Ein bißchen Stuttgart und ein Zwischenfazit

Stephen 5. Oktober 2009 13 Kommentare Drucken

Von meiner Seite gibt es keinen Bericht zum Stuttgart-Spiel, da ich nicht mehr als eine kurze Zusammenfassung sehen konnte. Zwei Dinge möchte ich aber dennoch kurz ansprechen. Zum einen nervt Lehmann nur noch. Seine ständigen Eskapaden und billigen Provokationen sind im Zweifelsfall höchstens noch erbärmlich. Solange Lehmann noch ein Weltklasse-Keeper war, hat man seine billigen Spielchen und seine albernen Drohgebärden in Richtung Gegner zähneknirschend hingenommen, da er einfach stark hielt und man irgendwie in dem Glauben aufgewachsen war, dass ein guter Keeper nicht ohne komische Einlagen daherkommt (siehe: Kahn, Oliver). Doch mittlerweile liefert Herr Lehmann auch nur noch biederen Durchschnitt im Gehäuse des VfB Stuttgart und so klafft eine Riesenlücke zwischen der Art und Weise, wie er sich aufführt und den Leistungen, die er bringt.

Der zweite Punkt betrifft die Führungsriege der Stuttgarter. Nach dem heutigen Spiel sind die Stuttgarter also in der Krise angekommen. Und wer ist Schuld? Richtig! Der vermaledeite Trainerlehrgang des Markus Babbel. Jetzt will der Horst Heldt seinem kleinen Markus eine Entschuldigung schreiben, damit der nicht unter der Woche nach Köln muss, um für seinen Trainerschein die Schulbank zu drücken. Das Geseier aus Stuttgart ist unerträglich. Das haben die doch vor der Einstellung gewusst, dass der Babbel noch einen Trainerschein zu machen hat, oder etwa nicht? Oder haben die den Babbel eingestellt und irgendwann kam der Brief vom DFB: „Lieber VfB, der Herr Babbel muss aber noch seinen Trainerschein machen!“ und dann war die Überraschung im Ländle groß? Und wenn die das in Benztown nicht hinbekommen, dann sollen die doch mal beim FC St.Pauli und Holger Stanislawski nachfragen, wie man das auf die Kette kriegt. Als der „nebenbei“ seinen Trainerlehrgang gemacht hat, hat man auch kein Rumgeheule vom Kiez gehört. Ich bin jetzt mal gemein und sage, wenn der VfB weiter schlechte Ergebnisse einfährt, dann hat sich das vielleicht auch bald erledigt und der Verein sucht sich einen ausgebildeten Trainer, während der Babbel ausreichend Zeit hat, seinen Trainerschein in aller Ruhe zu machen.

So, aber kommen wir doch zum Eigentlichen. Vor uns liegt die Länderspielpause. Man könnte jetzt vortrefflich darüber streiten, warum Löw einen Kießling (6 BL-Tore) in Leverkusen lässt und stattdessen die „Bomber“ Gomez (3 BL-Tore), Klose (0 BL-Tore), Cacau (0 BL-Tore) und Prinz Poldi (1 BL-Tor) mitnimmt. Aber deshalb ist der Löw ja auch Bundestrainer: weil er das versteht und ich nicht. Nein, es soll um ein erstes Fazit dieser Saison gehen. Acht Spieltage liegen hinter uns, damit ist schon wieder fast ein Viertel der Saison absolviert. Und es hat sich einiges getan in Bremen. Schauen wir uns einmal die Lage an: In der auf dem vierten Platz mit 15 Punkten und 14:6 Toren. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hatte Bremen auf dem 10. Platz 12 Punkte und 22:19 Tore. Im DFB-Pokal stehen wir gegen Lautern im Achtelfinale und in der Europa Liga stehen nach zwei Spielen in der Gruppenphase zwei Siege auf der Habenseite. Soweit, so zahlenlastig.

Denn es hat sich viel getan in Bremen. Vor allem auf dem Platz. Der Kollege Bernhard hatte es hier schon in den Kommentaren erwähnt: das neue Ziel ist Kontrolle. Es geht nicht mehr einfach nur darum, den Gegner stumreif zu schießen, in der Hoffnung, möglichst einen Treffer mehr zu erzielen, als die vernachlässigte Abwehr zulassen würde. Nein, diese Saison wird das Spiel ruhiger angegangen. Die Mannschaft kommt aus einer gestärkten Abwehr heraus und versucht das Spiel zu kontrollieren. Unweigerlich kommt einem dabei die „kontrollierte Offensive“ unseres geheiligten Königs Otto R. in den Sinn. Am meisten profitiert von der neuen Spielausrichtung die Defensive. Letzte Saison standen nach acht Spielen schon 19 Gegentore zu Buche, während es diese Saison gerade einmal ein Drittel, nämlich 6 sind. Ja, im Gegenzug klingelt es vorne nicht mehr so oft, aber ich kann es ehrlich gesagt verschmerzen, wenn dafür nicht jedes Spiel zu einer Geduldsprobe für die Nerven wird. Als gute Beispiele dienen die Partien gegen Mainz und Bilbao. Gegen Mainz erwischte Bremen einen schwachen Start ins Spiel, aber behielt dennoch die Ruhe. Die Geduld wurde belohnt und am Ende stand ein 3:0 ohne dabei überragend gespielt zu haben. Oft genug hat in den vergangenen Jahren die Mannschaft schnell kopflos nach vorne gespielt, nur noch darauf schielend, das 1:0 gegen einen vermeintlich kleinen Gegner zu erzielen. Am Ende verlor man dann 1:2 gegen Bielefeld (nur mal so als Beispiel). Gegen Bilbao spielte man eine tolle erste Halbzeit und führte 2:0. Nach dem Pausentee dann kamen die Basken mit ordentlich Druck aus der Kabine, doch die Mannschaft hielt diesem weitesgehend mühelos stand, trotz Niemeyers „Geistesblitz“ und der damit verbundenen Unterzahl von mehr als 25 Minuten. Ehrlich gesagt hatte ich dabei kaum Angst, dass es schiefgehen könnte. Zwar konnten die Basken noch das 1:2 machen, aber am Ende schaukelte man das Spiel nach Hause. Ich lehn mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass das letzte Saison anders ausgegangen wäre (Schön, dass sich solche Behauptungen mal so gar nicht nachprüfen lassen).

Neben einem defensiveren System mit einer mal mehr, mal weniger vorhandenen Doppel-6 und einem kontrollierteren Spielaufbau sind es diese Saison aber auch einige Spieler, die niemand auf dem Zettel hatte, die für Freude sorgen. Natürlich zunächst Aaron Hunt. Es ist noch gar nicht so lange her, da machte schon das Gerücht einer möglichen Sportinvalidität die Runde. Und auch in den Ausblicken für diese Saison spielte Aaron eigentlich kaum eine Rolle. Doch mittlerweile ist Hunt eine feste Größe im Werder-Team und fängt an, richtig schöne Tore zu machen (wie gegen Bilbao). Hunt ist auf dem besten Wege an seine Leistungen aus der Saison 06/07 anzuknüpfen, wo er neun Tore in der BuLi erzielte. Neben Hunt trumpft Philipp Bargfrede groß auf. Auch ihn hatte vor der Saison keiner so recht auf dem Zettel, doch mittlerweile hat er sich einen festen Platz im Team erarbeitet. Ich mag seine ruhige Art, einfach seinen Job auf dem Platz zu machen. Daneben spielt Özil immer noch groß auf, wenn er nicht verletzt ist. Marin macht einfach Laune mit seinen Dribblings gegen eine beliebige Anzahl von Gegnern und hat schon 13 Pflichtspiele gemacht, auch wenn ihm das ein Herr Meyer vielleicht nicht so zugetraut hat. Pizarro zeigt, dass das lange Warten im Sommer eine lohnenswerte Sache war. Und Frings spielt auch eine erstaunlich gute Rolle. Von den Neuen enttäuscht vor allem Moreno, von dem man wenig bis gar nichts gesehen hat. Dabei muss man aber auch bedenken, dass Werder im Moment meist nur mit einem gelernten Stürmer (Pizarro) spielt und daneben nominell Marin im Sturm aufläuft, dieser meist aber eher am und um den Strafraum wuselt und kein Torjäger ist. Borowski war bisher auch noch keine Offenbarung. Sofern alle heile durch die Länderspielpause kommen, wird es interessant zu sehen, ob Borowski nach überstandener Verletzung wieder in die Mannschaft zurückkommt, oder Schaaf  Bargfrede neben Frings stellt und davor Özil und Hunt spielen.

Ich will damit gar nicht sagen, dass es diese Saison besser ist als in den letzten Jahren, als noch die Offensive das A und O war. Es ist halt anders. Und für den Moment zumindest erfolgreicher als in der letzten Saison. Und damit bin ich erstmal zufrieden. :)

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 4, Durchschnitt: 4,00 von 5)
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13 Kommentare »

  • Tweets that mention Ein bißchen Stuttgart und ein Zwischenfazit | Werderblog.net -- Topsy.com sagt:

    […] This post was mentioned on Twitter by Stephen and werderblog. werderblog said: Neuer Blogpost: http://bit.ly/1JgUyw […]

  • Volker sagt:

    Du vergisst mir im vorletzten Absatz den guten Herrn Jensen. Ansonsten wieder ein guter Artikel!

    Beste Grüße

  • Ein Spiel ohne Gegner | Werderblog.net sagt:

    […] Stephen ja schon ein wenig zu Stuttgart und ein wenig mehr zum bisherigen Saisonverlauf geschrieben hat […]

  • Tobias (MeineSaison) sagt:

    Der Artikel beschreibt die Situation bei Werder ziemlich genau. Gute Analyse! Allerdings würde mich mal interessieren in welchem Sinn Marin ein Torjäger ist ;)

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Volker: Jensen habe ich mal draußen gelassen, weil er ja bisher noch gar nicht wieder gespielt hat. Ich hoffe, er schafft es, fit zu bleiben und sich wieder in die Mannschaft zu spielen.

    @Tobias: Ja, habe ich mal geändert. War halt spät und so :) Jetzt ist er überhaupt kein Torjäger mehr, egal in welchem Sinne. :)

  • Flo sagt:

    Schön.

  • Andreas sagt:

    @Stephan: Den Wink an Hr. Meyer hättest du dir sparen können, denn Marko Marin hat unter Meyer alle möglichen Spiele bestritten. Das einzige Mal als er gefehlt hat war wegen einer Gelbsperre und daran war der Hans nicht Schuld! Mit diesen Zahlen hat der Meyer auch mal die ganze Journalistenschaar im Doppelpass bloßgestellt, die ihm vorwarfen Marin nicht häufig genug einzusetzen.
    Hier n Link: http://sportmedienblog.de/2009/05/03/hans-meyer-marin-doppelpass-pures-gold/

  • lars sagt:

    Danke für den Link, Andreas. Ein herrliches Beispiel für die Qualität unserer Sportjournalisten und ein weiteres Argument dafür, dass man die meisten Medien eigentlich nur noch als Ergebnisdienst braucht…wenn überhaupt. Schade, dass ich es nicht live gesehen habe.

    Und Meyer wäre ja auch schön blöd gewesen, wenn er Marin nicht öfters hätte spielen lassen…

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Andreas: Den Wink hätte ich mir nicht sparen können, da ich mich nicht auf Marins Einsatzzeiten in Gladbach bezogen habe, sondern auf Meyers Satz über Marins Wechsel zu Bremen: „Ein Talent, mehr nicht. Wenn er in Bremen auch 33 Spiele macht, wäre das ein Wunder“. Quelle: http://www.kreiszeitung.de/sport/fussball/werder-bremen/hier-wird-anders-trainiert-426393.html

    Die Geschichte mit dem Doppelpass kenne ich und ich gehöre auch nicht zu denen, die Meyer einen falschen Umgang mit Marin vorwerfen. Es ging mir nur darum, dass Marin schon 13 Spiele bestritten hat und damit auf dem besten Wege ist, die 33 vollzumachen, die ihm der Herr Meyer nicht zutraut. Ich gebe zu, ich habe eine ausführliche Erläuterung vermissen lassen.

  • Conti sagt:

    @Step: Hatte deinen Kommentar auch in Bezug auf Meyers Äußerung mit 33 Spielen gelesen und sehe es genauso wie du. Wobei TS ja durchaus den SPielern die ihm gefallen viele Chancen gibt (Marin, Boro, Frings, Klose…Hunt) und die ihm anscheinend weniger zusagen kaum welche (aktuell Moreno).

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Conti: Danke, Du verstehst mich :)

    Ja, mit Moreno ist schon komisch. Einerseits scheint Schaaf ein System mit nur einem Stürmer zu bevorzugen und daneben tobt sich Marin aus. Andererseits fand ich den Moreno gegen Pauli nicht wirklich schlecht und frage mich auch, warum er so wenig Chancen bekommt. Schwierig, so lange keiner dem Schaaf in den Kopf gucken kann.

  • Andreas sagt:

    @Stephan: okay, die Äußerung von Meyer kannte ich nicht, aber dazu möchte ich 2 persönliche Vermutungen anmerken:
    1. Meyer meint vermutlich die Anzahl der Bundesligaspiele und damit verbunden, dass er wohl nicht immer spielen wird. Wobei ich aber glaube, dass wenn er verletzungsfrei bleibt auch seine 30 Stück machen wird.
    2. Ich vermute aber auch, dass Meyer ganz genau weiß, was Werder und die N11 an Marin haben und noch bekommen können. Ich werfe dem alten Trainerfuchs jetzt einfach mal vor, dass er diese Aussage auch getroffen hat um Marin ein wenig vor zu hohen Erwartungen zu schützen. Denn zu großer Druck schadet doch gerade jungen Spielern siehe Özil im UEFA-Pokal-Finale oder die Karierre von Sebastian Deichsler.
    Das sollte im ersten Post auch keine Kritik an deinem Artikel sein, sondern nur mal meine Gedanken dazu loswerden.

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Andreas: Ich will ja auch Meyer gar nicht ans Bein pinkeln. Ich mag den ja. Aber ich glaube, Marin ist für ihn ein rotes Tuch. Neben den Äußerungen bezüglich der Anzahl der Spiele, die er absolvieren wird, hat er ja auch mal gesagt, dass es total beknackt ist, dass Bremen so viel Geld für ihn zahlen will (das war noch während der Verhandlungen). Meine Vermutung ist, dass er das alles schon so gemeint hat, wie er das gesagt hat. Schließlich hat man ihm die ganze Zeit vorgeworfen, er würde Marin zu selten, zu wenig effektiv einsetzen und damit auf den Wunderfußballer Gladbachs verzichten. Am Ende strafen die Zahlen ja die ganzen Kritiker Lügen. Man hat letzte Saison halt gemerkt, dass Meyers Kamm ziemlich geschwollen ist, sobald man ihn auf Marin angesprochen hat. Aber auch das sind nur Spekulationen. :)

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