unter die Arme gegriffen, dass beide noch damit zu kämpfen haben. Ausgesprochenes Glück auf dem Betzenberg.
Trotzdem: Montag Abend, einzigstes Spiel der zweiten Bundesliga gegen Aachen: 35.000 Zuschauer.

Dieses Glück, werden wir nicht haben. Der Stadtstaat Bremen ist dermaßen verschuldet, dass es dort keinen finanziellen Spielraum gibt. Lotto Bremen? Zu klein. Investoren: Bitte nicht.
Wir sehen an Hannover oder auch gerade Schalke und Wolfsburg, dass mit Geld alleine kein Erfolg erzwingbar ist. Zumindest nicht langfristig über die letzten Jahre hinweg. Was noch kommen mag? Keine Ahnung.

Wer nun KATS vorwirft, nur noch Transfers zu versauen, der soll sich die Bremer Möglichkeiten doch nur mal anschauen. Man sollte auch festhalten, dass Leute wie Marin oder Wesley keine Schüsse in den Ofen waren, im Gegenteil, beide machen sich verdient. Beide brauchen natürlich noch ihre Zeit, bis Sie endgültig ihre Perfektion finden. Genauso verhielt es sich bei Özil, wobei uns da eben das Glück gefehlt hat, dass er noch diese Saison bei uns hätte spielen müssen und dann für das große Geld gehen, aber so ist das Leben. Wir heißen nicht Bayer, VW oder Bayern München.

Wir werden auch niemals Bayern München sein. Alleine Geographisch unmöglich. Das was man dort mit Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß aufgebaut haben, wird unerreichbar bleiben. Eine unglaubliche reiche Millionenstadt, dass ist eben Bremen nicht. Erfolg hin, Erfolg her. Wir haben ja schon Probleme das Stadion überhaupt voll zu bekommen. Munich ist überall bekannt, aber Bremen? Fussball hin, Fussball her.

Jeder muss sich hinterfragen, was er denn eigentlich möchte? Und wie realistisch unsere Ziele sind. Wir werden nicht jede Saison um die Champions League mitspielen können. Wir werden nicht jede Saison im DFB-Pokalfinale stehen. Aber, es ist realistisch das wir hin und wieder die Chance haben werden, Deutscher Meister zu werden.
Aber man darf nie vergessen, dass es mit Bayer Leverkusen, Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Bayern und nicht zuletzt den großen Traditionsvereinen wie Köln starke Konkurrenten gibt, die auch alle das gleiche Ziel wie wir haben.
Wir haben nicht das große Geld, dass von alleine kommt. Wir müssen alles selbst Erwirtschaften und auch mit schwachen Saisons umgehen können.

Aber, es gibt auch Durststrecken in der Liga, im DFB Pokal und in der Champions League. Na und? Hey, WIR SIND DABEI! International. Ist doch toll, lasst uns diese Abende einfach Feiern und froh sein, dass wir es mal wieder geschafft haben.
Wer jetzt ruft, dass KATS gehen muss, der muss sich die Frage gefallen lassen: Und dann? Irgendein windiger Manager der alles Geld verbrät für den schnellen Erfolg? Und dann? Insolvenz? 7. Liga juchu?
Den sechsten Trainer im siebten Jahr verschleißen? Das hatten wir schon. Nach Rehagel. Sidka und Magath lassen Grüßen.

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9 Kommentare »

  • Tweets that mention Wohin? | Werderblog.net -- Topsy.com sagt:

    […] This post was mentioned on Twitter by Fussball-Nachrichten, Sportnewsticker. Sportnewsticker said: Wohin? (werderblog.net): 1. FC Kaiserslautern. 4x Deutscher Meister. Borussia Mönchengladbach. 5x Deutscher Meis… http://bit.ly/9ekiDf […]

  • lars sagt:

    „Munich ist überall bekannt, aber Bremen? Fussball hin, Fussball her.“

    Nur kurz hierzu: Ich bin grad bei einem weltweiten Treffen meines Arbeitgebers mit Menschen aus mehr als 20 Ländern rund um den Globus und ich würde sagen, dass um die 80% dieser Menschen von unseren kleinen feinen Verein gehört haben. Das hat mir gefallen. Noch mehr gefallen hat mir nur, dass keiner von ihnen von der letzten Pleite dieses unseres Vereins gehört haben…

  • Christian sagt:

    Den Beitrag kann ich voll und ganz unterschreiben!

  • Bernhard sagt:

    Genau dies ist das Problem. Die Hauptaussage dieses Beitrags lautet: „Bloß keine Veränderungen. Es könnte ja wehtun! Bisher war doch alles so schön kuschelig mit KATS“.

    Alles richtig, und wir haben es geliebt. Tatsache ist aber, daß taktisch und kämpferisch und inzwischen auch spielerisch dinge im Argen liegen, die, so behaupte ich, nicht alleine in der Qualität der Spieler liegen. Und dort wo es an mangelnder Qualität liegt, fehlt mir dann wenigstens der kämpferische Biß, der dieses Team, als es noch ein solches war, auszeichnete. Wo die Bayern immer großmäulig ihr „Mir san mir“-Gefühl hinausgeplärrt haben, war es bei den Werder-Spielern einfachim Blut. Keiner hat erst darüber sprechen müssen.

    Warum fehlt all dies, sporadisch seit zwei Jahren (auch schon zu Diegos Zeiten des Öfteren zu beobachten), und akut in dieser Saison, und zwar massiv!
    Ich verstehe, daß man sich als Werder-Fan (schließlich bin ich auch einer, bald im zwanzigsten Jahr) an die Kuscheligkeit gewöhnt hat, daß man stolz auf die Andersartigkeit seines Vereins ist, so wie es ein Pauli-, Freiburg-, Mainz- oder auch Union-Anhänger auf seine Art auch sein darf.

    Aber man darf sich davon nicht einlullen lassen und dieses Gefühl als das Wichtigste Kriterium für seine eigene Anhänglichkeit an einen Verein gelten lassen. Ich für meinen Teil nehme diese Seiten hin, aber ich will auch Erfolge, ich will nicht die Defensiv-lachnummer der Nation, ja Europas sein.
    Oder anders ausgedrückt: Ich liebe meine Frau wegen ihrer Art mit mir umzugehen, ihre Schönheit und ihr Reichtum sind Extras. Sollten die zwei letzteren Verschwinden, ich würde sie noch immer lieben.
    Zurück zum Fußball. Käme ein Rangnick, der mir perönlich äußerst unsympatisch ist, und würde er Werder wieder zu alter Angriffswucht in Kombination mit einer feinen Defensive verhelfen, würde er einen, sagen wir chinesischen Geldgeber mitbringen, der aus unserem geliebten und immer noch unumbenannten Weserstadion eine Tsingtau-Arena machen und dafür jedes Jahr 10 Millionen hinlegen und für andere Dinge noch mehr, mein Herz würde bei Werder bleiben, denn die meisten von uns haben den Fußball, den Rehhagel und Schaaf gebracht haben in ihr Herz geschlossen.

    Und nicht die Geschäftsstelle.

    Wenn Schaaf und Allofs eine Rückkehr einleiten können, dann umso besser. Ersteren messe ich ganz konkret an den Punkten UND dem konstanten Auftreten des Teams samt vorzunehmenden Umstellungen, Letzteren an seinen Umbauarbeiten auf dem Transfersektor im Winter.

    Wir sind dabei, die in den letzten zehn Jahren hart erarbeiteten Dinge wegzuschmeißen und unseren Platz an der Sonne zu leichtfertig gegen ein Wohlfühl-Fata Morgana einzutauschen.

    Es MUSS Veränderungen geben – im gesamten Auftreten der Profimannschaft. Dann und erst dann darf der Rest auch gerne kuschelig (die Frau schön und reich) bleiben.

  • Ulfert sagt:

    Ich bin immer wieder begeistert darüber dass sich auch andere Leute so viele Gedanken machen und dann – im Gegensatz zu mir – auch aufschreiben. Dieser Artikel ist so einer, auch wenn ich nicht in allem übereinstimme.

    Ich mag auch das Gefühl, dass der Trainer nicht entlassen wird wenns mal nicht so läuft. Daran will ich auch nicht rütteln. Allerdings kann ich Dein „wir müssen uns mal vor Augen führen wer wir sind“ nicht nachvollziehen – Um Erfolg zu haben muss man ihn wollen. Gerade der langfristige Erfolg, der ist schwer, umso mehr muss man dafür arbeiten. Daran krankt es im Moment in meinen Augen, und zwar bei sehr vielen, uA der Mannschaft. Scheinbar fangen auch einige im Umfeld bzw „Leute wie wir“ an zu zweifeln ob wir wirklich oben an die Tabellenspitze gehören.

    Ich sage: Wir sollten es versuchen! Nicht davon reden, dass ja alle anderen mehr Geld haben, sondern unsere Qualitäten umsetzen, denn die haben wir immernoch. Vielleicht gibt es auch mal Rückschläge, aber das sollte uns nicht blockieren. Im nächsten Spiel gibt es wieder 3 Punkte, und darauf kommt es an.

  • Patrick (Autor) sagt:

    @Bernhard: Natürlich liegt kämpferisch und taktisch Dinge im Argen, ABER das soll an TS liegen? DAS er Fussball besser versteht, als viele andere, liegt denke ich auf der Hand. Das er alles vermitteln kann, wohl auch.
    Aber Werder steht und fällt eben mit einigen Akteuren. Naldo, Mertesacker, Frings, Pizarro, Wiese. U.a.
    Und Bremen hat ein Problem: Die Stammformation ist so teuer, dass das nötige Kleingeld eben nicht für eine „große“ zweite Reihe reicht.
    Hier müsste eventuell ein Umdenken her, die erste Reihe entschlacken und dafür mehr Druck „von hinten“ holen. Ob das das Allheilmittel ist? Vielleicht…

    Die Frage ist, was können wir von anderen Trainern erwarten? Mehr? Vielleicht… aber wie lange? Ich habe keine Lust auf dauernde Trainerwechsel, weil es mal wieder nicht so dolle läuft.

    lg patrick

  • Betzebub sagt:

    Also zunächst mal möchte ich bezweifeln, daß man mit 2 Abstiegen und Aufstiegen Fahrstuhlmannschaft ist (FCK). Der VfB Stuttgart hatte mal eine ähnliche Phase und wäre fast aus der 2. Liga (nach dem Abstieg aus der 1.) durchgereicht wurden.

    Dann bezweifle ich heute, daß der Verkauf Kloses (weit weit unter Marktwert!!!) uns „den Arsch rettete“, wenn ich sehe wie hoch Schalke 04 oder Borussia Dortmund verschuldet sind. Bei uns gings um ein paar lächerliche Milliönchen.
    Künstlich aufgebauscht durch ein paar Selbstdarsteller im Vorstand die unbedingt ins Rampenlicht wollten. Alles zerstört in einigen wenigen Jahren, was vorher über Jahrzehnte aufgebaut wurde.

    Davon ist Werder weit entfernt. Ganz weit. Weil Präsidium und sportliche Leitung Sachverstand und Kompetenz vereinen. Eine Saison in der man mal nicht vorne mitspielt, ist kein Beinbruch. Umso schöner ist es, wenn dann wieder angegriffen wird.

    Werder kommt zurück. Und steigt nicht ab. Nicht dieses Jahr.

    PS: Lieber Werder Fan als „Depp“ (05er) :-) Warum hats Dich denn nicht zu den Teufeln gezogen?

  • Rune77 sagt:

    Die sehen nicht nur aus wie Muellmaenner, die spielen auch so!

  • Erste Hilfe sagt:

    KATS raus wird mir nicht über die Lippen gehen (auch nicht über die Tastatur).
    KATS würden sich beide das Leben leichter machen, wenn Sie öffentlich zeigen würden, dass Sie in der Lage sind, die Herausforderung zu meistern. Völlig egal, was sie ändern oder umstellen, ob Sie am Spielfeldrand mehr fluchen – wichtig ist, dass auch die Fans den Eindruck haben, dass da niemand die Probleme aussitzen will.

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