Das Udo Lattek-Schwein

Lars 19. Oktober 2008 4 Kommentare Drucken

„Gehaltvolles ist garantiert, wenn sich die Experten über die „schönste Nebensache der Welt“ unterhalten und das aktuelle Fußball-Geschehen in Doppelpass – Die Krombacher-Runde eingehend analysieren.“ …

Grund dieses Beitrags ist die Diskussion über Frings im DSF-Doppelpass, insofern natürlich subjektiv, und auch hier wird man Phrasen finden, aber es geht ja schließlich um Fußball…

Wenn man wissen will, was mit dem deutschen Fußball-Journalismus – und damit leider auch oft genug mit dem deutschen Fußball – falsch läuft, der schaue DSF im Allgemeinen und den DSF-Doppelpass im Besonderen. Heute ging es unter anderem um Frings und grundsätzlich stimme ich einigen der da gemachten Äußerungen zu und sage und habe auch gesagt, dass Fringsers Verhalten albern bis lächerlich ist und seine Nichtberücksichtigung berechtigt war.

Was allerdings einige der Journalisten zu den Umständen sagten, war so hanebüchen, wie etwas nur sein kann. Zum Hintergrund: Frings hatte der Bild-Zeitung ein Tag nach dem Spiel gegen Wales ein Interview gegeben, in dem er seiner Enttäuschung Luft machte und einen möglichen Rücktritt oder zumindest das Nachdenken darüber ansprach

Mitarbeiter der Bild wiederum, gemeinsam mit allen Ablegern wie Sport-Bild, BamS, Bild der Frau et cetera machen gefühlte 97 Prozent der Belegschaft des Doppelpass aus, ob gestern einer dabei war, weiß ich nicht, tut aber auch nichts zur Sache. Dies bedeutet also, dass der Doppelpass ohne Interviews, wie das von Frings, kaum zu Stande käme. Über was wollen sich diese Fachleute denn sonst so zwei Stunden lang unterhalten? Es geht doch höchstens nur zehn Minuten der Sendezeit um Themen, die in erster Linie nichts mit Gerüchten und Entgleisungen der Spieler und Trainer und anderer Beteiligter in Interviews oder Ähnlichem zu tun haben.

Zurück zur Diskussion um Frings: Tom Bartels vom Qualitätsfernsehen ARD Hansi Küpper von Premiere entblödete sich nicht, in die Kameras ungefähr folgendes zu sagen:

„Wo kämen wir denn dahin, wenn Löw sich nun ständig zu seiner Aufstellung rechtfertigen müsse? Das zerstört über kurz oder lang jede Nationalmannschaft.“ Genau, wo kämen wir denn dahin, lieber Möchtegernbundestrainer!

Als der erfrischend nüchterne und klar denkende Heribert Bruchhagen dann einwarf, dass sich Frings während der Tage mit der Nationalmannschaft und auch noch nach dem Wales-Spiel beim Abendessen sehr kollegial, mannschaftsdienlich und damit vorbildlich verhalten habe, versuchte ein anderer Diskutant (wahrscheinlich von der Bild), das Ganze wieder in die richtige Richtung zu drehen, indem er ungefähr meinte:

„Ok, Frings wird sich vielleicht beim Abendessen gut verhalten haben, aber dann kommt er nach Hause und hört von Management und Trainer in Bremen, dass diese Situation unhaltbar ist und er sich wehren müsse…“

Einwurf Bruchhagen: „Schaaf mit Sicherheit nicht.“

Daraufhin palavert der Journalist weiter: „Ok, der Werdertrainer nicht, aber Management und…also jetzt nicht das Management vom Verein, sondern das persönliche Umfeld von Frings reden auf ihn ein und dann kommt so eine Aussage zustande blablabla…“

Und jetzt spekuliere ich mal: Könnte es nicht auch so gewesen sein, dass Frings zurück nach Bremen kam und irgendwo irgendein Bild-Redakteur auf ihn wartete und ihm einredete, dass diese Situation unhaltbar sei und dass er, der große und verdienstvolle Frings, so nicht mit sich umspringen lassen dürfe und Frings war eh nicht so richtig gut gelaunt (wann ist er das überhaupt einmal…?) und, schwuppdiwupp, ist das Interview im Kasten…?

Wenn sich solche Journalisten öffentlich über so etwas aufregen dürfen, dann darf sich auch öffentlich darüber aufregen, dass er in der Nationalmannschaft nicht berücksichtigt wurde.

Und , der mit jedem redet, aber keiner mit ihm, saß da wieder rum und durfte seine üblichen Sprüche raushauen, zu denen alle höflich bis gequält lachten und klatschten. Wenn es für ihn ein Extra-Schwein gäbe, in dem er immer einzahlt, wenn er Dinge sagt wie, Spieler sind egoistisch, Wenn das bei mir passiert wäre, Ich habe mit dem Trainer nach dem Spiel geredet, Ich kenne den Spieler sehr gut, Ich würde sie alle umbringen…, dann gäbe es keinen Pflegenotstand in Deutschland. Um Missverständnissen vorzubeugen: Genau das wollte ich mit dem Titel dieses Beitrags ausdrücken, nicht etwa das Udo Lattek eins ist.

Wie auch immer, wenn Journalisten über Fußball reden, kommt selten etwas Sinnvolles bei rum und es stört mich ungemein, dass wir trotzdem auf diese Medien angewiesen sind, wenn es um Fußball geht. Und das ist auch der Grund, warum ich mittlerweile aus den Medien fast nur noch die News ziehe, Hintergründiges aber aus Blogs. Denn dort geht es zwar genau so subjektiv zu wie in den Medien, aber wenigstens ehrlich, unabhängig, kontrovers und oft humorvoll.

Und: Ja, es stimmt: ist langweilig…

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4 Kommentare »

  • Markus sagt:

    Trotz der von dir auch angesprochenen Sensationsgeilheit des DSF, schau ich mir den Doppelpass doch ganz gern an.
    Immerhin sitzen auch „seriöse“ Journalisten, Fussballer und Verantwortliche mit am Tisch.
    Beim Drüberlesen über deinen Blog-Post frag ich mich aber wen oder was du gesehen hast.
    Tom Bartels (ARD) habe ich aber am vergangenen Sonntag in der Runde nicht entdeckt. Der einzige TV-Mann war diesmal Hansi Küpper von Premiere, markante Stimme, lichter werdendes Haar und durchaus kompetent.
    Nachzusehen ist die Diskussion nochmal im DSF-Videoportal => http://dsf.de/#dsfchannel/Doppelpass/Video/653_diskussion_über_frings_rücktrittsandrohung
    Nur als kleiner Hinweis

  • Lars (Autor) sagt:

    Du hast recht, es war Hansi Küpper, ich fühlte mich schon gleich so unwohl, als ich Tom Bartels schrieb (hatte ich irgendwo gelesen, dass er kommt…). Da habe ich wohl schlecht recherchiert… ;-)

    Danke Deines Links durfte ich mir dann nochmal seine oben von mir zitierten Aussagen anhören und sie werden dadurch nicht besser, dass es ein Premiere-Mann war.

    Das ändert aber auch nichts an meiner Sicht dieser Sendung. Ich werden den Doppelpass sicher auch weiter immer wieder mal gucken, mich aber dann auch genauso wieder ärgern (dann aber wieder leise für mich). Natürlich sind macnhmal auch seriösere Journalisten dabei, dann strahlen die anderen nur noch „heller“. Gerade wenn Manni Breuckmann da ist, macht die Sendung Spaß, weil er sich gerne mal über das Ganze lustig macht…

  • Fränk von Schleck sagt:

    Smudo Lattek ist auf jeden Fall mittlerweile völlig unzurechnungsfähig. Gerüchten zu Folge bekommt der kommentarlos Sonntag morgens zwei Weizen in die Maske gestellt…. :-)

  • Lars (Autor) sagt:

    Und es war richtig erholsam, am Sonntag den Doppelpass gucken zu dürfen ohne Lattek und dafür mit Klaus Allofs.

    Nur die Medienschelte hpts. gegen die FAZ von Thomas Wark (ich glaube/hoffe, er war es) war ein bisschen albern. Als ob ARD oder ZDF nicht sofort ja gesagt hätten, wenn Michael Ballack sie angerufen und gefragt hätte, ob sie ein Interview mit ihm wollten…

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