Ziemlich unsympatisch

Karsten 14. September 2009 16 Kommentare Drucken

Über das 0 zu 0 möchte ich gar nicht viel sagen und auf den Artikel von Lars verweisen. Im Großen und Ganzen stimme ich den Ausführungen zu, allerdings habe ich die Hannoveraner jetzt nicht so schlecht gesehen. Sie haben hinten taktisch sehr diszipliniert gespielt und unserer Offensive das Leben schwer gemacht. Allerdings muss Werder solche Gegner, die lediglich auf Zerstören aussind, einfach schlagen. Obwohl unsere Einstellung stimmte, fehlte uns gestern einfach die Durchschlagskraft. Dies wird durch die Tatsache, dass ein Großteil der wenigen Chancen durch Standards zustande kamen, noch unterstrichen.

Hannoveraner Fans

Viel „interessanter“ als das eigentliche Spiel waren die Geschehnisse abseits des grünen Rasens. Schon in den letzten Jahren wurde das Spiel gegen Hannover von der Polizei als risikobehaftet eingestuft. Und das liegt bestimmt nicht an dem Derby-Charakter – zumindest bei mir erzeugt diese Partie nicht mehr Blutdruck als Spiele gegen Bielefeld oder Bochum (ist nicht dispektierlich gemeint). Vielmehr ist es die aufgeheizte Stimmung, die von einigen „“ der 96er ausgestrahlt wird.

Ich finde es schon bitter, dass ca. 25 bis an die Zähne bewaffnete Mitarbeiter der örtlichen Polizei die Zugfahrt begleiten müssen, um möglicherweise aufkommende Eskalationen bereits im Keim zu ersticken. In meiner Nähe saßen auch Familien mit Kindern, denen diese Bilder mit Sicherheit die Vorfreude auf das Fußballspiel nahmen. Am Bremer Bahnhof ging es dann weiter. Mit Kameras wurden die Zugfahrer archiviert und aus dem Gebäude gelotst (Bremer Fans links, Hannoveraner rechts). Dies soll übrigens keine Kritik an der Polizei sein, sondern die Perversion zeigen, wie weit es mittlerweile aufgrund einiger weniger Idioten gekommen ist.

Konfliktmanagement

Auf dem Rückweg hatte ich dann auch meine individuelle Erfahrung mit dem Mobb. Mit Fischbrötchen in der Hand und (ziemlich mieser) Laune über das Spiel im Gepäck bahnte ich mir gedankenverloren den Weg auf das Zuggleis in Richtung Oldenburg. Plötzlich packte mich irgendwas am Arm und trat mir zwischen die Beine. Ich drehte mich verständnislos um und blickte in ein hasserfülltes Gesicht eines schmächtigen Wichtes. Hinter ihm standen der Grund seines Selbstbewusstseins: drei Tiere, die ihm auf die Schulter klopften und mir ihre Fäuste zeigten. Ich bin dann zügig die Treppe zum Gleis hochgelaufen, um dieser albernen Vorstellung zu entkommen.

Natürlich kann ein Verein nur sehr schwierig etwas gegen einige wenige Vollpfosten ausrichten. Nichtsdestotrotz ist es anscheinend kein Zufall, dass mir diese Situation im Heimspiel gegen Hannover passiert ist. Auch in dem Wissen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren sollte, habe ich jetzt einen ziemlich fiesen Beigeschmack, wenn ich an die Roten denke.

Kommentare erwünscht…

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16 Kommentare »

  • Stephen sagt:

    Ja, das ist echt scheiße. Aber man muss dennoch immer bedenken, dass sich fast alle Fans friedlich verhalten. Die menschliche Dummheit und die Tatsache, dass Fußball leider auch Leute anzieht, die nur auf Randale aus sind, lassen sich leider nicht ganz bekämpfen. Auch wenn das kein Trost ist.

    Meine „Lieblingsbegegnung“ mit gegnerischen Fans geht auf ein Heimspiel gegen Hansa Rostock zurück. Schon während des Spiels waren die meisten mitgereisten Rostock-„Fans“ schon ziemlich auf Krawall gebürstet. Auf der Rückfahrt zum Stadion stieg kurz vor Abfahrt noch eine ca. 10-köpfige Hansa-„Fantruppe“ ein. Ab da gab es dann 15 Minuten ausländerfeindliche Parolen, antisemitische Sprüche und noch ein paar Mal „Sieg Heil“. Damals hatte ich das erste Mal meinen kleinen Bruder mit ins Stadion genommen. Ein Glück hat ihn das nicht nachhaltig abgeschreckt. Seitdem reagiere ich allergisch auf Hansa Rostock, auch wenn es nur eine kleine Gruppe war.

    Mein zweites Beispiel ist noch aus diesem Jahr. An einem Samstag Ende Februar war ich in der City und vor dem Bahnhof war ein Großaufgebot der Polizei. Ich war verwundert, denn a) spielte Bremen erst einen Tag später und b) war es sehr viel Polizei, mehr als bei BuLi-Spielen üblich. Da habe ich mal einen der grünen Brigade gefragt und er meinte, dass Werder II gegen Rot-Weiß Erfurt spielt. Oha, da müssen die für die Erfurter Fans mehr Bullerei auffahren als für die meisten BuLi-Spiele.

    Andererseits darf man auch nicht vergessen, dass gerade in Liga 1 und 2 relativ wenig passiert, eben weil die Stadien völlig überwacht werden und viel Polizei vor Ort ist. Wirkliche Gewalt findet ja höchstens in den unteren Spielklassen unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

  • vicco47 sagt:

    Ja Hansa Rostock.Da kenn ich was von.Feindliche,dumme Blicke.
    Aber ausländerfeindliche Parolen haben im Osten ohnehin Hochkonjunktur.

  • vicco47 sagt:

    Ist ja so schön einfach wenn man anderen die Schuld für alles geben kann.

  • rudolf sagt:

    Ich wollte nach dem Spiel von der Haltestelle Hulsberg in Richtung Walle fahren (wie es sich bewährt hat, dort sind die Bahnen die nicht über den HBF fahren nicht so voll). Dort fuhr jedoch keine Bahn – als wir dann zur St.Jürgen Str. runter gelaufen sind haben wir gesehen, dass dort wohl eine größere Gruppe „Fans“ (ich meine Hannoveraner) eingekesselt war und sich weigerten, in die S-Bahn zu steigen. Weiß da jemand was Genaueres? Ich habe nur die Reiterstaffeln gesehen und die Durchsagen der Polizei gehört, ich dachte ich wär im Kindergarten.

  • Stephen sagt:

    @vicco47: Es gibt auch im „Westen“ ausreichend Idioten, die ausländerfeindliche Sprüche klopfen. Das ist nicht allein ein Privileg des Ostens. Außerdem hasse ich dieses Über-einen-Kamm-scheren. Karstens Beobachtung steht nicht für alle 96-Fans, meine Beobachtung nicht für alle Hansa-Fans. Gibt sicherlich auch Fans anderer Vereine, die einmal unangenehme Erfahrungen mit Werder-Fans gemacht haben. Da würden wir uns auch wehren, wenn es auf einmal heißt, die Werder-Fans sind alle asozial. Gerade bei solchen Dingen sollte man die Sache differenzierter betrachten.

  • Karsten sagt:

    Ich hoffe mein Artikel bringt rüber, dass ich nur von den wenigen Idioten spreche, die negative Stimmung machen. Ansonsten habe ich überhaupt nichts gegen Hannover, den Verein und seine Fans.

  • vicco47 sagt:

    @Stephen:Dann schlag ich mal vor du gehst zum Bund und du wirst merken das von 90 von 100 Ossis nur so eine Scheisse labern.
    Ich sag nur :Schönen Gruss aus Magdeburg.
    Klar gibt es da auch Leute ohne rassistische Gedanken.
    Die Sache ist nur die das Rassismus dort Gesellschaftsfähig ist.
    Ich werde sicherlich nicht mit meiner Frau dort hinfahren,schon allein deshalb nicht weil sie dort die falsche Hautfarbe hat und ich keinen Bock auf Stunk habe.
    Dann lieber Westen.Da haben wir „nur“ 50 von 100 und Rassismus hat lang nicht diese Akzeptanz hier.

  • vicco47 sagt:

    Aber Rassismus ist auch kein deutsches Privileg…

  • Karsten sagt:

    Man, vicco, du laberst aber auch einen Scheiss!! Zu derlei Absurditäten sollte der Artikel definitiv nicht anregen. Aber vielleicht hätte mir bewusst sein müssen, dass es einige Leute gibt, die nur auf die „passende“ Gelegenheit warten, um Ihre Parolen loswerden zu können. Schade!

  • Bernhard sagt:

    vicco47 hat leider in der Tendenz recht. Fahrt mal um Berlin herum (Brandenburg) über die Dörfer und vergleich die Gestalten dort mit denen in den Dörfern Niedersachsens. Mit einer Ausländerin zur Frau hat man einen ganz anderen Blick für die Blicke.

    Informiert Euch mal über die unterklassigen Spiele in Sachsen und Thüringen, und deren „Fan“-Gruppen. Auch das sind natürlich Minderheiten, aber Rassismus scheint in vielen Teilen dort in der Tat gesellschaftsfähiger. Die Akzeptanz gegenüber dem Unbekannten hat noch nicht genügend Menschen erreicht. Leider.

    Ob das daran liegt, das man unsere Gastarbeiter in den Sechzigern anders „vermarktet“ hat, als die Vietnamesen/Angolaner in der DDR, weiß ich nicht. Aber wenn ich jemals aufs Dorf ziehe, wird es keines in der östliche Himmelsregion unseres Landes.

  • vicco47 sagt:

    Gegen Fakten andiskutieren?
    Bestimmt keine Parole.

  • vicco47 sagt:

    Ich kann dir da ein schönes Buch von Toralf Staud empfehlen.

  • Christoph sagt:

    Ich habe aus Zeitgründen nicht alle Kommentare gelesen, aber ich kenne auch jemanden (habe mit ihm Abi gemacht) der von Oldenburg nach Hannover gezogen ist. Er war eigentlich schon immer fußball-begeistert, hatte Spaß am pöbeln und war ein eher „rauher“ Typ. Doch auch er war total überrascht, was für Fan-Gruppen es in Hannover gibt. Kein Vergleich zu Bremen oder anderen Vereinen.

    Er hat schon mehrfach berichtet von den Gruppen, die am Wochenende auf Tour fahren, um eben zu pöbeln, zu prügeln und zu randalieren. Diesen Ultras (keine Ahnung, ob ich das Wort bei denen richtig verwende) sei es weniger wichtig, welchen Fußball sie sehen. Die fahren zu Spielen der Bundesliga, zur zweiten oder dritten Mannschaft von Hannover. Hauptsache Unmengen von Alkohol und andere Drogen, Randalieren, Prügeln und Spaß haben.

    Unter deren Spaß, verstehe ich allerdings was anderes. Der Verein tut mir einfach leid. Eigentlich sind die 96er okay, aber das übertreibende Gesindel ist schade für sie und fällt für viele leider auf sie zurück.

  • cons sagt:

    vicco: ich weiss ja nicht mit welchen leuten du verkehrst, aber rein zufällig komme ich aus dem osten und kann deine behauptung, 90% der ostdeutschen würden faschos sein, einfach nur als vorurteil zurückweisen. wenn du so ein bild davon hast, warst du wohl noch nie hier. natürlich gibt es rechtsextreme, aber die habt ihr „im westen“ (ich hasse diese unterscheidung 20 jahre nach dem mauerfall) genauso. und überleg mal, warum so viele nazis auch zum bund gehen: von wegen vaterland verteidigen usw.
    bei solch plumpen vorurteilen krieg ich echt plaque.

  • Stephen sagt:

    @vicco47: Ich kann ja verstehen, dass Du und Deine Frau ganz miese Erfahrungen gemacht haben. Aber dennoch habe ich keinen Bock auf solche Pauschalisierungen. Meine Frau kommt aus Dresden und daher kenne ich einige „Ossis“, aber bislang sind mir die nicht als rassistisch aufgefallen. Und ja, ich war beim Bund, sogar zwei Jahre. Und ja, es laufen da viele Honks rum, aber auch dort sind mir keine Neonazihorden über den Weg gelaufen.

  • vicco47 sagt:

    Na vielleicht war ich ja in der falschen Einheit.Ich habe es immer „Camp Nazi “ genannt.
    Aber doch,ich war in Dresden,Mecklenburgische Seenplatte,Magdeburg,Bernburg etc zum Arbeiten.
    Aber um auch mal was nettes zu sagen.
    Die Leute dort sind herzlicher und Dresden hat mir sehr gut gefallen.
    Nur diese vielen braunen Kuhkaffs die ich da gesehen habe waren echt übel

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