Ich hab‘ da mal zwei Fragen…

Stephen 13. Juni 2009 7 Kommentare Drucken

Der Fußball ist ein kurzlebiges Geschäft. Im Laufe einer Saison wird alle paar Minuten eine neue Sau (sprich: Meldung) durchs Dorf getrieben und schon wenige Tage später weiß man nicht mehr, worüber man sich eigentlich vor kurzem noch aufgeregt hat. Gerade in den großen Medien geht es nur noch darum, die großen Schlagzeilen zu produzieren und Sachverhalte zu Sensationen und Skandalen aufzublasen, ohne die Dinge dann auch wirklich mal aufzuklären. Dabei haben einige Dinge durchaus ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient. Daher dachte ich mir, ich stelle mal zwei Fragen zur abgelaufenen Saison, die noch nicht beantwortet wurden, aber zwischenzeitlich für ziemlichen Trubel gesorgt haben.

Zunächst einmal ist da die Geschichte rund um Jürgen L. Born. Auslöser war der Scheidungskrieg zwischen dem Spielerberater Carlos Delgado und seiner Frau. Diese hatte eine nicht unerhebliche Zahl an Dokumenten aus dem gemeinsamen Haus mitgenommen und brachte mit deren Veröffentlichung den Stein Born ins Rollen. In diesen Dokumenten fanden sich Hinweise darauf, dass Born an Transfers mitverdient haben soll. Die beiden konkreten Fälle waren zum einen die Verpflichtung des Peruaners Roberto Silva im Jahr 2001 als auch die Vertragsverlängerung von Nelson Valdez. Im März kamen die Gerüchte auf und relativ schnell nahm Born seinen Hut, um weiteren Schaden vom Verein fernzuhalten. Sicherlich wird er den Hut auch genommen haben, weil Aufsichtsratschef Willi Lemke damals verkündete, Borns Ausführungen zu dem Thema hätten ihn nicht überzeugen können. Born kündigte damals an, seine Unschuld zu beweisen und danach hörte man relativ wenig. Vor kurzem nun die Meldung, unabhängige Wirtschaftsprüfer hätten Born entlastet und der ehemalige Vorstandschef hätte sich nicht unrechtmäßig belastet. Es bleiben einige Fragen: Zum einen natürlich die Frage, warum Delgado damals das Geld bzw. seinen Sohn zahlte. Da es sich bei dem Bericht um einen Zwischenergebnis handelt, bleibt abzuwarten, was das abschließende Gutachten in der Hinsicht für Erkenntnisse liefert. Dann stellt sich auch die Frage, ob man Born wirklich nur zur „Imagepflege“ losgeworden ist oder ob dort auch andere, machtpolitische, Gründe eine Rolle spielen. Und dann frage ich mich, ob Born hier nur der berühmte Einzelfall ist, oder ob solche Zahlungen nicht vielleicht gang und gäbe sind und Born nur Pech hatte, Kollateralschaden des Rosenkrieges im Hause Delgado zu sein. Sowas wird in diesem Kommentar der SZ angedeutet, ohne weitere Namen und ähnliches zu nennen.

Die zweite Frage beinhaltet wieder Delgado und dessen Spieleragentur Image. Diesmal geht es um die Frage, inwiefern Claudio Pizarro als Spieler an dieser Agentur beteiligt ist. Auch hier wurden, ausgelöst durch die Delgado-Ehekrise, erste Spekulationen und Vorwürfe laut, Pizarro sei mehr als nur stiller Teilhaber bei Image und habe aktiv bei Transfers mitverdient. Einer der konkreten Vorwürfe lautet, Pizarro soll am Transfer von Roberto Silva von Sporting Cristal Lima zum SV Werder mitkassiert haben, da er 30 Prozent der Transferrechte hielt. Zudem wurde gegen Delgado wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt und im Zuge dieser Ermittlungen geriet auch Pizarro ins Visier der peruanischen Staatsanwaltschaft. Die Frage, inwiefern Pizarro an der Agentur beteiligt war und ob seine Beteiligung gegen Statuten der FIFA verstößt, was eine Sperre nach sich ziehen kann, ist bis heute nicht abschließend geklärt, jedenfalls ist mir nichts dergleichen bekannt. Zwar hat das peruanische Parlament Pizarro vor kurzem vom Verdacht der unerlaubten Beteiligung freigesprochen, doch die peruanische Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen des Verdachts der der Steuerhinterziehung. Zudem kamen damals Meldungen auf, der Aufsichtsrat von Werder hätte sich gegen eine Verpflichtung des Peruaners ausgesprochen. Irgendwas muss sich ja geändert haben, denn nun scheint man ja wieder Interesse an Piza zu haben. Ist mir was entfallen und sind alle Vorwürfe vom Tisch? Was sagt denn nu die FIFA zu der Beteiligung? Ist ja für eine Weiterbeschäftigung von Pizarro nicht ganz unerheblich.

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7 Kommentare »

  • toe sagt:

    BITTE Fullfeeds! Keine „more“-Links im Feed :(

  • Stephen sagt:

    Ist gefixt, jetzt zurück zum Thema. ;-)

  • Elgard sagt:

    Dieser Artikel macht lediglich dann Sinn, wenn man alles glaubt, was die BILD irgendwann mal berichtet hat. Eine seriöse Meldung, wonach man bei Werder von einer Pizarro-Verpflichtung Abstand genommen hat, hat es niemals gegeben.

  • Bernhard sagt:

    Zu 2.)
    In einer der letzten Spiegelausgaben wurde das ganze Delgado-Geflecht dargestellt. (Übrigens inklusive äußerst windiger Adidas/FCBayern-Verquickungen!)
    Der Knabe besitzt eine Agentur in Panama (!) und, damit verknüpft, eine weitere in Peru. An letzterer ist Pizarro beteiligt. Die „bösen“ Geschäfte liefen über Panama (Ist ja wohl auch einer der angefeindeten Steueroasenländer)
    Beide Agenturen haben übrigens einen fast identischen Namen und nutzen beide dasselbe (und nicht etwa nur dasgleiche) „IMAGE“-logo.
    Da hat einer viele Tricks versucht, seine schattigen Geschäfte zu verschleiern, aber blöderweise seine verräterischen Geschäftsunterlagen nicht vor der eigenen Frau versteckt :)

    zu 1.)
    Born war ganz sicher nicht ein Opfer irgendwelcher innerbremer Intrigen. Der hat freiwillig seinen Hut ein paar Monate vor dem eh‘ schon länger bekannten Ende seiner Tätigkeit bei Werder genommen, aus genau dem Grund, den er genannt hat.
    Sonst wäre er nicht neulich wieder auf der Tribüne aufgetaucht, neben Herrn Fischer z.B.

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Bernhard: Das mit dem adidas/Pizarro-Deal habe ich auch gelesen. Schon interessant, wie so mancher Spieler finanziert wird. Kann denn nu dem Pizarro noch was Böses drohen? Stand das da auch?

    Das Born zum Jahresende eh gegangen wäre, ist mir bekannt. Dennoch fand ich es relativ komisch, dass er so schnell gegangen ist. Auch wenn Born damals selbst zurückgetreten ist, so hat Lemke damals doch durch seine Aussagen, dass Born ihm nicht überzeugend hat darlegen können, woher das Geld kommt, das Ganze sicherlich beschleunigt. Nun scheint er ja rehabilitiert zu sein, auch wenn ich immer noch auf den Abschlussbericht gespannt bin.

  • Bernhard sagt:

    Die Delgado-Angetraute hat ja wohl um die 4000 Seiten mitgenommen. Solange dieser ganzer Wust nicht vollends aufgearbeitet ist, kann noch sonstwas ans Tageslicht gezerrt werden. Aber Pizarro scheint nach allem, was dort stand, lediglich sehr erfolgreich geldgeil zu sein – was ihn nicht von den meisten seiner Kollegen unterscheidet und nicht verboten ist :)
    Und wenn mich jemand fragen möchte, wem ich eher etwas anvertrauen möchte, Born oder Lemke, also, hmm, naja, der Willi ist mir a bisserl zu gewieft. Würde er bei Bayern sitzen, wär er schon ein gutes Feindbild *hüstel*

  • Stephen (Autor) sagt:

    Naja, für die Bayern ist der Lemke ein Feindbild. Zumindest war er das solange er als Manager für Werder tätig war und immer gegen die „Kapitalisten“ aus dem Süden der Republik gewettert hat.

    Tja, die Lehren aus dem Fall Delgado sind wohl, dass man die belastenden Dokumente am besten auch vor der Frau versteckt, man weiß ja nie. :-)

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