Herr Peters redet dummes Zeuch

Bernhard 18. November 2008 4 Kommentare Drucken

(Fast) werderfreie Gedanken zu diesem kicker-Artikel.

Warum bin ich dagegen? Bin ich altmodisch? Habe ich keine Ahnung? Oder ist beim Fußball der Spielfluß nicht sowieso höher als beim zerpfiffenen Hockey? Auf jeden Fall haben die vier Offiziellen bereits alle Hände voll zu tun. Der Mann an der Linie, der die ganze Wechselei zu überwachen hätte, müßte den ganzen Wechselflohzirkus ständig im Auge behalten, dabei muß er dann auch noch be-Klopp-te Trainer im Zaum halten.

Das Prozedere soll also und kann nur über eine relativ eng gehaltene Wechselzone rechts und links der Mittellinie (jeweils eine Seite pro Mannschaft) ablaufen, eine Zone, die gerne für Abseitsfallen genutzt wird. Ich sehe das Chaos und Gemecker schon vor mir, wenn dann auch taktische Wechsel zu den taktischen Fouls dazukämen. Mal eben zwecks Wechsel hinausgehüpft und den Angreifer Abseits gestellt oder wie? Und wer zählt dann immer schön bis elf, falls sich wie beim Handball oder Basketball gleich mehrere Spieler dort einfinden? Oder sollen die „fliegenden Wechsel“ doch nur stattfinden, während der Ball ruht? Soll es also gar nicht mehr möglich sein, einen Freistoß oder Einwurf schnell auszuführen, weil ein Spieler der verteidigenden Mannschaft mal eben diagonal über den Platz trabt, um seinen eigenen Leuten die Möglichkeit zu geben, sich wieder zu einer Cottbusser Mauer der Lustlosigkeit zu formieren? Das verlangsamt den Spielfluß also stattdessen.

Womit ich schon mitten beim ersten seiner fünf Punkte wäre, dem Spielfluß. Wie er auf die Idee kommt, daß Fußballspiele in der Schlußphase noch einen Turbo bräuchten, damit sie interessanter würden, weiß ich nicht, aber oft genug geht es doch genau dann noch mal so richtig ab, wenn nämlich eben noch einmal letzte Kräfte freigesetzt werden. Ich kenne da so eine Truppe…oder kannte.

Weiterhin glaubt er, damit den Stammplatzdiskussionen einen Riegel vorzuschieben. Aber er macht aus 11 Freunden nur 18, und was in der Halbzeitpause ein auf der Tribüne schmorender Spieler, sagen wir mal ein Stürmer mit sehr bemühtem Strichbärtchen zum Beispiel, macht, das wissen wir doch alle. Auch diesen Punkt können wir wohl streichen.

Ein das Phrasenschwein immer wieder füllender Satz spricht von der fehlenden Bindung eines eingewechselten Spielers, der nur noch für zehn Minuten hereinkommt. Und wer sich an die Wechselorgien bei Freundschaftsländerspielen erinnert, wird wohl kaum glauben, daß diese 18 Spieler homogener auftreten, als es 11 oft schon nicht schaffen. Das Stichwort Laufwege muß ich gar nicht weiter ansprechen. Aber vielleicht ist Hockey ein einfacher gestricktes Spiel – wieviel Prozent der Tore fallen da noch mal durch kurze Ecken?

Was seine beiden letzten Punkte angeht, muß ich mich ein wenig zurückhalten, da ich nicht weiß, wieviel Einfluß der Trainer in der Hitze des Gefechts wirklich noch hat. Aber stört uns das als Zuschauer, als Fan? Ich will nicht auf Teufel-komm-raus Änderungen meines Lieblingssports, der aus gutem Grund die Nummer 1 weltweit ist. Ich will auch keine Auszeiten, keine größeren Tore, kleinere Plätze, ovalere Bälle. Ich will keine Experimente, bei denen der Vorschlagende ja selbst schon die erste Einschränkung nennt: Er möchte keine Einwechslungen „nur zu Freistößen oder Elfmetern“. Heißt das, es gibt Mindesteinsatzzeiten? Heißt das, das vor keinem Freistoß eingewechselt werden darf? Oder nur nicht vor denen die zu nahe am Tor sind? Und wieviel Meter sind zu nahe am Tor? Hängt das davon ab, ob Naldo im Kader ist oder nicht? Nein, wir müssen hier nicht noch einen Regelpunkt hinzufügen, der im Umfang seiner Unterpunkte dem Abseits gleichkommt, vielen Dank.

Ich will ein flüssiges Spiel. Regeln, die Zuwiderhandelnde mit einer Gelben Karte verwarnt sehen möchten, gibt es bereits zur Genüge (Zeitspiel, Ballwegschlagen,  die Ausführung eines Freistoßes blockieren usw.). Ich will Spieler sehen, die in der Verlängerung auf dem Zahnfleisch gehen und alles geben, weil eben nicht mehr gewechselt werden kann. Ich will auch keine Umgewöhnungszeiten.

Ich will einfach nur Fußball, Herr Peters!

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 7, Durchschnitt: 4,43 von 5)
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4 Kommentare »

  • Didiman sagt:

    Also wenn man sich mal wirklich ein ganzes Hockeyspiel angeschaut hat, dann weiß man, das dort von Spielfluß ja schon mal überhaupt keine Rede sein kann. Diese Sportart ist doch inzwischen soweit gediehen, das es nur noch darum geht, dem Gegner irgendwie die Kugel an die Fuß zu spielen und eine kurze Ecke heraus zu holen. Das kann kein Vorbild für den Fußball sein.

  • Stephen sagt:

    Der arme Herr Peters, wahrscheinlich nicht ausgelastet bei Hoffenheim. Aber is ja klar, dass wieder die ganzen Fußball-Romantiker ob dieser famosen Idee rumheulen. Ich fordere darüber hinaus Timeouts, eine effektive Spielzeit (wenn Ball im Aus oder bei Foul wird die Uhr angehalten), eine Aufteilung der Spielzeit in Achtel und die Möglichkeit, je Mannschaft zehnmal pro Spiel strittige Szenen per Videobeweis entscheiden zu lassen. Außerdem haben die Spieler in hautengen Ganzkörperanzügen rumzulaufen, weil das Auge isst ja mit.

    Mein letzter Vorschlag ist der Zwangsabstieg von Vereinen, deren Funktionäre so einen Quark daherlabern. Also, liebe Werderverantwortlichen: Klappe halten.

  • Bernhard Peters und der fliegende Wechsel « 15:00 Taktikbesprechung. sagt:

    […] Auch der WerderBlog beschäftigt sich mit der Thematik und argumentiert gegen Peters. Unter anderem geht es um drohende […]

  • Jürgen sagt:

    Klasse Artikel und 100%ige Zustimmung. Ich bin auch Romantiker und will weiterhin auf der Bank schmorende Poldis und auf dem Zahnfleisch gehende Spieler in der Verlängerung sehen. Gelb-rote Karten würde es dann wohl auch fast nicht mehr geben?
    Ich war einige Male beim Hockey und fand es trotz großer Sportaffinität stark gewöhnungsbedürftig. Wenn bei einem Bundesligaspiel 200 Zuschauer zugucken, von den sich zwei Drittel aus ehemaligen National- oder Vereinsspielern und Lebensgefährten der Spieler rekrutieren und das mediale Dasein der Sportart auf olympische Spiele reduziert, hätte Berni in seiner Zeit als Bundestrainer lieber vor der Hockey-Haustür kehren sollen. Ohne sonstige Vorschläge von Herrn Peters zum Fussball aber per se als Unfug abtun zu wollen.

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