Zwei auf einen Streich

Stephen 27. Februar 2010 15 Kommentare Drucken

Bremen – Enschede

Zunächst noch ein paar Worte zum Europa League-Spiel vom Donnerstag. Ich war endlich mal wieder im Stadion und vor Anpfiff doch ziemlich enttäuscht über den eher mauen Zuschauerzuspruch. Die offizielle Zahl war knapp 21.000. Ist mir schon klar, dass der Name einen nicht gleich vom Hocker reißt, aber immerhin war durch die 0:1-Niederlage im Hinspiel zumindest schon mal der Grundstein für eine spannende Partie gelegt.

Das Spiel ging flott los und nur nach einer halben Stunde stand es 3:0 für die Grün-Weißen nach zwei Toren von Pizarro und einem Treffer von Naldo. Doch danach konnten die Holländer mit dem ersten vernünftigen Angriff der Partie das 3:1 erzielen. Ein langer Pass auf die Außenbahn, eine Flanke in die Mitte, so einfach war das. Damit war wieder mehr Spannung im Spiel als eigentlich nötig. Nach dem Treffer witterten die Holländer ihre Chance und hatten starke 10 Minuten. 3:1 hieß es auch zur Halbzeit und nach Wiederanpfiff hatten die Holländer deutlich mehr vom Spiel und in der 57. Minute dann schiebt Ruiz den Ball am geschlagenen Vander vorbei an den Pfosten. Doch nur 80 Sekunden später konnte wieder Pizarro den Sack zumachen und mit seinem dritten Tor der Partie das 4:1 erzielen. Dabei blieb es zum Glück auch. In der nächsten Runde wartet der FC Valencia auf uns.

Mainz – Bremen

Kommen wir damit zum heutigen Spiel. Weniger als 36 Stunden nach dem Abpfiff gegen Enschede musste Bremen in der Bundesliga wieder ran und zu den äußerst heimstarken Mainzern reisen. Vor dem Spiel standen in 11 Heimspielen 7 Siege und 4 Unentscheiden auf dem Konto des FSV. Schon vor dem Spiel war klar, dass Mainz versuchen würde, aus der kurzen Pause der Bremer Kapital zu schlagen. Und so starteten sie auch wie die Feuerwehr ins Spiel. Werder wurde schon tief in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt und kam kaum ins Spiel. Immer wieder leichte Ballverluste und schlampige Abspiele sorgten auch nicht unbedingt für mehr Sicherheit und Ruhe im Aufbauspiel.

In der 15. Minute kam es zur wahrscheinlich spielentscheidenden Szene im Spiel. Hunt senst Heller ziemlich derbe um, der sich daraufhin mit einem angedeuteten Tritt gegen den liegenden Hunt revanchiert. In der Verlangsamung sieht man, dass der Mainzer nicht durchzieht, doch Schiri Rafati wertet diese Situation als klare Tätlichkeit und gibt Heller glatt Rot. Kann man drüber diskutieren, aus meiner Sicht hätte es die gelbe Karte auch getan. In der Folge wurde Bremen nicht wirklich besser und Schaaf nahm nach nur 27 Minuten den völlig indisponierten Abdennour raus und brachte dafür Prödl.

In der 31. Minute gehen die Bremer in Führung, nachdem ein Borowski getretener Freistoß sich überraschend ins Tor der Mainzer senkt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, den wollte er so nicht machen. Doch leider brachte auch das Tor nicht wirklich mehr Ruhe ins Spiel. Kurz vor der Halbzeit spielt Prödl (als rechter AV) einen Katastrophenpass ins Mittelfeld, der direkt bei den Mainzern landet. Bancé bekommt die Pille, lässt Naldo stehen und zieht aus knapp 25 Metern trocken ab. Obwohl der Ball relativ zentral kommt, verschätzt sich Vander völlig und taucht viel zu früh ab, woraufhin der Ball ins Tor einschlägt.

Damit steht es 1:1 zur Halbzeit. Nach dem Wiederanpfiff sind die Mainzer wieder die engagiertere Mannschaft. Doch in der 50. spielt Hunt den startenden Prödl am der Strafraumecke an. Prödl lässt Fathi stehen und zieht mit seinem schwächeren linken Schlappen ab und befördert die Pille in den Giebel. Ausgerechnet Prödl. Danach müht sich Mainz nach Kräften, das Spiel erneut auszugleichen, während die Bremer versuchen, möglichst wenig Kraft zu verbrauchen. Glücklicherweise retten sich die Grün-Weißen über die Zeit und bringen den Sieg nach Hause.

Ich will gar nicht viel analysieren. Die Mannschaft hat alles aus ihren Chancen rausgeholt und ansonsten versucht, taktisch klug zu spielen. Man hat deutlich die fehlende Frische gespürt und auch wenn es wieder eine ziemliche Zitterpartie war, da man ständig befürchtet hat, dass die Mainzer doch noch ein Tor machen, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Man muss auch mal solch ein Spiel gewinnen und das nötige Glück haben. Nur noch ein Punkt trennt uns vom fünften Platz, das sollte doch machbar sein.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 2, Durchschnitt: 4,50 von 5)
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15 Kommentare »

  • Joern sagt:

    „Schiri Rafati wertet diese Situation als klare Tätlichkeit und gibt Heller glatt Rot. Kann man drüber diskutieren, aus meiner Sicht hätte es die gelbe Karte auch getan“

    Wie der Schiri nach dem Spiel richtig gesagt hat spielt die härte eines Trittes überhaupt keine Rolle: Tätligkeit ist Tätlichkeit. Für was häätest Du denn Gelb gegeben? Kann der doch gar nicht geben! Entweder ist es eine Tätlichkeit, dann Rot, oder es ist keine Tätlichkeit, dann gar nichts. Ein Foul war es vom Mainzer spieler ja definitiv nicht.

  • Olly sagt:

    Sehe ich ähnlich wie Joern. Ich muss auch dem Mainzer Trainer Tuchel widersprechen, der meinte, auch Hunt hätte (für seinen Arm-Einsatz NACH der (angedeuteten) Tätlichkeit Hellers) die rote Karte sehen müssen. Das war kein Schlagen, das war die einzige Chance, sich das Aufstehen zu ermöglichen. Und, ganz ehrlich, ich bin zwar Werder-Fan, versuche aber in solchen Situationen immer so objektiv wie möglich zu urteilen, versuche mir auszumalen, wie meine Reaktion wäre, wenn die Aktionen der Beteiligten anderherum verteilt gewesen wären. Ich glaube, die Entscheidung war vollkommen in Ordnung so.

  • Ulfert sagt:

    Ich fand den Aiman heute gar nicht schlecht. Er war zwar auch ein wenig nervös und schlampig, aber er wurde aus Vorsicht ausgewechselt nachdem er eine ziemlich harte gelbe Karte (in einer hitzigen Phase) bekommen hat und auf der Kippe zu gelb-rot stand. Ich fand den Wechsel auch gut, aber als Vorsichtsmaßnahme, und nicht weil Aiman so schlecht war.

    Das Spiel war imho grottig, und ich war extrem froh dass Mainz nicht viel entgegen zu setzen hatte. Ich war aber doppelt froh dass das Spiel gewonnen wurde :)

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Ulfert: So hart fand ich die gelbe Karte gegen Abdennour gar nicht, denn er geht gegen Schürrle nur in den Mann und der wäre ansonsten frei durch gewesen. Fand es in der Situation erstaunlich, dass der Mainzer mit Ball so viel schneller war als Aymen. Auch sonst fand ich ihn nicht so gut wie in den letzten Spielen.

  • Kristijan sagt:

    Ich persönlich finde die rote Karte vollkommen überzogen.
    Man hätte es auch als unsportliches Verhalten werten können, und dafür gibt es gelb.
    Und meiner Meinung nach, war diese Situation deutlich näher am unsportlichen Verhalten, als an einer Tätlichkeit…

  • Jens sagt:

    Ich war im Stadion und ich habs mir auch mehrmals im Fernsehen angeschaut. Sie Situation kam letztlich dadurch Zustande, das Hunt voher vom Mainzer Zabavnik rüde gefoult wurde – war für den Mainzer ohne Konsequenzen blieb. Danach rannte Hunt mit viel Wut im Bauch dem Mainzer Heller hinterher und senste den um (quasi ein Gegenfoul – nur am falschen Spieler). Heller fühlte sich dadurch ungerecht angegangen und deutete ein Treten an – aber es war für alle klar zu sehen, das er den tritt vorher abstoppte und nicht durchführte.

    Danach verteilte Hunt einen Ellenbogenstoss an Heller, der keinesfalls nur dem Versuch des Aufstehens geschuldet ist sondern eine klare Tätlichkeit von Hunt darstellt.

    In der Konsequenz hätten beide Spieler die rote Karte verdient gehabt – denn beide Aktionen können als Tätlichkeit angesehen werden. Das Hunt hierbei mit Gelb „davonkam“ war nur eine Bewertung des vorangegangenen Fouls, nicht aber seiner Tätlichkeit.

    Deshalb war der darauffolgende Gesang der Mainzer Fans „ohne Schiri habt ihr keine Chance“ sicherlich nicht ganz falsch.

    Aber so ist eben Fussball! Immer wieder für eine Überraschung gut…

  • Leuchtturm sagt:

    Tätlichkeit von Hunt ???

    Nee, nun wirklich nicht.
    Es muß doch wohl erlaubt sein, dass ein Spieler
    1. sich vor einem Übergriff zu schützen sucht und sich diesem entziehen will
    2. versucht aufzustehen
    3. bei anhaltenden körperlichen Bedrängung, den Gegner mit dem Arm fern zu halten.

    In meinen Augen ist schon das Hindern am Aufstehen von Hunt eine Tätlichkeit des Mainzers. Wenn sie bei einem Zweikampf übereinanderfallen und sich erst sortieren müssten, alles o.k. Doch nach einem Foul an sich, auf den am Boden liegenden Gegner zustürmen und ihn am Aufstehen zu hindern – nein dass geht nicht und geht in meinen Fairness Verständnis weit über eine Unsportlichkeit hinaus.

    Zum Spiel: Wer hätte nach den letzten Wochen Boro und Prödl, als Torschützen auf der Rechnung? Also ich nicht!

    Also, kein tolle SPiel, aber drei Punkte – gut so!

  • Tobias (MeineSaison) sagt:

    Ich finde die rote Karte absolut gerechtfertigt, Rafati begründet das auch ganz gut. Eine Tätlichkeit bleibt eine Tätlichkeit. Beim Strafmaß kann man Heller sicher zu Gute halten, dass er nicht richtig zugetreten hat, aber für den Schiedsrichter ist entscheidend, dass er überhaupt nach Hunt tritt.

    Ich hab ein Stück weit Verständnis für Hellers Wut, weil Hunts Foul eine klare Revancheaktion war. Allerdings finde ich nicht, dass sich Mainz ernsthaft über den Schiri beschweren kann. Was die Verteilung der gelben Karten wurde Mainz in der ersten Halbzeit mit Sicherheit nicht benachteiligt.

    Was mich geärgert hat, war die Aktion von Bargfrede, als er sich ins Gesicht greift und fallen lässt, obwohl er nicht im Gesicht getroffen wurde. Will ich nicht sehen und hat er absolut nicht nötig, gehörte gestern nämlich schon wieder zu den Besten.

  • lars sagt:

    Ich hab nur die zweite Halbzeit komplett gesehen und das waren wirklich ganz schlechte 45 Minuten von uns. Gerade im Mittelfeld und im Spiel nach vorne ging überhaupt nichts, ich glaube, eineinhalb Chancen hatten wir und aus der halben haben wir ein Tor gemacht. Das war wirklich großes Glück, man hat überhaupt nicht gesehen, dass die Mainzer einer weniger waren, vor allem, weil kein Spieler von Werder wirklich Normalform hatte.

    Ich hatte das Gefühl, dass die eigentliche Mainzer Stärke gestern eine Schwäche war. Deren Trainer und auch andere wie der Manager sprangen, äußerst nervig, die ganze zweite Halbzeit wie Rumpelstilzchen an der Seitenlinie rum und diese Hektik übertrug sich auf die Spieler und führte dazu, dass die Mainzer nach vorne irgendwie auch nichts zustande brachten. Wenn sie einfach etwas ruhiger gespielt und ein bisschen mehr kombiniert hätten, wäre vielleicht mehr bei rum gekommen. So haben sie schon nach 15 Minuten ihren Schuldigen für die eventuelle Niederlage ausgemacht und hatten ihre Entschuldigung sozusagen vorab.

    Ich habe mir eben die Situation mit Hunt und Heller noch einmal mehrere Male angeguckt und bin, alle Subjektivität mal zur Seite gelassen, aber sowas von der Meinung, dass die rote Karte berechtigt war. Er hat getreten, nicht getroffen, aber getreten und das ist eine Tätlichkeit. Bei Hunt habe ich auch nichts gesehen, was auch nur annähernd nach Tätlichkeit aussah.

    Und zum Schluss noch: Ich möchte nicht irgendwie schlechte Laune verbreiten, aber ich bin immer stärker der Meinung, dass wir ein Torwartproblem haben…auf der Ersatzposition (sagt man das so?). Ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem mir Vander souverän erschien. Das Tor ging natürlich auf seine Kappe, Fehler macht allerdings auch Wiese ab und zu (oder Adler oder Neuer), also Schwamm drüber. Aber Vander ist für mich bei mehr oder weniger jedem Ball, der auf sein Tor kommt, ein Risiko, steht selten richtig gut oder faustet oft durch die Gegend, wo man durchaus auch mal festhalten könnte. Vielleicht wäre es besser, ab der nächsten Saison einen jungen hoffnungsvollen Torwart aufzubauen; ich sehe nicht, dass Vanders Erfahrung stark der Mannschaft stark zu Gute kommt. Oder bin ich zu negativ?

  • Stephen (Autor) sagt:

    Ich weiß nicht, ich fand es gut, dass die Mannschaft so ein Spiel auch mal gewinnt. War mal ein Spiel mit minimalem Aufwand und maximalem Ertrag. Sonst ist es ja oft anders rum, dass die Mannschaft viel versucht und investiert, aber am Ende mit leeren Händen dasteht. Natürlich war das ein schwacher Auftritt, aber hey, 40 Stunden nach dem Kick gegen Twente fand ich das schon mal nicht so so schlimm.

    Hmm, der Vander. Ich weiß nicht, welche Mannschaft hat denn einen wirklich souveränen auf der Bank sitzen. Bei Wolfsburg leisten sich Hitz und Lenz auch haarsträubende Fehler. Fromlowitz wirkt seit seiner Zwangsbeförderung zur Nummer eins auch nicht immer sicher. Aber Du hast recht, Lars, oft hat man Vander kein wirklich gutes Gefühl.

  • lars sagt:

    Nicht falsch verstehen: Ich freue mich auch sehr über diesen Sieg und denke, dass wir dieses Spiel gewonnen haben, ist einerseits ein Zeichen dafür, dass wir (hoffentlich) wieder in der Spur sind. Andererseits liegt das aber auch an der Unfähigkeit der Mainzer. Eigentlich wäre es recht einfach gewesen, gegen uns zu gewinnen…selbst mit zehn Mann.

    Und noch mal zum Torwart: Es geht nicht darum, dass Torhüter fehlerfrei sind bzw. keine Fehler machen dürfen. Bei Vander fällt mir allerdings immer öfter auf, dass er zu oft nicht gut steht und bei vielen Bällen unsicher ist…

  • vicco47 sagt:

    Soll heissen,er spielt schlecht momentan. ;-)

  • lars sagt:

    Was ich eigentlich sagen will: Er spielt nicht MOMENTAN schlecht, sondern irgendwie öfter…zu oft.

  • Ulfert sagt:

    Mielitz fand ich bisher immer sehr gut. Das liegt wohl daran dass er in der U23 Spielpraxis bekommt, die geht Vander natürlich total ab. Keine einfache Position, so ein Ersatztorwart :(

  • vicco47 sagt:

    Nun ja… fehlende Spielpraxis ist die eine Seite,Talent die andere.

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