Gefährliche Tendenz

Bernhard 20. September 2010 3 Kommentare Drucken

Schon oft wollte ich einen Saisoneinstiegstext verfassen, verwerfen mußte ich ihn jedesmal wieder, so unterschiedlich, so schwankend die Darbietungen. Immer zwang ich mich, noch ein Spiel abzuwarten und noch eins. Nun schält sich langsam ein Bild heraus.

Einem soliden 4:0 im Pokal folgte ein herausragendes Frühwerk gegen Sampdoria (immerhin Italiens viertbestes Team und auch diese Saison wieder gut mit dabei). Ein auf den ersten Blick unerwartetes 1:4 in Sinsheim, das sich mit der Entkräftung und einem Kopf voll des Rückspiels noch halbwegs erklären ließe, folgte. Ein Spiel, das mir ob der Arbeitsverweigerung die Zornesröte nicht nur in den Kopf trieb. Werder hat sich in den letzten Jahren leider nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es galt, in einem gerade mal nicht so wichtigen Spiel trotzdem alles zu geben (1:5 in Wolfsburg, 2:6 gegen Leverkusen seien mal stellvertretend erwähnt). Ich schob es trotzdem auf den frühen Zeitpunkt in der Saison.

In Genua dann die natürliche Fortsetzung des Samstags, man war halt das Vom-Gegner-Fernbleiben noch gewöhnt, und erst gegen Ende die notwendige (und typisch-fantastische, den Mund wäßrig machende) Werder-Energieleistung, die zu einem gefühlten Sieg, d.h. dem Weiterkommen mitten in die Championsleague hinein führte. Danach ein ordentliches Spiel gegen Köln, die zwei Gegentore stören mich nämlich überhaupt nicht, solange wir immer in Führung liegen.

Länderspielpause. Mordversuch an Mertesacker. Keine Innenverteidigung. 0:0 – es läuft, die Mannschaft ist gut, der Kader noch besser, die Aussichten für die Saison glänzend.

Championsleague, Traumgegner (für mich allesamt Wunschgegner, keine Griechen oder Zyprioten, endlich mal ein wirklich englisches Team, Italiener liegen uns schon lange, und Twente, na das sollte doch gehen. Arnautovic schießt seine beiden Ex-Verein in Grund und Boden und so).

Ernüchterung.

Werder zum dritten Mal ohne Mumm, ohne Willen, ohne Männer. Die vergleichsweise alten Herren Naldo, Merte und Pizarro sind halt die fehlenden Lenker und Antreiber, wenn es mal nicht so will, Unterstützer für Frings und Wiese. Der Rest ist zu maulfaul. Und ein Marin alleine kann nicht elf Gegner umdribbeln. Eine neue Aufholjagd führt schließlich doch noch zu einem akzeptablen Ergebnis, aber nicht zu mehr. Wie weit könnten wir die Nase vorne haben!

Samstag, die Mannschaft hat, ja was, welchen Gegner, welches Spiel eigentlich, im Kopf. Es fehlen die Peitschen, man begibt sich auf Schalke-Niveau, ohne vom Ruhrpott-Derby des nächsten Tages zu wissen. Es war eine peinliche Vorstellung, und obwohl ich meinem Vorblogger bezüglich Borowski voll und ganz zustimme, geändert hätten ein Bargfrede oder ein Wesely statt seiner nix. Nicht am Samstag jedenfalls.

Was soll ich also schreiben, wenn die Tendenz zu einer haltlosen, mummlosen Kindergartentruppe geht.

Soll ich erneut noch ein Spiel abwarten, erneut hoffen auf ein Werderspiel, wie wir es eigentlich erwarten von der ersten Minute an? Soll ich mir vor jedem Werderspiel erstmal anschauen, gegen wen sie das nächste oder gar das übernächste Mal antreten? Soll ich erst abwägen, ob dem Team das aktuell anstehende Spiel wichtig ist oder nicht?

Die Frage, die sicherlich TS momentan weniger schlafen läßt als sonst, ist doch die, warum fällt eine Mannschaft, die an einem Tag jeden Gegner der Welt, JEDEN, an die Wand spielen kann, eine halbe Woche später in ein Loch fällt, das sie selbst noch gegen Jahn Delmenhorst VI verlieren läßt. Oder so.

Hoffen wir also in Hannover mal wieder auf das bessere Gesicht, es kann ja nicht sein, das Werder auf einmal konstant spielt. Konstant schlecht.

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3 Kommentare »

  • logeins sagt:

    wahre worte. wahre worte.

  • lars sagt:

    „Immer zwang ich mich, noch ein Spiel abzuwarten und noch eins.“

    Dieses Gefühl bestimmt mein Fan-Sein, seit ich denken kann. So ist Werder, so bin ich.

    :-)

  • Bernhard (Autor) sagt:

    @lars Aber es gab auch konstant hervorragende Phasen, nicht nur 2003/4. Und die müssen mit diesem Kader doch irgendwie möglich sein. Oder es fehlt halt wirklich an ein paar verbalen Antriebern mehr auf dem Platz.

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