Es war eine schöne Zeit mit Ihnen, Herr Schaaf

Bernhard 8. November 2010 12 Kommentare Drucken

…aber gestern habe ich innerlich von Ihnen Abschied genommen. Ich möchte all diese mundzuckenden Wischi-Waschi-Schönfärbe-Interviews der letzten Wochen nicht mehr, ich möchte keine unverständlichen Leistungsimplosionen dieser eigentlich so hervorragenden Einzelkönner mehr, ich möchte nicht mehr leiden, wenn ich Ihrer Mannschaft zuschauen (inzwischen) muß.

Bitte hinterfragen Sie doch mal die fehlende Einstellung der Spieler, das reine Zuschauen, wenn der Gegner den Ball hat. Wenn Ihre Männer durch Betrachtung etwas lernen sollen, dann müßten die Stürmer in die Defensive und die Verteidiger in den Sturm.

Bitte hinterfragen Sie doch mal das katastrophale, ja apokalyptische Abwehrverhalten Ihres gesamten Teams. Ihr Lehrherr trug das Schlagwort von der „kontrollierten“ Offensive mit sich herum, nicht das des blinden Vorwärtsstürmens. Können Sie Hunt, Marin, Wesly usw. nicht mal klar machen, daß auf dem Weg zum Tor Spieler der anderen Mannaschft im Weg stehen, die man am besten durch schnelles und präzises Paßspiel umgeht? Warum kamen nur ab und zu von Jensen jene tödlichen Pässe in den freien Raum. Können die anderen das nicht? Dürfen die sich nur Festrennen oder aus 25 Metern schießen?

Bitte hinterfragen Sie sich, warum man sich im fremden Stadion 6mal auskontern läßt.

Bitte hinterfragen Sie sich, warum in den letzten Jahren eigentlich nur Bargfrede und Hunt es aus der zweiten Mannschaft, die immerhin (noch) in der 3.Liga spielt, in den Kreis der Stammelf geschafft hat. Liegt es an der mangelhaften Arbeit des Trainerstabs unterhalb des Profibereichs bis hinunter in die U-Krabbelgruppe oder liegt es darin, daß Sie selbst dann, wenn nur 15 Profis zur Verfügung stehen, lediglich 16 statt der möglichen 18 Spieler in den Kader berufen? Es mag ja sein, daß ein Oerhl, ein Schindler, ein Perthel, ein Diekmeier oder ein Kruse sich bisher woanders auch nicht gerade zum Nationalspieler entwickeln konnten, aber die letzten Drei zum Beispiel habe ich (praktisch) nie im Kader, geschweige denn auf dem Feld gesehen.

Das alles ist ja keine frische Entwicklung, die Symptome sind doch schon seit mehreren Jahren als schleichende Entwicklung offenbar gewesen.

Bitte hinterfragen Sie sich doch mal, warum ein Borowski oder ein Silvestre jungen potentiellen Nachfolgern Plätze wegnehmen müssen. Wenn Sie letzteren ins kalte Wasser werfen können, warum dann nicht auch mal einen aus Team Zwo? Sind Sie die Bremse oder woran liegt es?

Sie sind mir nach wie vor sympatisch, aber in der letzten Zeit häufen sich für mich die Fehler von Ihrer Seite zu sehr. Liegt es an einer eingefangenen Betriebsblindheit? Ist die Zeit für einen Trainer bei einem Verein doch nach 6, 8 oder 10 Jahren einfach vorbei? Sind die Gedanken-Gleise zu eingefahren? Die immer neu notwendigen Motivationsschübe auf Dauer zu anstrengend, um sie noch aufbringen zu können?

Ich danke Ihnen sehr für alles, was Sie für den SV Werder Bremen als Trainer gegeben haben – und das war wahnsinnig viel – aber der Verein muß sich ernsthaft für einen neuen Mann, vielleicht zum Winter, umschauen. Die Spieler, die zur Verfügung stehen, brauchen jemanden, der ihnen das Verteidigen erklärt, ihnen aufzeichnen kann, wie ihre Positionen und Laufwege in der jeweiligen Situation zu sein haben, mit ihnen Eckstöße trainiert, Freistoßvarianten einübt, den Sinn einer Flanke erläutert. All das scheinen Sie nicht mehr vermitteln zu können. Es ist schade, Sie gehen zu sehen, aber alle Probleme, die in den beiden letzten Jahren schon immer wieder durchschimmerten, sind jetzt mit Macht und geballt in den Vordergrund getreten.

Wir müssen uns davon befreien, das göttliche Duo KATS als untrennbar zu sehen, müssen uns davon befreien, das Trauma der Überangszeit zwischen Rehagel und Schaaf erneut zu erwarten. Fünf düstere Jahre werden es nicht immer sein. Haken wir dieses Jahr als Übergangssaison ab, hoffen wir auf baldiges Erreichen von 40 Punkten, und gehen wir im Sommer mit einem neuen und frischen Trainer-Team an den Start. Einem, das dann ja vielleicht schon ein halbes Jahr die Fäden in der Hand hielt.

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12 Kommentare »

  • vandango sagt:

    Meine Worte, meine Gedanken. Und leider nicht erst seit gestern (denn das wäre ja nur wieder eine dieser Kurzschlussreaktionen, -gedanken). Nein, es bahnt sich wirklich schon geraume Zeit an, ich denke da an die vorletzte Saison, die wahrlich nicht besonders gut lief (Nur der Pokal hat uns spielerisch und das Uefa-Cup-Finale finanziel gerettet). Auch die letzte Saison lief nciht 100%ig gut. Klar, 3. PLatz zum Ende hin … aber es gab ein besonders langes Tief vom 11. Spieltag an, über die Winterpause hinweg bis Werder sich spät, aber gerade noch rechtzeitig gefangen hatte.

    Es wird Zeit für einen Wechsel, es wird Zeit für was neues, es wird Zeit für einen Umbruch.
    Denn schliesslich wollen wir Sie, Herr Schaaf, in guter Erinnerung behalten.

  • Joern sagt:

    Dem kann ich absolut NICHT zustimmen!
    Gestern nach dem Spiel war doch mal absolut kein wischiwaschi-gerede, war doch Klartext!
    Selbstverständlich bin auch ich nicht mit allem einverstanden was Schaaf (und Allofs) macht/machen, aber immer diese Trainerdiskussionen regen mich auf.
    Werder ist in den letzten Jahren mit Abstand die zweitbeste Mannschaft der Liga gewesen, mehr geht einfach nicht. 1x Meister, 2x bzw. 3x Pokalsieger, aller außer Bayern träumen von seiner Bilanz ihres aktuellen Trainers.
    Letztendlich sind es die Spieler die auf dem Platz stehen und so einen Mist zusammenspielen (ja, 2 Euro ins Phrasenschwein). Hätte wenn und aber zählen nicht, dass aber gestern z.B. Frings mal einen Elfer verballert oder aber Prödl nur hin und her rutscht ist das Problem der Spieler.
    Natürlich läuft es jetzt schlecht, natürlich macht Schaaf nicht alles richtig (In Sachen „Silvestre“ z.B. bin ich überhaupt nicht einverstanden mit Schaafs Haltung und Aussagen)
    Auch die Einkäufe in waren schon mal besser Micoud, Diego – Alberto, Prödl, Silvestre…

    Trotzdem bleibe ich dabei: Schaaf UND Allofs sind die richtigen für Werder Bremen!

  • Pharmaberater sagt:

    Ganz egal ob Wischi-Waschi Gerede oder Klartext: Selbst wenn TS das Spiel richtig analysiert (was er oft macht und dazu sehr präzise ist), was folgt im nächsten Spiel daraus? Nichts, die Mannschaft zieht keine Lehren. Die Phrasen der Spieler („Wir brauchen jetzt eine Serie.“ “ Wir sind Profis, wir wissen was wir heute in Stuttgart leisten müssen.“) sind auch nicht dazu geeignet, Hoffnung zu wecken.

    Vandango hat doch Recht: die Bilanz am Saisonende kann vielleicht noch versöhnlich stimmen. Aber der Verlauf der letzten und vorletzten Saison war alles andere als souverän. 2009 hat der Pokalsieg Vieles kaschiert. Werder hatte in den letzten Monaten immer mal wieder phantastische Phasen. Aber der Schatten war dann doch irgendwie gefühlt immer sehr viel größer.

    TS erscheint mir im Ergebnis ratlos zu sein. Keine gute Voraussetzung um den Karren aus dem Dreck zu bekommen.

  • Rune77 sagt:

    Die Wut verstehe ich, die Kritik weitestgehend aus. Wobei ich mehr in Richtung verfehlte Einkaufspolitik als Trainerrauschmiss denke, wobei der Herr Schaaf hier sicherlich auch mitreden darf.

    Einzig annehmbare Spieler gestern waren tatsaechlich Jensen und Wiese. Der Rest erinnerte an die 60er in der Abstiegssaison. Mann Mann Mannn…..

    Silvestre muss man hier wohl nicht mehr erwaehnen aber den Spieler Hunt wohl schon.
    Es mag verblendet gewesen sein, ihm dien Nachfolge Oezils aufzudraengen, aber so wenig wie dieser Mensch draus macht geht mal gar nicht. Stolpert ueber den Platz wie damals Kioyo! Natuerlich haben wir momentan viele Verletzte, aber das heisst doch nicht, dass man keine Zweikaempfe mehr annehmen muss!

    Und was hat man eigentlich mit dem Problemoesi gemacht. Der ist jetzt schon so verunsichert, dass ihm die Ballannahme kaum noch gelingt, geschweigen denn ein Tor! Alles in allem, Fussball zum abgewoehnen mit sich verschlimmernder Tendenz. Mal schauen ob wir mal wieder nen Abstiegskampp erleben duerfen. Bei der Mannschaft saehe ich da schwarz!!!

  • Bernhard (Autor) sagt:

    Vielleicht ist durchgedrungen, daß ich Schaaf sehr dankbar bin für alles Bisherige und daß ich ihn durchaus vermissen werde. Er ISt einfach Werder, wie Wenige sonst. Und ich verlange auch keinen Rausschmiß, sondern eine sauberes, möglichst einvernehmliches, einsichtiges Ende mit einem Wechsel zu einem wohlüberlegten Nicht-Schnellschuß zum Winter oder spätestens nächsten Sommer. Und es wird sein, als ob man seine Frau verliert. Natürlich hat Werder dann wieder eine Schlußserie hingelegt bis auf Platz 5 oder so.

    Aber manchmal scheint einfach nichts mehr zu gehen in einer Beziehung. Denn mit dem Kader IST leistungsmäßig in der Tat VIEL MEHR drin.

    Das sollte in etwa die Richtung sein, in der ich den Artikel verstanden haben wollte. Und ich denke, es wird in diese Richtung laufen. Ruhig, korrekt, aber entschieden.

    Zum Spiel selber, da waren zwei Elfer möglich, bevor wir den geschenkten bekamen (sah eher wie ein Stürmer-Foul aus…), das 4:0 war Abseits und Arnautovics erster, sehr guter Antritt war nicht abseits, aber trotzdem war „dank“ des Defensivverhaltens nichts anderes als ein „wenig : 6 bis 10“ korrekt.

  • Conti sagt:

    Johan fasst die Lage eigentlich auch recht ansehnlich zusammen.
    Es gibt schon einige Argumente dafür, dass TS das Team nicht mehr weiterentwickelt
    Leider.

    http://werder-fussball-blog.net/2010/11/abschied-von-thomas-schaaf/comment-page-1/

  • Fabian sagt:

    Ich würde die aktuelle Situation auch nicht unbedingt allein dem Trainer anlasten. Da sind im letzten Jahr auch Fehler von KA gemacht worden. Rune77 hat die Einkaufspolitik kritisiert – dem schließe ich mich an!

  • Medien-Sport-Politik » Blog Archiv » Was Werder jetzt braucht – und nicht braucht sagt:

    […] von Thomas Schaaf Johan/Werder-Fußball-Blog: Abschied von Thomas Schaaf Werder-Exil: Es fehlt Werderblog: Es war eine schöne Zeit mit Ihnen, Herr Schaaf Worum-Blog: Schneid abgekauft – was nun? Tags » Bundesliga 2010/2011, Werder Bremen […]

  • Dashboard sagt:

    Soso,

    und wie soll dieses „neue, frische Trainerteam“ aussehen? Mir fallen lediglich zwei Namen ein, die die junge Attraktivität des Vereines SV Werder stemmen könnten – beide stehen in der Bundesliga unter Vertrag, einer von beiden ist noch zu unerfahren.

    Ansonsten rührt man nur in einem Topf voll alter, verranzter Namen wie Augenthaler, Funkel, Meyer. Oder grauen Mäusen wie Dutt oder Gerets.

    Doll oder Daum, mal ehrlich, möchte das hier einer sehen?

    Das größte Problem sehe ich in der Mannschaft. Frings hat es vom Kopf her scheinbar kapiert, kann es aber nicht mehr so umsetzen, wie er (vielleicht) gerne möchte. Jungen Spielern wird soviel Zucker in den Hintern geblasen, dass sie gar nicht müssen UND nicht wollen. Da kommt da ein Arnautovic her, setzt seine Unterschrift unter einen Vertrag und bekommt im Anschluss den Sonderausstattungskatalog für seinen neuen Dienst-VW in die Hand gedrückt. „Kreuz an, was du willst..“. Zudem diese Mitläufer, deren Zeit vorbei ist. Es fehlt an der nötigen Kraft, für einen anspruchsvollen Verein zu spielen, an der Einstellung – oder im schlimmsten Fall an beidem. Mit so einem „Team“ kann ein Trainer nicht gut arbeiten. Und dann stehst du blöd da.

    Ich sehe aber eben auch keinen Trainer derzeit, der das Zeug hat, diese Mannschaft zu wuppen. Und sollte es soweit kommen, habe ich arge Zweifel, dass neue Verantwortliche diesen Verein ruinieren. Vor allem wirtschaftlich.

    Nun, letztenendes wird man sich nun einfach nur zurücklehnen müssen. Ich jedenfalls bin, trotz allem, immer noch pro Schaaf.

    Gehabt euch wohl.

  • Meine Saison mit dem SVW | Tage voller Frust sagt:

    […] letzten Tagen gab es eine ganze Reihe an Blogeinträgen (neben den bereits erwähnten z.B. hier, hier und hier), die auf unterschiedliche Weise die Probleme bei Werder analysieren und dabei auch zu […]

  • Tacheles III | Werderblog.net sagt:

    […] es ein bis vier Ursachen. Die erste ist der Trainer samt seinem Stab. Darüber habe ich bereits vor zwei Wochen geschrieben. Nummer zwei ist die Mannschaft, Nummer drei der Vorstand samt Einkaufspolitik, Nummer […]

  • Ed Gein sagt:

    Ihr seid ja alle des Wahnsinns!

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