Willkommen im Mittelmaß

Karsten 2. Februar 2009 4 Kommentare Drucken

Werder Bremen vs. Arminia BielefeldFoto: Hajo König (Stadionkultur)

Es hat ein wenig gedauert, bis ich das gestrige Spiel gegen verdauen konnte. Ich hatte gehofft, dass ich die Dinge mit ein wenig Abstand anders (besser) bewerten würde und habe daher darauf verzichten, meine geistigen Ergüsse schon gestern Abend zu Papier zu bringen. Das war aber ein Trugschluss! Es gibt nichts zu beschönigen: ist diese Saison nur Mittelmaß.

Mittelmaß in zweierlei Hinsicht: während wir in der laufenden Spielzeit spielerisch nur ganz selten überzeugen konnten, spiegelt sich diese Leistung nun endgültig auch in der Tabelle wieder. Nach dem 18. Spieltag stehen wir drei Punkte vor dem 1. FC Köln. Und der hat sich aus meiner Sicht noch lange nicht vom Abstiegskampf befreit. Ich will damit nicht sagen, dass Werder um den Klassenerhalt bangen muss. Allerdings halte ich Interviews, in denen z.B. Diego noch von möglichen Meisterschaftsambitionen faselt, für den absoluten Hohn (Anm. d. Autors: Zumal es nicht das erste Mal in den letzten Monaten ist, in denen sich der kleine Brasilianer der Lächerlichkeit preisgibt.).

Doch kommen wir zum Spiel. Das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist eigentlich nicht mal das Ergebnis (obwohl das schon ziemlich schlimm ist), sondern vielmehr die Tatsache, dass Bielefeld so gut wie gar nichts für die drei Punkte investieren mussten. Man merkte den Ostwestfalen regelrecht an, dass sie nicht im Traum damit rechneten am Ende den Platz als Sieger zu verlassen (schließlich war der letzte Auswärtssieg schon über 1,5 Jahre her). Dementsprechend wollten sie eigentlich nur mitspielen, weil es der Anstand (und der DFB) von ihnen verlangte. Mich würde es zumindest nicht wundern, wenn der Zeugwart bis zum kommenden Wochenende freibekäme. Waschen muss er die Trikots mit Sicherheit nicht.

Jetzt auf den Bielefeldern rumzuhacken, wäre aber das falsche Zeichen. Der Sieg war nicht mal unverdient, weil sie geschickt lauerten und die Fehler, die man ihnen bot, eiskalt ausnutzten. Das erste Tor kam durch Schlafmützigkeit der Herren Tosic, Niemeyer und Mertesacker zustande; das zweite legte ihn Frings vor die Füße. Apropos Frings: ich war und bin es immer noch ein Riesen-Fan vom „letzten Deutschen“ (aus meiner Sicht verkörpert er unsere fußballerischen Tugenden wie kein zweiter), aber auch sein Kredit ist bald verbraucht. Vielleicht sollte er endlich mal seine Arroganz ablegen und sich wieder auf seinen Beruf konzentrieren. Dazu gehört mit Sicherheit nicht in der Vorwärtsbewegung zwei Gegenspieler lächerlich machen zu wollen und schon gar nicht das, was er neben dem Platz von sich verlauten lässt: das fing mit der Stammplatzgarantie in der Nationalmannschaft (wo er mit der derzeitigen Leistung nicht hingehört) an, geht über Prognosen eines eventuellen Diego-Verbleibs weiter und hört mit den Gedanken auf, wo er wohl seine letzten Jahre als Profi verbringen wird. Torsten, solange du deine Schuhe für die Grün-Weißen schnürst, interessiert mich das eigentlich recht wenig. Sieh zu, dass du zurück auf die Spur kommst, sonst will dich eh niemand mehr auf dem Rasen sehen, außer vielleicht der ein oder andere Scheich zu seinem Privatvergnügen…

Auch wenn niemand der Akteure gestern auch nur annähernd Normalform erreichte, muss ich einen Spieler besonders hervorheben. Leider nicht im positiven Sinne. Die Leistung, die Herr Fritz da gestern wieder ablieferte, setzte dem ganzen die Krone auf. Ich will mich ja wirklich nicht auf ihn einschießen, aber während Tosic zumindest gewillt war, seine Stollen auf der Außenlinie zu verewigen, musste Fritz dazu nahezu genötigt werden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er den Ernst der Lage nicht erkennt. Clemens, wenn wir in der 80. Minute zuhause gegen Bielefeld mit 1 zu 2 zurückliegen, brauchst du nicht das Ergebnis zu verwalten!

Was unterm Strich bleibt, ist die Gewissheit, dass wieder bessere Zeiten kommen werden. Ich sagte es ja schon so häufig, wiederhole mich an dieser Stelle aber auch gerne: wenn Werder eines nicht ist, dann ist das konstant. Es wird auch in dieser Saison wieder Spiele geben, die uns von den Sitzen reißen werden. Mich würde es nicht wundern, wenn kommenden Samstag gegen Schalke so eine Partie sein wird. Nur leider reift ihn mir die Erkenntnis, dass wir auch in dieser Saison keinen Schritt nach vorne machen werden. Es sind dieselben Fehler wie schon seit Jahren: in der Defensive schlampig, nach vorne ausrechenbar durch die Mitte. Ich hoffe, dass Schaaf noch die Kraft aufbringt und weiter an diesen Fehlern arbeitet. Wirklich gesund sah er gestern im Interview nach dem Spiel allerdings nicht mehr aus.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 9, Durchschnitt: 4,89 von 5)
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4 Kommentare »

  • Tobias sagt:

    Naja, gesund war er wohl auch nicht. Laut werder.de hat er eine Grippe und konnte heute auch nicht das Training leiten.

    Ansonsten muss ich dir leider zustimmen, Werder ist diese Saison bislang nur mittelmaß. Das ist schon komisch, weil die Mannschaft fast nie mittelmäßig spielt. Entweder es läuft richtig gut oder unterirdisch schlecht. Das kennt man ja schon von Werder, aber in dieser Saison überwiegen eindeutig die unterirdischen Auftritte.

    Bin heute eigentlich auch immer noch viel zu gefrustet, um ernsthaft über Werder nachzudenken.

  • Gabriel sagt:

    Kann mich Deinen Äußerungen nicht anschließen. Schön auch Deine Worte zu Frings, dass sehe ich ebenso. Das Positive als auch das Negative.
    Pressekonferenzen schaue ich mir schon gar nicht mehr an, mal im Ernst da kommt doch immer nur das Gleiche von Schaaf und Allofs „Wir sind sehr konzentriert, wir sind sehr motiviert bla bla bla“. Nach dem Spiel gegen Dortmund denken alles der Teamgeist ist zurück, Werder alter Form und dann kann der überlegene Herr Frings natürlich ohne Probleme mal nen ganz hotten vorm eigenen 16er machen gegen ein paar kleine Bielefelder.
    Es gab Konstanz, diese Saison eben nicht. Ich denke wir können das nicht jedes Jahr von Werder erwarten. Als Werderfan sollte man eigentlich hinter den Spielern stehen, aber: Was Tosic und Vranjes da abliefern ist konstant mit „bemüht“ zu bewerten. Wann gibt es hier endlich Ersatz?
    Und was Diego betrifft: Ich mag den Jungen sehr, er ist 23 Jahre jung, da macht man Fehler und auch die ein oder andere Naive Äußerung ich seh ihn gern auf dem Rasen. Aber es kann/darf wirklich nicht sein, dass das Bremers Spiel so sehr von ihm abhängt. Auch wenn das von den Medien immer etwas übertrieben dargestellt wird. So als würde Diego allein gleichzeitig alles 11 Positionen spielen können.
    Und wenn Frings sagt, dass er nicht glaubt das Diego sein Vertrag erfüllen wird, dann geb ich ihm recht unter den Momentanen Umständen, obgleich mich seine ständige „Öffentlichkeitsarbeit“ ebenfalls tierisch nervt. Aber man sollte auch aufhören zu tun als wenn Diego der Einzige wär der den Anspruch auf Internationale Spiele hätte.

    Das wird schon wieder. Und ich geb dir Recht, momentan wäre nichts typischer für Werder als Zuhause gegen einen keinen Gegner eine Niederlage zu kassieren und das WOE drauf auf Schalke zu gewinnen.

    Was Werder braucht ist eine Serie und langsam bin ich es leid zu hoffen.

  • Luna sagt:

    Mir gefiel Fritz auf jeden Fall besser als Tosic – keine Ahnung, wie man das anders sehen kann….
    Tosic hat NICHTS gemacht aus seinen Möglichkeiten, das war Flankentraining für Unbegabte. Man hat das Gefühl, der Gegner braucht nur Tosic genügend Raum zu lassen und das ist eine Sieggarantie, denn wer der den Ball bekommt, ist der Ball sowieso sofort wieder beim Gegner. Und unter dem, was er offensiv zumindest noch versucht (aber mehr auch nicht), leider hinten die Defensive – wo war Herr Tosic als die beiden Tore über seine Linke Seite fielen??? Die Seite war voll verweist (Ein Dank auch an Vranjes….^^).
    Aber okay, so wie das Spiel gegen Bielefeld insgesamt war, kann man nicht nur Tosic die Schuld geben, das war insgesamt einfach zu arm – optische Überlegenheit (aber eben nur in Form von Ballbesitz), aus der NICHTS gemacht wird, kaum Torgefahr und dann immer wieder grausame, individulle (jaja Herr Frings) und kollektive Fehler.
    Hoffen, dass es doch noch irgendwie besser wird – auch wenn die Hoffnung schwindet….

  • Spielbericht Energie Cottbus gegen Werder Bremen » WERDERBLOG.NET sagt:

    […] Willkommen im Mittelmaß (02.02.2009, 14:56) […]

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