Was nun, Sebastian?

Lars 9. November 2009 12 Kommentare Drucken

war hier oft ein Thema, besonders in der letzten Saison. Meist war es nicht besonders nett, was hier zu ihm geschrieben und kommentiert wurde. Er hat es uns allerdings auch nicht gerade leicht gemacht. Während ich bei Clemens Fritz noch sehr viel überzeugter davon sprechen konnte, dass es sich bei ihm während der letztjährigen Grottensaison der gesamten Mannschaft nur um eine recht lange auch persönliche Krise handelte, war ich mir bei Boenisch da nicht so sicher. Eine Kicker-Durchschnittsnote von 4,05 bei 21 benoteten Spielen sprach ebenfalls nicht gerade für ihn. So war die linke Abwehrseite auch hier im Blog immer eine der wichtigsten Baustellen für eine Neubesetzung und ich war einigermaßen enttäuscht, dass sich da im Sommer nichts getan hatte.

In dieser Saison hat Boenisch bislang zehn Spiele gemacht; man kann ihn wohl als unseren Stammspieler auf der linken Abwehrseite bezeichnen. Und auch bei ihm zeigt sich mal wieder Schaafs manchmal stures Vertrauen in bestimmte Spieler, was sich am Ende oft bezahlt gemacht hat, siehe Hunt oder Bargfrede und auch Fritz, der nun wieder immer öfter super Leistungen zeigt. Und auch bei Boenisch sieht man deutliche Verbesserungen. Zwar wirkt er manchmal immer noch sehr übermotiviert oder unkonzentriert und auch seine Flanken sind immer noch verbesserungswürdig, doch Letztere kommen auch häufiger an und Ersteres hat er häufiger im Griff. Und Einsatzwillen und Motivation sind immer vorhanden.

Und Boenisch ist noch jung. Daher ist es nur natürlich, dass er, wenn es schlecht läuft, nicht gerade mit glänzender Leistung vorangeht, und dass er andererseits, bei einem Lauf wie derzeit und dem dauerhaften Vertrauen des Trainers, sich verbessert.

Und nun muss Boenisch eine Entscheidung treffen:

Der neue polnische Nationaltrainer Franciszek Smuda hat sein Interesse an Boenisch bekundet. Der in Gleiwitz geborene Bremer will sich mit der Entscheidung Zeit lassen.

Ich bin kein Fan der Nationalmannschaft, insofern verfolge ich das Ganze recht emotionslos und hauptsächlich zum Wohl des Spielers und von Werder. Grundsätzlich ist es für einen Spieler, egal wie alt, immer eine große Motivation, für eine Nationalmannschaft zu spielen. Und davon profitiert dann natürlich auch der Verein.

Ich bin mir nicht sicher, ob Boenisch wirklich eine realistische Chance haben wird, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, das hängt sicher auch vom Abschneiden der Mannschaft bei der WM ab und ob ein echter Schnitt nötig wird. Natürlich ist auch Boenischs Entwicklung bis zum Sommer nicht gerade unerheblich. In ist ein solcher Schnitt schon jetzt nötig: Die Mannschaft hat sich nicht für die WM qualifiziert, obwohl das Potential eigentlich da sein sollte, Mannschaften wie Slowenien, die Slowakei oder Nordirland hinter sich zu lassen.

Insofern ist das Interesse des polnischen Nationaltrainers verständlich und ich könnte es gut verstehen, wenn sich Boenisch für Polen entscheidet. Aus heutiger Sicht würde ich es auch begrüßen.

Mindestens genauso wichtig wie die sportlichen Aspekte ist sicher die emotionale Einstellung von Sebastian Boenisch. Das kann ich natürlich nicht beurteilen.

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12 Kommentare »

  • Stephen sagt:

    Ich glaube, dass Boenisch es so oder so schwer haben dürfte, sich in die deutsche NM zu spielen. Zumindest in absehbarer Zeit. Solange man rechts einen halbwegs veritablen AV hat und Lahm auf links spielen kann, ist da kein Bedarf. Selbst wenn Löw einen Schnitt machen sollte, was ich bezweifele, da ich außer Ballack keinen Spieler sehe, der altersmäßig aus dem Rahmen fällt, wird die Position des LV nicht neu vergeben. Zumal auch ein Marcel Schäfer noch stabiler wirkt als der gute Basti.

    Von daher kann er sich noch ein bißchen Zeit lassen mit der Entscheidung.

  • vicco47 sagt:

    Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen.

  • anfaenger sagt:

    Der Artikel geht davon aus, dass Bönisch seine Laufbahn auf links fortführt und beendet. Ich sehe Bönisch allein wegen seiner Statur langfristig nicht als AV sondern als IV. Der internationale Trend geht klar in Richtung kleine, schnelle, zweikampfstarke und bewegliche AVs. Und wer kann sagen wie sich der IV Boenisch in ein paar Jahren macht? Bei Werder hat er auf jeden Fall die besten Chancen sich zu entwickeln, weil TS an ihn glaubt. In welcher Nati er spielt is mir eigentlich egal …

  • Conti sagt:

    Ich fänds schön, wenn er sich für D entscheidet. Ich denke er hat deutlich mehr Bezug zu unserem Land und ich fände es auch ein wenig seltsam, mit der deutschen U21 Europameister zu werden (was Polen wohl in 100 Jahren nicht schaffen wird) aber dann nur aufgrund bessere Einsatzchancen in der A-11 für Polen zu spielen. Das wäre doch sehr nach dem Motto wo kann ich am besten profitieren.

  • Conti sagt:

    Noch ein kleiner Nachtrag:

    Sebastian ist auch erst 21 (22?)! Wann haben denn zB Wiese oder Enke ihr ersten A-Länderspiel bestritten – und die haben mit der U21 keinen Titel geholt. Ich denke Sebastian würde gut daran tun noch ein bisschen zu warten. Wäre er Ende dreißig und die nächste WM die letzte könnte ich es ja noch verstehen; aber Polen ist ja nun nichtmal qualifiziert. Warum also die Eile?

  • cons sagt:

    22 ist er. sonst gebe ich ein dito zu conti

  • Lars (Autor) sagt:

    Conti, es stimmt schon, eine Nationalmannschaft sollte schon nicht nur mit rationalen Überlegungen „ausgewählt“ werden, aber wissen wir, welche emotionale Bindung Boenisch an Polen hat?

    Der Vergleich mit Wiese und Enke hakt etwas, da Torhüter, gerade in Deutschland, schon traditionell eher älter sind, wenn sie die Nummer 1 werden, siehe Lehmann, Kahn, Köpke und auch Enke, wenn er sich nicht verletzt hätte bzw. krank geworden wäre etc. Bei Feldspielern spielt das Alter schon eine stärkere Rolle und wie Stephen schon sagt, es gibt auch noch andere Spieler auf seiner Position in Deutschland.
    Und der Motivationsfaktor ist wie gesagt auch wichtig in diesem Zusammenhang.

    Und @anfaenger: Als Innenverteidiger möchte ich Boenisch derzeit nicht wirklich sehen und seine langfristige Entwicklung ist da für mich schwer zu beurteilen. Wenn ich auch noch an Prödl denke, der, nicht nur wegen Statur, besser als IV passt, sehe ich bei Boenisch die größten Chancen auf der Außenposition. Da profitiert er auch stärker von seiner Dynamik, die er doch immer wieder zeigt. Und das dann gepaart mit besseren Flanken…

  • Stephen sagt:

    Gut, man könnte natürlich eine generelle Diskussion darüber einführen, warum die FIFA die Kriterien für ein Festspielen in der jeweiligen NM immer weiter aufweicht. Frage mich ein bißchen, wem damit wirklich gedient ist.

  • kaeptnkarcho sagt:

    Boenisch hat m.M. auch schon in der vergangenen Saison sehr gute Spiele bestritten(man denke nur einmal an die Derbys gegen den HSV).
    Das dem Knaben hier und da die Ruhe, Übersicht und Kontinuität fehlt, ist doch klar und sollte keinen verwundern.
    Ein Marin (noch bei Gladbach), Özil, oder Hunt haben in der letzten Saison auch noch nicht 100% überzeugt.
    Wir haben aber (trotz der vielen schwachen Spiele 2009/2010) mit Boenisch den richtigen auf der Position gehabt.
    Diejenigen die da hätten spielen können (Tosic und Pasanen) waren für die Offensive eben nicht zu gebrauchen.
    Ich persönlich würde mich, wie die anderen hier auch, freuen den Kerl in der DFB Auswahl zu sehen.

  • Andreas sagt:

    Also ich würde eine Entscheidung für Polen durchaus nachvollziehen können, obwohl ich die Alternative bevorzugen würde. Allerdings nur aus einem Grund: Ich bin fest davon überzeugt, dass er sich nie in der deutschen NM festspielen wird und somit hätte er keine Doppelbelastung und TS einen Trainingsteilnehmer mehr in den Länderspielwochen.
    Den Faktor „emotionale Bindung“ gibt es doch kaum! Guckt euch Jones an oder Nuri Sahin von Dortmund, der in Deutschland aufgewachsen ist. Bei Letzterem war der DFB einfach zu spät dran bzw. hat er selbst schon geahnt, dass er sich in der deutschen NM nie wird durchsetzen können. Bestes Beispiel ist aber Subotic von Dortmund, bei dem es erst hieß, dass er für D, Serbien und die USA spielen kann. Damals sagte er, dass es sein Traum ist düf D zu spielen. Dann kam die Info, dass er sich zwischen den USA und Serbien entscheiden müsste und nachdem er den USA einen Korb gab ließ er sich mit den Worten zitieren: „ich fühle mich als Serbe“ – soviel zum Thema „emotionale Bindung.“

  • abou zekri sagt:

    Hallo Leute,
    ich schreibe hier zum ersten Mal, aber ich lese den Blog schon seit längerem. Nun wollte ich mich mal zu Wort melden.

    Bei Boenisch würde es mich grundsätzlich freuen wenn für Deutschland spielen würde, denn in der letzten Saison und vor allem bei der U21-EM hat er doch eine Reihe von sehr guten Spielen abgeliefert. Zudem hat er eine unglauliche Dynamik und ist auf Grund seiner Physis auch zweikampfstark. Mängel wie sein schlechtes Stellungsspiel lassen sich sicherlich noch abstellen. Wenn ihm dies gelingt, dann ist er auch in der Nationalelf nicht chancenlos.

    Außerdem finde ich es klasse, dass Werder diese Saison soviele für Deutschland spielberechtigte Akteure in der Anfangself hat und das soll bitte auch so bleiben.^^

  • Lars (Autor) sagt:

    Hallo abou zekri und herzlich willkommen! :-)

    Mich würde es natürlich auch freuen, Boenisch in der deutschen Nationalmannschaft spielen zu sehen und ich finde es auch unglücklich, dass man Europameister mit der U21 werden kann und dann noch für eine andere Nationalmannschaft spielen darf. Eine Änderung dieser Regelung würde auch die „Jugendmannschaften“ aufwerten.

    Und er hat ein großes Potential, dass er mittlerweile auch immer öfter zeigt. Die derzeitige positive Serie von Werder hilft ihm bei der Entwicklung natürlich sehr und darauf will er sich ja auch zunächst konzentrieren. Bis zum Sommer kann er sich sicher ohne Probleme Zeit lassen und wenn er sich bis dahin weiter so entwickelt, sollte er auch in der deutschen Nationalmannschaft eine Chance bekommen können. Und bei der polnischen Nationalelf tut sich bis zur WM ja eh nichts.

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