Ein Normaler Sieg

Lars 27. September 2009 8 Kommentare Drucken

Die Bilanz nach sieben Spieltagen: drei Siege, drei Unentschieden, eine Niederlage, zwölf Tore geschossen, sechs Tore reinbekommen.

Die Zeit der Extreme scheint vorbei. Genauso wie die Zeit, dass man unserem Trainer vorwerfen konnte, dass er die offensichtlichen Probleme seiner Mannschaft nicht erkennen will und nichts ändert (ändern will). Offensichtlich müssen wir uns damit abfinden, dass Werder so spielt wie gestern gegen Mainz oder auch die beiden torlosen Unentschieden davor. Nur noch Leverkusen, Schalke und Hoffenheim haben weniger Tore reinbekommen als wir.

Nun aber zu gestern.

Von Anfang an war einmal mehr klar, dass es nicht mit Hurra nach vorne gehen sollte, sondern dass die Mannschaft zunächst einmal abwarten wollte. Das lag allerdings vielleicht auch an der ersten großen Chance der Mainzer direkt nach einzwei Minuten. Nichtsdestotrotz muss ich mich, der ich immer begeistert war von der offensiven Spielweise unserer Jungs, an so einen verhaltenen Beginn auch erst einmal gewöhnen. Einerseits hat das eben mit der neuen Spielweise der Mannschaft zu tun, zunächst einmal hinten sicher zu machen und dann zu schauen, was nach vorne geht. Genauso ging es ja auch gegen Leverkusen. Andererseits wurde da aber auch aus einer Not eine Tugend gemacht: Nach vorne ging es nämlich reichlich uninspiriert zu. Da gab es die üblichen Abspielfehler aufgrund von Unkonzentriertheit, siehe Frings, Bargfrede oder Marin, bei manchen wohl eher Unvermögen, siehe Boenisch. Und auch die Abschlussschwäche der letzten beiden Ligaspiele kam am Anfang immer wieder durch.

Solange dann am Ende ein 3:0 dabei rumkommt, kann ich mit der defensiveren Grundausrichtung noch ganz gut leben. Das Werder teilweise im eigenen Stadion gegen einen Aufsteiger beim Stand von 0:0 auf Konter gespielt hat, übertreibt es dann doch nach meinem Geschmack etwas. Wie es geht, zeigten dann ja die Chancen und auch das erste Tor: Einfach schnell spielen, den Ball nicht halten sondern passen und schon ist die Chance da (Bargfrede) oder der Ball drin (Hunt). Und da zeigte sich dann auch, dass die Mainzer zwar eine gute Mannschaft sind, gut organisiert, schnell nach vorne und teilweise gefährlich vor dem Tor, dass ihnen aber doch, außer Überraschungssiegen wie dem gegen die Bayern, die Qualität fehlt, mit einer Spitzenmannschaft mitzuhalten. Und eine Spitzenmannschaft haben wir, man muss unsere Spieler nur öfter dran erinnern.

In der zweiten Halbzeit ist außer zwei Toren nicht mehr viel passiert. Die Mainzer konnten schlicht nicht besser und Werder spielte ruhig, teilweise langweilig weiter und wartete darauf, dass Pizarro das tut, was er kann. So richtig gefährdet war der Sieg nicht und ich konnte mir das Spiel auch relativ ruhig ansehen, bis auf die paar Tischkantenbeißer nach hanebüchenen Abspielfehlern.

Gut gefallen haben mir:

Naldo, wie immer. Der derzeit beste Spieler, den wir haben. Da müssen wir wirklich aufpassen, dass die Bayern nicht merken, dass sie noch einen Abwehrspieler seines Kalibers brauchen können im nächsten Jahr. Vorne immer gefährlich und hinten bügelt er die Fehler seiner Mitspieler aus und macht selber kaum welche; bis auf den einen, der aufgrund von Handspiel des Gegners gottseidank egal war.

Hunt. Auch wenn er wieder oft unkonzentriert war und Abspielfehler hatte. Ich muss Schaaf langsam recht geben mit seiner Entscheidung. Er hängt sich voll rein und wird effektiver. Und Schaaf sagt ja auch, dass er den vollen Einsatz auch im Training immer zeigt, wozu ich leider nichts sagen kann. Kann das jemand hier bestätigen?

Pizarro natürlich. Man stelle sich vor, es hätte aus irgendeinem Grund nicht geklappt mit seiner Verpflichtung. Wichtiger ist wohl kaum ein Stürmer für eine Mannschaft.

Ansonsten?

Eine Sache liegt mir sehr am Herzen: Ich bin ja der Meinung, dass Boro einen starken Schuss und viel Erfahrung hat und sicher wichtig ist für das Gefüge der Mannschaft. Aber ich küre ihn hiermit offiziell und völlig subjektiv zum langsamsten Spieler der Liga. Wie viele Meter würde Marin ihm auf 20 Meter voraus sein? 40? Wahnsinn. Und er kann sich auch abgewöhnen, sich bei jeder Berührung lamentierend hinzuwerfen. Wobei er das wahrscheinlich tut, weil das seine einzige Chance ist, den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

Und die vielleicht beste Nachricht des Wochenendes: Özil ist zurück.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 4, Durchschnitt: 3,75 von 5)
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8 Kommentare »

  • Conti sagt:

    Da sich gestern mein Fernseher verabschiedet hat (weiß jemand ob man zw. 500-700 Euro was vernonftiges bekommt bzw. worauf man achten muss?) kann ich zum Spiel leider gar nix sagen ;-D

    Ich persönlich finde allerdings, dass sich das abwartende Spiel durchaus etablieren könnte. Wir haben echt extrem viele Spiele mittlerweile zu 0 gespielt (Funchal klammere ich mal bewusst aus). Ich denke dass wir demnächst wieder etwas offensiver spielen werden, wenn sich die defensivaufgaben mehr und mehr eingespielt haben. Insofern sehe ich Werder auf einem sehr guten Weg. Vor allem, da wir eigentlich (insb. wenn Özil zurückkommt) genug „individuelle Klasse“ im Kader haben um auch in einem schwachen Spiel das entscheidene Tor zu machen. Auch durch gute (indirekte) Standards, die ja letztes Jahr… gut, lassen wir das.

    Alle übrigens schon wählen gewesen?

  • Stephen sagt:

    Also, fast so ähnlich war auch der Fazit meines Beitrags. Aber da war der Lars schneller. :) Ich hatte die Ehre, das Spiel gestern aus der Businessloge zu verfolgen. Dass Bremen teils so schlecht nach vorne kam, hatte meiner Meinung nach eher was mit den teils üblen Fehler im Spiel nach vorne zu tun. Man hatte teils das Gefühl, die bringen keine drei Pässe am Stück zuwege.

    Ich hoffe, dass Schaaf dem Boro mal eine Pause gönnt. Fand ihn gestern erschreckend schwach und auch schon davor die Spiele nicht wirklich gut. Und dann diese billigen Versuche, beim kleinsten Körperkontakt ein Foul zu schinden. *gähn* Özil rein und dafür dann Bargfrede nach hinten, der zusammen mit Frings vor der Abwehr agiert.

    @Conti: Für die Kohle findste schon wat anständiges. :)

  • Lars (Autor) sagt:

    Jap, sehe ich auch so. Hunt sollte drin bleiben, Bargfrede sowieso (obwohl auch er oft schlampig spielt), dafür Boro mal raus.

    Und Conti: Natürlich war ich wählen. Hat aber auch nix geholfen… ;-)

  • Bernhard sagt:

    @Conti: Samsung oder Panasonic :)

    Zum Spiel: Ich fand die ersten 30 Minuten grottenfürchterlichgrausamst. Abspielfehlerfestivalrekord. Positiv war allerdings, daß die Mannschaft den Ball wollte, und den ballführenden Spieler der Mainzer schon weit in dessen Hälfte bedrängt hatte. Früher nannte man das „Forechecking“, heute wird eben „hoch verteidigt“. *Ein Schaudern durchläuft den Autor*
    (Zur neuen Ausrichtung Werders hatte ich ja mal so einen Beitrag geschrieben, den niemand mochte, aber so übertrieben war die Glosse wohl doch nicht, oder? ;-P)
    Werder hat den Hurra-Stil zugunsten von Kontrolle aufgegeben. Die Torchancen von Hannover, Mainz und Leverkusen ZUSAMMEN kann man fast an einer Hand abzählen.

    Nach etwas einer halben Stunde dann der erste gescheite Angriff, schnell, präzise und mit dem Willen, den Ball ins Tor zu bringen. Nicht der letzte Traumpaß von Marin, am Ende scheitert Bargfrede am wie immer sehr guten Müller.
    nicht viel später erneut Marin mit einem durch die Abwehr schneidenden Paß, Bargfrede regiert clever und geistesschnell (gut, daß Borowski weit weg war) mit dem direkt gespielten Rückpaß in den Lauf (den vollen) von Hunt. Und wie schon im Pokal zuvor, zeigt er, wie gut er schießen kann. (Das mit dem Paßspiel und den Ballverlusten hat sich immer noch nicht wirklich verbessert)
    Werder hatte jetzt endlich die Sicherheit im Spiel, die direktes Spiel (oh, „One-Touch-Football“) ermöglichte. Dem Tor und Bargfredes Chance davor waren eine Ballstaffette von jeweils etwa 10 Pässen unserer Manschaft vorausgegangen.

    In der zweiten Halbzeit konnten wir dann Zeuge der ersten gelungenen (und was für einer!) Flanke der Saison von Boenisch werden, und Pasanen wollte ihm nicht nachstehen.
    Dank Pizarro war auch der richtige Abnehmer im Zentrum, der sich sein Gerackere zuvor nun verdientermaßen gleich zweifach versüßte, anders kann er ja diese Saison ohnehin nicht, doppelt oder nix :)

    Gewöhnen wir uns an die neue Abfolge im Werder-Spiel: Kontrolle-Paßsicherheit-Spiellaune-Tore. Solange der dritte Schritt nicht erst nach der 75. Minute erreicht wird (gegen Hannover irgendwann in der 333. Minute…), mag uns das weiter bringen, als im letzten Jahr. Und da wars ja alles in allem gar nicht mal so schlecht!

  • borttronic sagt:

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – wer mir auch wieder gut gefallen hat, war tatsächlich Bargfrede – so langsam entwickel ich mich echt zu einem Fan von ihm. Er kann nicht nur einen guten Ball spielen, sondern, was mir richtig gut gefällt, er geht auch an und in den Mann rein, sprich, er kämpft und rackert.

    Da merkt man, dass jemand eine Chance bekommt und dass er alles versucht, diese Chance auch zu nutzen. Dass zwar nicht alles Gold ist, was glänzt, ist klar, aber Fehler seien ihm verziehen, dafür ist er noch jung, unerfahren und macht gerade erst seine ersten Schritte in der Bundesliga.

    Genauso wie Marin gönne und wünsche ich ihm jetzt sein erstes Tor, damit beide noch mehr Sicherheit bekommen.

  • vicco47 sagt:

    @Conti.Guck doch mal bei Versteigerungen.
    Zum Spiel:Ok teils langweilig aber ist das nicht viel besser
    als letze Saison,wo man sich andauernd die Haare gerauft hat?
    Erste Fünf ist drin.

  • Bundesliga Tickets sagt:

    pizarro rockt – ein doppelpack nach dem anderen

  • Conti sagt:

    Wenn ich übrigens noch was anmerken darf, ich finde die Bilder zu den Artikel ziemlich überflüssig. Entweder gar kein Bild, oder eins, das einegewisse Aussage hat. Irgendwie kommen mir die Bilder immer gleich vor. Du könntest zB den jeweiligen Man-of-the-match oder Jubelszenen aus dem Spiel zeigen, oder bei anderen Themen halt jeweils was passendes. Die Bilder machen für mich gar keinen Sinn und stören nur.
    Nicht bös gemeint :)

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