Die neue Bremer Konstanz…

Bernhard 30. Oktober 2010 7 Kommentare Drucken

…gefällt mir nicht. Sie ist die fleischgewordene Unberechenbarkeit.

Die Vergangenheit: Werder beginnt mit unglaublichem Willen. Jeder Aktion ist anzumerken, daß Werder gewinnen will, daß Werder gewinnen wird! Auch der Gegner spürt dies sofort; wagt es nicht, die eigene Hälfte zu verlassen; gibt sich der Bremer Kampfeslust geschlagen und schenkt den Ball gerne her, bersonders den sogenannten „zweiten“. So lief es in der Meistersaison, oft (geschätzte siebenmal) führte Werder zur Pause mit 3:0, und die zweite HZ war zum Luftholen und Auslaufen geeignet. Auf ein Gegentor reagierte das Team mit einem oder zwei weiteren, schnell nachgelegten Toren. Am Ende stand die Meisterschaft, und sie war sowas von verdient.
So lief es auch heute, die ersten zwanzig Minuten waren zum Schwelgen. Einsatz, Wille, Balleroberung, Nürnbergs Hintermannschaft stand nur herum, wußte nicht, wie ihr geschah. Die Truppe war taktisch und einsatzfreudig perfekt eingestellt, und erarbeitete sich reichlich Chancen. Alles wie in alten Zeiten.
Und nicht lange nach der 20. Minute sangen die Fans, daß nur Werder Deutscher Meister werden könne.

Die Gegenwart: Nach etwa 25 Minuten stellte Werder alles ein, was zuvor für Begeisterung gesorgt hatte. Keine weiteren Treffer, die dem Gegner seine Aktivitäten als sinnlos verdeutlichen würden. Werder setzte bei Ballverlust, den es auch vorher gegeben hatte, nicht mehr nach, die Spieler liefen nicht mehr in die immer noch vorhandenen freien Räume, sondern boten diese ihrerseits dem Gast freundlich an. Chance um Chance wurden die Nürnberger gefährlicher, der Ausgleich vor der Pause eine logische und nicht unverdiente Konsequenz. Trotz des deutlichen Chancenplus seitens Werder.
Mit Wille kamen sie aus der Kabine, hatten gleich einen gefährlichen Schuß zu bieten, den Schäfer nur mit Mühe zur Ecke lenken konnte. Dann ein Konter, das 1:2. Der Wille erlahmte, Werder wirke in der Tat wie gelähmt. Laufduelle wurden verloren, statt dem sonst so unberechenbaren schnellen Kurzpaßspiel setzte es Flanken von beiden Seiten, die lediglich die Eckfahne in Gefahr brachten.
Das muß mal geübt werden, wenn man mich fragt…
Schaafs Versuch der totalen Offensive war angesichts der nach dem 1:2 gezeigten Leistungen und der Endphase der ersten HZ verständlich. Zu gedrosselt, zu drucklos werkelte das Personal herum. Natürlich kalkulierte er Konter mit ein. Die die Nürnberger solange brav in den Sand setzten, bis Werder beinahe (durch einen nicht gegebenen Elfer wurde ihnen diese Chance versagt) doch den Ausgleich erzielt hätte. Dann setzte es den Todesstoß, denn nach diesem dritten Treffer, der an Kuriosität und an Möglichkeiten, den Ball zu klären kaum zu übertreffen sein sollte, war Werder nur noch ein Torso. Einzelleistungen, wobei das Wort „Leistung“ nicht paßt, bestimmten nun das Spiel.
Werders 2:3 war nur noch für ein möglicherweise entscheidendes Torekonto gut.
Gratulation an den Club, der Werders mangelnde Coolness vor dem Tor (Wesley in die Wolken), Schußkraft (Marins Kullerball) und andere versiebte Chancen nutzen konnte, und am Ende als verdienter Sieger nach Hause fahren durfte.

Die Zukunft: Beginnt schon am Dienstag, wenn nur ein Sieg (wie schon in den beiden letzten Spielen…) für eine gute Ausgangssituation sorgen kann. Pokal-Aus, Platz 11 in der Liga UND ein Ausscheiden aus dem Europapokal insgesamt, so sollte der Oktober nicht ausklingen/der November beginnen.
Wenn die Mannschaft Schaafs Vorgaben mal 90 statt 20 Minuten nutzt, liegt ihr alles zu Füßen: Fans, Gegner und Journalisten.
Das hatten wir schon mal.
Wir warten auf eine Wiederkehr dieser Zeit.

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7 Kommentare »

  • lars sagt:

    Ich bin sprachlos. Hab mir eben auf werder.tv die erste Halbzeit angeguckt bis zur 40. Minute, ohne den Endstand zu kennen, dann hab ich mich verklickt und plötzlich erschien der Satz „Werder hat sich wieder mal selbst geschlagen“. Den Rest des Spiels hab ich mir dann geschenkt.

    Wie kann man bitte ein solches Spiel verlieren, nachdem man die ersten 30 Minuten so dominierte und Nürnberg so gut wie nichts auf die Reihe brachte…?

    Unglaublich.

  • Tweets that mention Die neue Bremer Konstanz… | Werderblog.net -- Topsy.com sagt:

    […] This post was mentioned on Twitter by clubfans-united.de, Fussball-Nachrichten. Fussball-Nachrichten said: Die neue Bremer Konstanz… (werderblog.net): …gefällt mir nicht. Sie ist die fleischgewordene Unberechenba… http://bit.ly/dcB01f #Fußball […]

  • Ulfert sagt:

    Ich zieh meine Unterstützung für Silvestre zurück. Normalerweise ist das Bremer Publikum ja doch recht geduldig. Bei Abdennour zuletzt ging es schnell, mir zu schnell. Bei Silvestre jetzt hat es lange gedauert, aber jeder einzelne Pfiff zu seiner Auswechslung gestern war berechtigt.

    Allerdings ist er imho auch nur das schwächste Glied in einer sehr schwachen Kette gewesen. Man man man, ich komm aus dem Kopfschütteln auch nicht raus.

  • sprentz sagt:

    seit jahren versagen bei werder die linksverteidiger. Wir hacken dann immer auf dem armen kerl rum. liegt es aber wirklich an ihm, oder liegt es daran, dass vor ihm keiner was abräumt? Vor MS spielt Marin, der kaum/keine Defensivarbeit verrichtet. Bei Werder bekommt der Gegner erst Druck, wenn er auf unsere Verteidigung stösst (bzw Frings/Bargfrede davor). Dadurch haben wir auch kaum Ballgewinne im Mittelfeld, die ja als gefährlich gelten bzw sind – das müssen wir ja immer selber erfahren mit Werder.
    Interessant hierzu ist auch der Verweis auf die Meisterschaftssaison von Bernhard. Die 4 im Mittelfeld 2003/2004 waren: Baumann, Ernst, Lizstes, Micoud. Nun vergleichen wir mal die Defensivqualität dieses Quartetts mit dem am Samstag: Bargfrede, Frings, Marin, Arnautovic. Das ist schon ein Unterschied!
    Schaaf stellt andauernd 2 Stürmer im Mittelfeld auf und wundert sich, dass es hinten klingelt. Ab der 60 Minute spielten wir dann mit Hunt, Arnautovic, Marin, Frings, Jensen + 3 Verteidiger.(mit Pizarro und Almeyda vorne, die ja bei Rückstand auch dort bleiben sollen, waren 5 Stürmer auf dem Feld). Also verteidigte vor der 3er-Abwehr nur Frings und evtl Jensen. Eine Einladung für weitere Tore!

    Das Mittelfeld sah im Auswärstspiel in Enschede schon eher wie im Meisterjahr aus: Wesley, Bargfrede, Frings, Marin. Da ging nach vorne auch nicht viel; es war aber eines der wenigen Spiele, in denen wir defensiv gut standen und wirklich sehr wenig zugelassen haben, bis auf das Abseitstor.

    Das Defensivproblem bei werder ist meiner Meinung kein Problem der Verteidiger, sondern der Defensivschwäche im Mittelfeld. Sobald der gegnerisce Aussenverteidiger mit angreift, hat der Gegner häufig im Ballbesitz in unserer Hälfte Überzahl. Da sind die Verteidiger die ärmsten Säue. Mit so einem „Mittelfeld“ wie Samstag werden wir immer selber 4 Tore schiessen müssen, um das Spiel auch zu gewinnen.

  • Bernhard (Autor) sagt:

    @ sprentz: Fein beobachtet!
    Obwohl es den LV wirklich an Qualität fehlte, man vergleiche sie ruhig mit Fritz oder Davala, die immerhin in ihren besten Zeiten zum jeweiligen Nationalspieler in einer starken Nationalmannschaft wurden, und zwar zu Recht! Und Marin definitiv mehr Defensivarbeit verrichtet, als ein Ribery es jemals tun wird, und Marin zuletzt auch oft über Rechts gespielt hat.

    Zum Mittelfeld werde ich in der nächsten Länderspielpause mal ein wenig mehr schreiben, sowohl defensiv als auch offensiv. Falls mir nicht Lars, Patrick oder Stephen (wo steckt der eigentlich?) oder unser großer Boss, der Karsten, oder jemand Neues mit einem Artikel zuvorkommen.
    Wehe :)

  • Leuchtturm sagt:

    Respekt Sprentz – gute Analyse !

    Ich habe auch nicht verstanden, wieso Silvestre an dem 2:1 schuldig sein soll. Er ist, so wie man heutzutage spielt seinem Gegner ins Mittelfeld gefolg und ein Anderer ist dann auf der Seite nach vorne gestoßen. Das ist aber dann nicht Silvestres Mann, sondern entweder Prödls oder Frings – die haben gepennt – aber es ist leider so einfach – dem Silvestre immer die Schuld zu geben.
    Natürlich war er dann verunsichert.

    Die Verletzten Situation bei Werder in der Defensive ist schon krass. Heute fallen neben Naldo und Bönisch auch noch Fritz und Pasanen aus.
    Da stellt sich die Defensive von selbst auf – Ich finde es gut, dass Silvestre nun nicht auf die Bank muss.

    Heute einen Dreier – Biiiiiete !

  • Conti sagt:

    Johan eigentlich ganz aufschlussreich zu Sylvestre..

    http://werder-fussball-blog.net/2010/11/werder-vs-nurnberg-wie-kettet-man-einen-lutscher-an-das-12/

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