Die Serie hält – Mit Glück und Kampf

Lars 1. November 2009 4 Kommentare Drucken

SVW FCNIn der Halbzeitpause wurde ein völlig frustrierter Werder-Fan (nicht ich) vor einem Klo im Stadion von einem Nürnberger getröstet, sinngemäß:

Werder-Fan: „So ein verdammter Mist, was spielen die nur für einen Scheiß zusammen?!?“

Nürnberg-Fan: „Ach komm, ist doch erst Halbzeit, das wird schon.“

Werder-Fan: „Nie im Leben, das verlieren wir auf jeden Fall.“

Nürnberg-Fan: „Jetzt warte doch mal ab, ist noch nicht aller Tage Abend.“

Was auch immer den Nürnberger geritten hat, er hatte recht, es war noch nicht aller Tage Abend, auch wenn die erste Halbzeit so ungefähr das Schlechteste war, was ich in dieser Saison von unserer Mannschaft gesehen habe. Und ich durfte mir das auch noch live im Stadion angucken, gemeinsam mit einem fränkischen Kollegen (der mir obige Episode vorm Klo erzählte), der, je länger das Spiel in der ersten Halbzeit dauerte, immer selbstsicherer und souveräner wurde (ähnlich wie seine Mannschaft).

Das erste Tor konnte man ja noch durchaus unter der Rubrik Pech einordnen, ein langer Ball der Nürnberger nach vorne, Missverständnis in unserer Abwehr, Wiese zu spät und Tor. Während gegen Bochum letztes Wochenende die totale Verwirrung nach dem Gegentor nur weitere drei Minuten anhielt, dauerte diese gegen Nürnberg mindestens eine ganze Halbzeit. Wir konnten froh sein, dass wir nicht 5:0 zurückgelegen haben. Ungefähr jeder Angriff der Nürnberger war gefährlich, vor allem unsere beiden Außen Fritz und Boenisch hatten ihren schwärzesten Tag in dieser Hinrunde; was die vor allem mit ihrem Kopf anstellten, erinnerte mich an meine Spielweise in der Jugend und die war nicht gut… Wir dürfen uns wohl bei Wiese, der Unfähigkeit der Nürnberger und dem Schiedsrichter bedanken, dass es nur 0:2 stand.

Naldo und Merte wurden im Laufe des Spiels wenigstens noch ein wenig sicherer, vor allem Mertesacker gewann ungefähr jedes Kopfballduell gegen seine diversen Mitspieler. Das Mittelfeld war am Spielaufbau schlicht nicht beteiligt, der „normale“ Spielzug der ersten Halbzeit sah folgendermaßen aus: Naldo meistens oder ein anderer seiner Abwehrkollegen bekam irgendwie den Ball und drosch ihn nach vorne, wo ihn unsere Kopfballungeheuer Marin, Hunt, Özil oder Rosenberg nicht verwerteten und der Ball kam prompt zurück.

Schlimmer ging’s nimmer. Das erinnerte noch mehr an die vergangene Saison als das, was wir gegen Austria Wien bewundern durften. Kein einziger Spieler erreichte auch nur annähernd Normalform…außer Wiese, der teilweise wieder mal grandios gehalten hatte, einige andere Male aber ebenso unischer wirkte wie seine Mitspieler.

Das einzige, was gut geklappt hatte in den ersten 45 Minuten war das Herausholen von Standards; ich glaube, fünf Ecken und ungezählte Freistoßsituationen aus eigentlich hoffnungsvollen Entfernungen. Özil, Marin und alle anderen hatten ihre Gefährlichkeit jedoch leider in Bremen gelassen; vor allem wegen der Freistöße von links hätte ich am liebsten ein Stück des Stuhls vor mir abgebissen. Frings hatte dann in der zweiten Halbzeit irgendwann die Schnauze voll und trat die Ecken, woraus auch beinahe ein Tor resultierte, Naldo köpfte an den Pfosten.

Die Nürnberger spielten gut, teilweise sehr gut; es ging immer schnell und schnörkellos nach vorne, wo Özil oder Marin eher noch einen dritten und vierten Spieler ausspielen wollten, anstatt sich mal umzugucken nach Mitspielern. Natürlich wurden sie durch das frühe Tor, die darauf folgenden ganzen guten Chancen und die Fans nach vorne getrieben. Die Bremer hatten ihnen allerdings auch nichts entgegenzusetzen.

Die zweite Halbzeit ging zunächst genau so weiter wie die erste geendet hatte, je länger es dauerte, desto gefährlicher wurde Werder, angetrieben vor allem von Hunt und, je länger das Spiel dauerte, auch Özil. Irgendwann war es dann wohl doch nur eine Frage der Zeit, bis das erste Tor fiel: Eine tatsächlich gute Flanke von Boenisch und Hunt traf mit Schulter-Hals-Kopf-Ball. Danach ging es weiter in Richtung Nürnberger Tor, zunächst jedoch ohne Glück, vor allem Borowski hätte den Ausgleich köpfen müssen. Naldo als Mittelstürmer (ein neuer Trend in der Liga?) war sehr engagiert und brachte viel Unruhe rein. Gehofft hatte ich bis zum Schluss…

In der 93. Minute war es mir dann auch egal, was die Nürnberg-Fans hinter mir dachten oder mit mir machen wollten. Das war dann nur noch Freude pur und wirklich wie ein gefühlter Sieg. Hinzu kam, als ich schon die Stufen von der Tribüne hinunter ging, der Jubel der Bremer Fans, als das Ergebnis aus Hamburg durchgesagt wurde. Nicht nur wegen des Spielverlaufs war das Untentschieden auf jeden Fall ein gewonnener Punkt und wir sind tatsächlich noch mal einen Tabellenplatz nach oben gerutscht.

Nach einem Tag Beruhigung muss ich sagen, dass mir gut gefallen hat, wie die Mannschaft nie aufgab (auch eine absolute Änderung zum letzten Jahr), wie sie bis zum Schluss gekämpft und sich damit das Unentschieden auch verdient hatte. Schließlich sind wir es, die dreimal die Woche spielen, während sich die Nürnberger immer sechs Tage ausruhen können. Gut gefallen haben mir darüber hinaus Wiese und Hunt.

Was die Spieler mitnehmen können: Dass sie auch so ein grottenschlechtes Spiel derzeit nicht verlieren. Das sollte doch helfen bei den Aufgaben in Zukunft.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 2, Durchschnitt: 3,50 von 5)
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4 Kommentare »

  • Johan Petersen sagt:

    In der ersten HZ gab es bei uns in der Tat null Spielaufbau. Sieht man selten. Der Ball geriet eher zufällig ins offensive Mittelfeld, über die Flügel fand gar kein Spiel statt. Frings war in dieser Hinsicht überhaupt nicht im Spiel.

  • cons sagt:

    ich erinnere mich an einen artikel aus der letzten saison, in dem es noch hiess: werder hätte einen unbedingten siegeswillen, wie die meistermannschaft von 2004. dieser jemand hat dann auch recht behalten, wir haben ja den pokal geholt. aber offensichtlich war das nicht derselbe, der diesen artikel verfasst hat ;)

  • Lars (Autor) sagt:

    cons, Werder hatte in der letzten Saison natürlich Siegeswillen (hab ich glaube ich auch geschrieben immer mal wieder), allerdings haben sie das eben nur gezeigt, wenn es im Pokal drauf ankam. In einem profanen Liegaspiel am 11. Spieltag war dieser Wille jedoch eben nicht da.

    Und zum fehlenden Willen kam das Eninstellungsproblem gegen „kleinere“ Gegner in „unwichtigeren“ Spielen hinzu. Und genau das scheint überwunden, also der unbedingte Wille in jedem Spiel ist da. Und das sollte uns alle Hoffnung auf eine durchgehend gute Saison machen.

  • Jens sagt:

    I hope for next match against schalke-04, Werder Bremen at home will win and hit hard.

    Werder Bremen VS Schalke-04 — Dec 2009 — PICK

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