Von Pizarro, gelben Karten, Marin und Özil

Lars 14. März 2010 9 Kommentare Drucken

Als Pizarro sich das eine Mal in diesem Spiel daran erinnerte, dass er ein Stürmer ist, fiel das 1:0 und das Spiel war gewonnen. Vorher bestand seine Rolle in einer Art Mischung aus Mertesacker, Frings, Özil und Marin. Er köpfte die Bälle aus dem gegnerischen Strafraum, grätschte im defensiven Mittelfeld die Bälle weg, versuchte den tödlichen Pass in die Spitze und dribbelte sich auf den Außenpositionen fest. Nur Stürmer war er bis zur 83. Minute nicht. Und so war der Vorteil von zwei echten Stürmern, die auch in diesem Blog immer wieder mal zurecht gefordert werden, hinfällig.

Bis auf den wie ein Wahnsinniger laufenden Pizarro war es ansonsten dann auch ein recht langweiliges und uninspiriertes Spiel. Werder spielte so, wie es sich für eine Manschaft gehörte, die nach einem sehr anstrengenden Europapokalspiel gegen ein normalerweise recht spielstarke Mannschaft antreten musste. Und Hoffenheim spielte so, wie es sich für eine Mannschaft gehörte, die seit langer Zeit nicht mehr gewonnen und darüber hinaus viele Verletzte zu beklagen hat. Werder war zunächst auf eine sichere Abwehr und Ballbesitz bedacht. Hoffenheim stand hinten drin und wartete auf Konter. Das ging eigentlich bis zur 60. Minute so, wodurch sich der Ball dann auch hauptsächlich im Mittelfeld aufhielt. Es gab auf beiden Seiten nur ein paar Chancen, den Bremern fehlte es an Özil und Marin und damit am kreativen Spiel nach vorne, die Hoffenheimer waren nach vorne erstaunlich schwach. Dazu kam, dass beide Mannschaften auffallend körperlos spielten; die eine gelbe Karte im gesamten Spiel spricht da Bände.

Ab der 60. Minute wurde es dann interessanter: Marin wurde eingewechselt, die Bremer bauten ab, spielten viele Fehlpässe nach vorne und die Hoffenheimer kamen dadurch (nicht etwa durch eigene Stärke) zu mehr Freiheiten und Chancen. Unsere durchgehend gut stehende Abwehr mit einem aufmerksamen Wiese machten die wenigen guten Aktionen der Hoffenheimer allerdings größenteils zunichte. Irgendwie hatte ich nie richtig Angst vor einem Gegentor und hoffte die ganze Zeit auf einen Treffer von uns. Der dann auch kam, dank Pizarro und Jensen, der einen wunderbaren Pass spielte.

Gut gefallen haben mir neben Pizarro (auch wenn er nur einmal das tat, was er tun sollte) vor allem Naldo und Frings. Ich freue mich zwar sehr, dass Bargfrede wieder da ist, aber er braucht offensichtlich noch etwas Zeit, bis er wieder die Klasse der Hinrunde hat. Bei Hunt habe ich einmal mehr bemerkt, dass er ohne Marin und Özil, also wenn es stärker auf ihn ankommt, eher blass bleibt. Auch von Almeida kam nicht wirklich viel, er bekam allerdings auch kaum Bälle vom Spielmacher Pizarro und der Stürmer Pizarro fehlte ihm als Mitspieler vorne.

Alles in allem aber doch ein guter Spieltag. So langsam erlaube ich mir, wieder hoffnungsvoll nach oben zu gucken, die Dortmunder sollten doch irgendwann auch mal aufhören zu gewinnen, vom HSV  kommt derzeit nicht so viel und das Torverhältnis spricht noch für uns. Wenn nur diese vier Heimspiele nicht wären, die vor uns liegen. Genau jetzt wäre also die Zeit, sich mal wieder an die frühere Stärke im Weserstadion zu erinnern.

P.S.: Der Titel dieses Beitrags entstammt übrigens noch dem Gedanken, dass Pizarro in diesem Spiel wie Marin und Özil in einem spielte…bis mir auffiel, dass er zu gleichen Teilen auch noch Merte und Frings war…und dann vergaß ich, diesen Arbeitstitel zu ändern…

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 2, Durchschnitt: 4,50 von 5)
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9 Kommentare »

  • Bernhard sagt:

    Den Titel kannst Du nachträglich ändern.

    (Und diesen Kommentar dann wieder löschen, bitte)

  • Conti sagt:

    Titel hin oder her, ich hab leider nur die SportClub-Zsfg. gesehen, da kann man nciht so viel draus ableiten. Ein 1:0 nach einem anstrengenden EL-Spiel nach x englischen Wochen ist genau das richtige.

    However, ich hatte ja zwischenzeitlich noch gehofft, dass bei uns noch was in Richtung CL geht, aber das wird ja wohl eher nichts… der undankbare 4. Platz sollte aber noch drin sein. In 2 Jahren reicht der dann ja auch für CL-Quali.

  • Bernhard sagt:

    (Leider ist mir Lars zuvorgekommen. Ich füge meinen Spielbericht mal als Kommentar ein).

    Blau gegen Grünweiß

    Bl hat Anstoß, Bl zu Bl zu Bl, Fehlpaß. Gw zu Gw, Bl foult. Gw Freistoß zu Gw, Bl schiebt ins aus. Einwurf Gw, Bl stiebitzt den Ball, Bl zu Bl, Fehlpaß. Gw zu Gw, Foul. Gw zu Gw, Bl mit vollem Körpereinsatz, Bl zu Bl, Ball rollt ins Aus.
    So ging es die erste Halbzeit aus ähnlichen Gründen, Ballstaffetten über mehr als drei Stationen waren Mangelware. Torraumszenen meist Kopfballabwehren der Innenverteidiger. Naldo fällt durch gutes Antizipieren auf. Gw zu Gw zu Gw, Fehlpaß/Foul/Aus.
    Zweite Halbzeit. Keiner will einen Fehler machen, keiner macht einen Fehler. Das bleibt bis zum Ende so. Gefährlichster Gegner für den (Fernseh-)Zuschauer ist die Nachmittagsmüdigkeit nach gepflegtem Sonntagsmahl samt Rotweinchen in der überheizten Wohnung.
    Jensen (Ach, den gibt’s noch?) spielt eine Steilpaßflanke von der Mittellinie in den Strafraum, Pizarro taucht aus dem Nichts des Rackerns im Mittelfeld auf, lupft sein Füßchen, touchiert den Ball sanft, der es ihm mit einem ebensolchen sanften Tupfer an die Unterkante der Latte dankt, statt satt vom Aluminium zurückzuprallen, und im Tor liegen bleibt – eindeutig.
    Die Erkenntnis, daß aus zwei Ostereiern in der Anzeige ein Fußballergebnis geworden ist, dämmert nur langsam. Noch zehn Minuten zittern. Äh, wovor? Bl zu Bl zu Bl, Naldo. Bl zu Blau zu Blau, Fritz. Der Rotwein hebt den Finger, mahnt die Augen, sich dem Gekicke zu verschließen, doch verliert. Wiese begräbt den Ball einmal unter sich – als Arbeitsnachweis für die zweite Hälfte.
    Schlußpfiff.

    Ich beschließe, mir Leverkusen gegen HSV anzuschauen. Was für ein tolles Spiel! (Und das Ergebnis ist auch noch sehr sympatisch!)

  • Lars (Autor) sagt:

    Ja, auch ich hatte noch Hoffnungen in Richtung Champions League, insofern hätte mir auch ein Unentschieden bei Leverkusen gegen HSV besser gefallen, aber gut. Leverkusen ist wohl zu stark, auch weil sie eben nur in der Liga spielen. Dann geht es eben um die Plätze für die Europaliga und da sollten doch der BVB und/oder der HSV machbar sein.

    Apropos HSV: Noch wage ich es nicht, von einem ähnlichen Saisonabschluss wie letztes Jahr zu träumen…

    Und Bernhard: Sehr schöne Zusammenfassung! Und das mit dem Titel weiß ich, ich lass ihn trotzdem stehen…

  • Stephen sagt:

    Ich bin zufrieden. Natürlich war das ein Grottenkick, aber nun auch schon das zweite Mal nach Mainz, dass die Mannschaft ein Spiel mit Minimalaufwand mal wieder gewinnt. Ich freue mich schon auf das Spiel am Donnerstag.

  • Ulfert sagt:

    Inhaltlich stimme ich dem Beitrag von Lars zu, obwohl ich humoristisch gesehen den von Bernhard angenehmer zu lesen finde. Dem Kommentar von Stephen hab ich nichts hinzuzufügen.

    Jetzt hab ich was geschrieben, ohne was Neues zu sagen. Ich sollte Politiker werden :)

  • Lars (Autor) sagt:

    Ich stimme Dir in jeder Hinsicht zu, Ulfert.

    :-)

  • TheBigEasy sagt:

    Nachdem mich Stephen gerade daran erinnert hat, dass ich schon lange nicht mehr hier war, nutze ich die Gunst der Stunde und wünsche euch viel Erfolg für morgen gegen Valencia.

    War das Fußball von Barca gerade eben, was? Einfach gut.

  • Andreas Wollin sagt:

    Übrigens bin ich jetzt „Fan“ des Werderblogs auf Facebook. Lars, weißt Du was das bedeutet!

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