Es läuft

Karsten 1. Mai 2010 17 Kommentare Drucken

Im Gegensatz zum Ende der Hinrunde dreht Werder zum Saisonende noch einmal richtig auf – nicht unbedingt spielerisch, aber dafür umso erfolgreicher. 2 zu 0 auf Schalke, die damit (wieder einmal) ihre Titelträume an den Nagel hängen können. Gleichzeitig lassen sämtliche Konkurrenten um den begehrten 3. Tabellenplatz Punkte liegen, so dass am kommenden Samstag gegen den HSV das Endspiel steigt. Ein Unentschieden würde genügen, um das unausgesprochene Saisonziel einzutüten.

Alle sprechen vom Taktikfuchs Magath, doch heute hat ihm sein Gegenüber ordentlich die Leviten gelesen. Entgegen aller Vorahnungen brachte er eine defensive Mannschaft auf den Platz. Dafür mussten Marin und Hunt, der aber auch angeschlagen war, passen. Im linken Mittelfeld sollte Borowski für zusätzliche Stabilität sorgen. Werder wollte das Spiel ruhig aufbauen und kein großes Risiko eingehen, in einen Schalker Konter zu geraten.

Hinterher hat Schaaf Recht behalten. Ich muss allerdings zugeben, dass ich ihn – insbesondere in der ersten Halbzeit – dafür gehasst habe. Borowski spielte gewohnt pomadig und war nahezu an allen gefährlichen Aktionen der Schalker beteiligt. Zunächst forkte er uninspiriert in des Gegners Beine und verschaffte diesen damit unnötige Standardsituationen. Und als er erkannte, dass sein Verhalten eher kontraproduktiv war, ließ er es bleiben und bildete dafür nur noch Geleitschutz. Zum Glück hatte die Bremer Viererkette und insbesondere der auf links spielende Pasanen einen guten Tag und konnte die Fehler ausbügeln. Dazu hatte man großes Glück, als Kuranyi an der Latte scheiterte. Die vermeintliche Elfmetersituation von Mertesacker gegen Höwedes würde ich – auch nach mehrmaliger Ansicht der Wiederholung – ähnlich wie der Schiri einschätzen. Sicherlich greift Merte zum Arm des Gegners, von einem zwingenden Elfmeter – wie ihn Sportskamerad Reif forderte – kann aber aus meiner Sicht keine Rede sein.

Wo wir gerade bei sind. Sicher wurde es Özil bei seinem Tor von der Schalker Defensive zu leicht gemacht. Nichtsdestotrotz war die Aktion überragend gemacht. Wenn ein Robben ein solches Tor erzielt, wäre ihm wohl die Brille aus dem Gesicht gefallen und er hätte irgendetwas von Weltklasse gefaselt. So sagte er nur unterkühlt: Özil macht das Tor, obwohl er bisher nicht seine beste Leistung gezeigt hat. Natürlich hatte Mesut heute nicht viele Akzente, was aber insbesondere der taktischen Einstellung der Mannschaft geschuldet war. Unterm Strich macht er aber ein Tor und legt das zweite vor. So etwas nennt man dann wohl Matchwinner. Die restlichen 89 Minuten sind dann doch wohl völlig unerheblich. Naja, aber die Reif’sche Antipatie gegenüber Werder wird sich wohl in diesem Leben nicht mehr legen. Bremen wird in seinen Augen wohl ewig ein Provinzverein bleiben, den es im Vergleich zu Mannschaften wie Bayern oder eben auch Schalke (die seinen Kommentatoren mit Sicherheit auch das pompösere Begleitprogramm bieten) nur müde zu belächeln gilt.

Doch was kümmert mich eigentlich Reif? Werder ist wieder dick im Geschäft! Nächsten Samstag zeigen wir dem HSV auch in dieser Saison, wer die wahre Nummer 1 im Norden ist. Der Fußballgott ist eben doch ein Bremer.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 7, Durchschnitt: 4,86 von 5)
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17 Kommentare »

  • TheBigEasy sagt:

    Noch einmal ganz offiziell an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür, dass ihr heute auf Schalke drei Punkte eingefahren und uns damit vorzeitig die Meisterschaft beschert habt.

    Weiterhin viel Erfolg bei der Jagd auf Platz 3! Mein Saisonfazit zu Werder folgt dann am Muttertag.

  • Matzekausw sagt:

    „Borowski spielte gewohnt pomadig und war nahezu an allen gefährlichen Aktionen der Schalker beteiligt“

    Besser kann man es nicht ausdrücken! Trotzdem muss man zu Borowskis Ehrenrettung sagen, dass er sich in der zweiten Halbzeit – wie die gesamte Manschaft – deutlich gesteigert.

    Ich war über die Aufstellung heute allerdings aber auch sehr überrascht. Marin raus, Boro rein? Naja, der Erfolg hat Schaaf eindeutig Recht gegeben. Nächste Woche gegen die H-Burg sollte Magic Marin allerdings wieder reinrotieren. Das wird wieder ne ganz heiße Kiste…

  • Johan Petersen sagt:

    Reif hatte Recht.

    Und dieses langweilige Borowski-Bashing. Er war heute einer der Garanten für den Sieg, und hat überhaupt in dieser Saison immer seine Aufgaben auf dem Platz erfüllt.

  • vonboedefeld sagt:

    jungens: ein absolut ehrlich gemeintes DANKE von einem norddeutschen bayern-fan!
    drück euch gegen den hiv die daumen, damit in der nächsten champions-league saison noch ein „ernstzunehmender“ dt. teilnehmer am start ist ;)

  • Ulfert sagt:

    „nicht unbedingt spielerisch“ – das war heute eine der taktisch besten Saisonleistungen, endlich mal ein Sieg gegen einen der oben Stehenden, und das zu Null – und hier wird über des „spielerische“ gemeckert. Unglaublich! Wenns 2:4 ausgegangen wär mit schön vielen Toren würde TS wieder zur Taktikschulung geschickt. Könnse sich mal entscheiden?

    Ich habe heute nur sehr selten das Gefühl gehabt es könnte etwas anbrennen, am ehesten gegen Ende der ersten Halbzeit. Merte hat aber sensationell gespielt, bis auf die Elfer-Szene: Klarer Elfmeter für Schalke. Merte zieht am Gegner, stellt sich ihm in den Weg, dreht sich rein und fällt dann auf ihn. Den Ball hat er nicht berührt – wenn das kein Elfer war gibts keine!

    Borowski fand ich heute auch gut. Er spielte wieder mal nah an der Grenze zur Karte, aber machte einige wichtige Tacklings/Fouls. Natürlich sieht es nicht dynamisch aus wenn er läuft, und ein riesen Fan von ihm bin ich auch nicht weil er manchmal wirkt als hätte er keinen Bock, aber ähnlich zu Mertesacker hat er halt staksige Beine und er erfüllt seine Aufgabe im defensiven Bereich recht gut. Im Notfall wird er halt runtergenommen, unersetzbar ist er nicht. Wenn er sich mit dieser Rolle anfreundet kann er für Werder in genau solchen Spielen wie heute (eher defensiv, kampfbetont) sehr wichtig sein.

    Ich hab Reif heute nicht gehört, sondern Liga total geguckt. Der Kommentator hat erst Schalke gefeiert weil sie Meister werden können, und später dann Schalke gefeiert für die tolle Saison – kaum Worte über Werder. Kann uns nur recht sein.

    Szenenapplaus bekam Merte von mir übrigens als er nach dem Lattentreffer in aller Ruhe das Bein gehoben und den Ball durchgelassen hat – ein klassischer Merte. Unaufgeregt, mit Übersicht, vorrausschauend. Guter Mann!

  • Tweets that mention Neuer Blogpost - Es läuft: -- Topsy.com sagt:

    […] This post was mentioned on Twitter by werderblog. werderblog said: Neuer Blogpost – Es läuft: http://www.werderblog.net/2010/05/01/es-lauft/ […]

  • Johan Petersen sagt:

    @Ulfert: Genau. Auf Schalke war Borowski dabei, in Dortmund nicht. Die Ergebnisse sind bekannt.

  • Karsten sagt:

    @ Johan Petersen: Dass Boro gestern „einer der Garanten für den Sieg“ war, ist jawohl nicht dein Ernst? Wenn du meine Beiträge regelmäßig verfolgen würdest, wüsstest du, dass ich kein Trittbrettfahrer bin, der auf allgemeine Bashing-Züge aufspringt. Boros Aufgabe war es gestern, Pasanen auf der linken Seite zu unterstützen und Zweikämpfe anzunehmen und zu gewinnen. Erst gewann er keine Zweikämpfe, dann nahm er sie nicht einmal mehr an. Im Vergleich zu Marin – auch das habe ich im Artikel beschrieben – war er natürlich die bessere Wahl für die taktische Grundausrichtung. Garanten für den Sieg waren aber aus defensiver Sicht die Herren Frings und vor allem Bargfrede. Insbesondere am zweitgenannten Spieler konnte man ablesen, wie aktiv und präsent ein Mittelfeldspieler sein kann. An dessen Leistung hätte sich Boro mal eine Scheibe abschneiden können. Mich ärgert es übrigens deshalb, weil ich weiß, dass er es besser kann. Seine gesamte Körperhaltung zeigt, dass er es aber nicht einmal versucht. Ich gebe allerdings zu, dass er sich in der zweiten Halbzeit gesteigert hat.

    @ Ulfert: Hast du den Beitrag überhaupt gelesen? Ich schreibe doch ganz klar: „Alle sprechen vom Taktikfuchs Magath, doch heute hat ihm sein Gegenüber Thomas Schaaf ordentlich die Leviten gelesen.“. Wenn das kein Lob für den Trainer ist, was dann sonst??!

  • Johan Petersen sagt:

    Danke, Karsten, im Kommentar kommt es noch besser raus. Zu behaupten, dass Borowski in diesem saison-entscheidenden Spiel nicht wollte, und dafür — was sonst — seine Körperhaltung zu zitieren: das ist für mich das Borowski-Bashing, das man immer auf der Tribüne hört, egal was auf dem Platz passiert.

    Das Spiel entschied sich in den zehn Minuten nach der Pause, und in dieser Phase hatte Borowski defensiv wie offensiv mehr starke Szenen als alle anderen Bremer.

    Vor der Kuranyi-Chance war es Frings, und nicht Borowski, der die Flanke nicht verhindert hat. Gestern waren alle gut (außer der Schiri).

  • Ulfert sagt:

    Ja Karsten, das ist ein Lob für die taktische Leistung. Gleichzeitig kritisierst du aber die spielerische, und genau an der Stelle geht es nicht zusammen. Spielt werder defensiv orientiert, fehlt dir das spielerische- spielt werder offensiv mit seinen Künstlern, fehlt dir das taktische. In meinen Augen unverständlich – warum kann es nicht einfach ein gutes Spiel gewesen sein ohne Einschränkung? Muss immer etwas schlecht sein? Gehört zu einer guten taktischen Leistung nicht auch das spielerische? und andersrum?

  • Tobias (MeineSaison) sagt:

    @Karsten: Mit deinem Beitrag stimme ich zum großen Teil überein. Ich finde aber auch, dass du Borowski zu negativ bewertest. Seine Aufgabe bestand ja in erster Linie darin, die Räume auf der linken Seite zuzustellen und das hat er sehr gut gemacht. Zweikampfstärker sind Frings und Bargfrede sicherlich, aber Borowski hat gestern intelligent gespielt, man könnte auch sagen routiniert. Schalke hat mit Rafinha und Farfan nach den Bayern die zweitstärkste rechte Seite der Liga und da war Boros Rolle und wie er sie ausgeführt hat schon sehr wichtig.

    @Johan: Das Beispiel Dortmund hinkt aber ein bisschen, bzw. ist sehr selektiv. Gegen Dortmund fehlte auch Frings und daran hatte Werder glaub ich mehr zu knabbern. Dafür war Borowski z.B. gegen die Bayern dabei und spielte unterirdisch. Von der Tendenz gebe ich dir aber recht, Borowski wird in Bremen schon lange nicht mehr objektiv beurteilt. Was nun nicht heißt, dass ich seine Leistungen immer besonders gut finde.

  • Stephen sagt:

    Wie geil, am Ende einer regelrechten Achterbahnsaison können wir uns noch aus eigener Kraft in die CL-Quali hieven. Krass, daran hätte ich vor ein paar Wochen nicht mal mehr dran denken wollen. So, jetzt noch am nächsten Samstag gegen den HSV gewinnen und dann sind wir einen großen Schritt weiter.

    Ach ja, das Aufregen über Kommentatoren ist echt müßig. Was will man da erwarten? Reif zehrt noch von seinen guten Leistungen aus den 90ern und die meisten anderen sind auch keinen Deut besser. Viel schlimmer fand ich das anschließende Sky90, wo sich dann „Experten“ 2,5 Stunden in billigen Floskeln ergehen und einem das dann als Analyse verkauft wird. Aber egal. Soll die Freude heute nicht trüben. :)

  • Tobias (MeineSaison) sagt:

    @Stephen: Über Sky90 hab ich mich vor zwei Wochen schon genug aufgeregt, da hab ich es mir gestern gar nicht mehr angetan. Zum Glück.

  • Stephen sagt:

    @Tobias: Also, ganz habe ich das auch nicht durchgehalten. Aber die ganze Sendung ist eine einzige Farce. Wer alleine schon Beckenbauer einlädt und dann glaubt, dass er mehr als nur Floskeln raushaut, dem ist ja eigentlich nicht mehr zu helfen. Aber jetzt habe ich auch die Sendung mal gesehen und weiß Bescheid. :)

  • Delo sagt:

    Marcel Reif sah aus wie ein Literaturkritiker: Marcel Reif-Ranicki.

  • vicco47 sagt:

    Oder immer der Rubenbauer und seine geliebten Bayern ;-)
    Wie dem auch sei.Eine Wahnsinnsaison geht zuende.Am Samstag noch der kroehnende Abschluss und als Bonus das Pokalfinale.
    Obwohl kein Europacup Finale ist doch alles viel besser gelaufen als letzte Saison.Ach ja,glueckwuensche an die Bayern zur 22.Meisterschaft.

  • Ulfert sagt:

    Wo bleiben die Artikel zu diesem seltsamen Spiel? Möchte doch mein Triumpfgeheul loswerden :D

    nächste Saison wird stimmungsmäßig sehr traurig glaube ich, am Samstag hat man bereits gemerkt dass ohne Dach die Ostkurve nicht zu hören ist. Dazu sitzen die gegnerischen Fans genau unterm Dach (warum auch immer die im Oberrang sitzen?). Alles in allem führt das nicht zu überschwappender Euphorie bei mir. Ein Lichtblick war der Werder-Teil der Westkurve, die zwischendurch auch richtig was gemacht haben :)

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