“Was wir uns vorgenommen haben…”
Wie oft will Thomas Schaaf diesen Satz eigentlich noch von sich geben: “Wir haben nicht das gezeigt, was wir uns vorgenommen haben!” Eigentlich liebe ich ihn ja für diese Art von Interviewführung. Jenes Spiel: “viel sagen, ohne was zu sagen”, beherrscht er wie kein zweiter Trainer in der Bundesliga. Wenn man ihn in der Öffentlichkeit sprechen hört, könnte man denken, er wäre ein verlorener Bruder von Mario Basler oder Lukas Podolski. Ich bin mir allerdings sicher, dass er diese Form von Sprachakrobatik ganz bewusst wählt, um nicht allzu viel von sich preiszugeben. Hinter dieser Fassade steckt ein hochintelligenter Geist.
Kommen wir aber zurück zu diesen von ihm in den letzten Wochen vielfach herangezogenen Satz. Mir ist schon klar, dass sich Schaaf und seine Mannschaft nicht vorgenommen haben, in Stuttgart sang- und klanglos unterzugehen. Dass man sich nicht vorgenommen hat, Zweikämpfe zu vermeiden und im Mittelfeld den Windmühlenkampf durch die Mitte zu verlieren. Was aber sind die Ursachen für dieses ganzheitliche Versagen?
Zugegeben Stuttgart hatte gestern einen für ihre Verhältnisse sehr guten Tag. Dies ist aus meiner Sicht unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass ein Spiel gegen Werder Bremen langsam aber sicher einen ähnlichen Motivationsfaktor auslöst, wie eine Partie gegen die Bayern. Nichtsdestotrotz sind die katastrophalen Fehler, die Werder gestern mal wieder zuhauf fabrizierte, nicht zu erklären.
Gestern befand sich zwar die gesamte Mannschaft in einer Art Schlafzustand, dennoch liegt der Pfeffer wie so oft in der Defensive begraben. Ich halte zwar viel von Prödl und gestehe ihm auch (noch) eine gewisse Eingewöhnungszeit zu, allerdings gilt das nicht für seine Behäbigkeit in Laufduellen. Auf 10 Metern lässt er sich 8 abnehmen. Und dies trifft nicht nur auf die ersten 10 Meter zu. Mit diesem Defizit ist er eine Zeitbombe für jede Viererkette.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nicht mehr allzu viel Worte über Clemens Fritz zu verlieren. Leider fehlen Thomas Schaaf derzeit die Alternativen. Gestern hat er zwar besser nach hinten gearbeitet, dafür ging aber rein gar nichts nach vorne. Das Ergebnis war, dass die Herren Frings, Özil und Diego permanent durch die Mitte anrennen wollten / mussten. Jede Thekenmannschaft kann sich darauf recht schnell einstellen. So dann auch der VFB Stuttgart. Und wenn dann mal ein genialer Pass seinen Mitspieler fand, dann wurde diese Chance auch noch kläglich vergeben (siehe Rosenbergs Heber gegen Lehmann).
Was muss also passieren, dass wir wieder “das zeigen, was wir uns vorgenommen haben”? Ganz ehrlich? Ich weiß es auch nicht! Mir gibt diese Mannschaft Rätsel auf. Wie schon mehrfach gesagt, stand sie noch nie für Konstanz. Wenn man sich aber nicht mal gegen eine Mannschaft wie den VFB Stuttgart motivieren kann (insbesondere in Hinblick auf die deftigen Niederlagen in den vergangenen Spielzeiten), dann weiß ich langsam auch nicht mehr weiter.
Wie hat dir der Artikel gefallen?


(Stimmen: 4, Durchschnitt: 3.75 von 5)
Kommentieren
HTML-Unterstützung:
<b> <strong> <em> <i> <p> </br> <ul> <li> <ol> <a href="" title=""> <blockquote> <del datetime="">