Aufruhr

Stephen 7. Juni 2009 10 Kommentare Drucken

Es herrscht Chaos in der Bundesliga. Erst gibt Felix Magath noch im Endspurt der Saison seinen Wechsel nach Schalke bekannt, dann geht Martin Jol überraschend aus Hamburg weg, Christoph Daum erliegt den Lockrufen aus Istanbul und zuletzt locken die Hamburger Bruno Labbadia an die Elbe. Vor allem die Wechsel von Magath, Jol und Daum waren vordergründig überraschend. War Magath nicht im Begriff, Wolfsburg an die Spitze zu führen? Hatte Jol nicht eine gut Saison mit Hamburg hingelegt mit zwei Halbfinal-Teilnahmen und einem fünften Platz in der Liga? Und warum verlässt auf einmal der Daum das Projekt Köln, wo der Prinz doch erst noch kommt?

Jeder Trainer mag seine eigenen Gründe gehabt haben, wie das unwiderstehliche Angebot für Daum oder die Differenzen in Hamburg darüber, wieviel Macht der Trainer haben darf/soll. Doch allen ist eins gemeinsam: Die Trainer sind von sich aus und auch ohne große Not gegangen. Mag sein, dass hinter den Kulissen Dinge gelaufen sind, die ich nicht durchschauen kann, doch alle Trainer haben ihr Schicksal in die eigene Hand genommen und nicht darauf gewartet, bei der nächstbesten Negativserie den Stuhl vor die Tür gestellt zu bekommen, wie es beispielsweise Felix Magath treffend formulierte. Oder sie haben ihre klaren Vorstellungen und Visionen gehabt und sahen die Chancen, diese zu realisieren, als gering an.

Ganz offensichtlich behagt dieser neue „Trend“ nicht jedem: „Das Job-Hopping muss aufhören“ polterte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und fügte hinzu: „Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundvorstellung nicht vereinbar.“ Bayers neuer Trainer Jupp Heynckes weiß bei Amtsantritt auch gleich zu überzeugen und vermeldet in Richtung Labbadia: „Das kann ich nicht gut heißen. Ich habe noch nie einen Vertrag gebrochen“. Wo kommen wir denn dahin, wenn Trainer nicht mehr ihr Schicksal in die Hände der Vereinsverantwortlichen legen und nach jedem Spieltag vor die Granden des Clubs treten, damit diese den Daumen heben oder senken? Welch eine Verrohung der Sitten, wenn Trainer nicht mehr warten, bis im Falle des Mißerfolgs das übliche Spiel aus Treueschwüren, schleichender Distanzierung und schlußendlich dem finalen Rauswurf beginnt.

Ich persönlich finde es geradezu possierlich, wenn sich Manager und Vorstände von Bundesliga-Vereinen in irgendeiner Form zu den großen Themenbereichen Ethik und Moral äußern müssen. In einer Liga, in der es um Profit und kurzfristige Erfolge geht und man nicht oft genug betonen kann, dass der Spitzenfussball ein Produkt ist, welches man vermarkten muss. Asien-Reise des DFB, anyone? Dabei haben die Leverkusener nur das Pech, sich mit ihren Aussagen in die Öffentlichkeit zu stellen. Nicht, dass es heißt, ich würde hier den Pillendrehern ans Bein pieseln wollen. Kämen die Worte aus dem Munde eines Herrn Allofs würde ich mir ebenfalls an den Kopf fassen und mich vor Lachen biegen.

Nachtrag: Sehr lustig am Verhalten der Leverkusener ist vor allem die Tatsache, dass man sich als Opfer der Willkür des Trainers darstellt. Dabei war Labbadia ein „Dead Man Walking“, der nach dem viel diskutierten Interview in der SZ und der anschließenden Niederlage im DFB-Pokal schon so gut wie gefeuert war. Hätte man Labbadia nach der enttäuschenden Rückrunde, der Finalniederlage sowie dem verbalen Austeilen gegen den Verein entlassen, wäre der Verein nicht um eine Abfindung herumgekommen. Nun hat man aber sogar noch Geld bekommen und kann sich obendrein als armes Opfer darstellen.

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10 Kommentare »

  • xberger sagt:

    Alles abgekartert, nichts dem Zufall überlassen, vorausgeplant, Aktion – Reaktion, Wunschergebnis und der schnöde Mammon (Daum). Wird der Trainer vorzeitig aktiv, kann er nur der Gewinner sein – wirtschaftlich, machtpolitisch. Warum also warten.
    Scheiß Profi-Fußball. Das musste ja so kommen, denn die Sonnenkönige feuerten und feuern wen auch immer wie sie lustig waren und sind.
    Es wird noch schlimmer kommen, im deutschen Fußball. Schauen wir nach England. 4 Mannschaften, und dann? Gähn. Das System frisst sich selbst. Gut das wir Werder haben. Hoffentlich hält es noch ein paar Jährchen. Einige zeigen ja gelegentlich auf uns – als leuchtendes Beispiel, neulich noch Rudi Völler.
    Wer kann uns da retten? Der DFB wirkt hilflos. Ehre und Anstand stirbt vor der Hoffnung!? Danke an Rechtsanwälte und Berater.

  • hilti sagt:

    Noch lustiger am Verhalten der Leverkusener ist, dass sie selbst Labbadia vor einem Jahr bei Fürth aus dem Vertrag gekauft haben.

  • Tom007 sagt:

    Ich kann nur sagen das ich denn Jupp auch gerne in Bremen geseh hätte.Aber ne TS geht ja nicht :-(!

  • Stephen (Autor) sagt:

    Warum eigentlich den Jupp? Wann hat der denn das letzte Mal Erfolge gehabt. Seine Erfolge sind schon ein bißchen her und seine letzten beiden Stationen in Gladbach und auf Schalke waren ja auch nicht so prickelnd. Das Bayern-Intermezzo lasse ich mal außen vor, da man hier nicht so unbedingt sehen kann, was Osram da geleistet hat. Dann doch lieber den ewigen Kandidaten Slomka.

  • Tom007 sagt:

    Ja klar Slomka oder Schuster sind nartürlch Favoriten.Meinte nur das Jupp von seiner ruhigen ausstrahlung gut zu Bremen passen würde.

  • Mo sagt:

    Ach was bin ich froh Fan von diesem Verein zu sein!

    Ich versteh auch nicht wie man jetzt wieder mit der Trainerdiskussion hier anfangen kann aber jedem das seine…

  • Bernhard sagt:

    Und ich verstehe immer noch nicht, warum überhaupt reagiert wird. Immer noch.
    Wenn ihr ’ne Bild-Zeitung rumliegen seht, und die Überschrift euch anschreit, laßt ihr sie doch auch links liegen, oder?

  • Tom007 sagt:

    Naja und wenTS bleibt denn halt nochein Jahr weil länger ist sein Vertrag ja nicht.

  • Stephen (Autor) sagt:

    @Bernhard: Man wird ja noch mal fragen dürfen, oder nicht?

  • Stephen (Autor) sagt:

    Noch Nachschlag zum Thema Moral gefällig? http://www.abendblatt.de/sport/article1045241/Hamburg-Soiree-Von-Beust-kritisiert-Werder.html
    Junge, Junge, zieht euch doch ’nen Rock an!

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