Ausrutscher oder System?
Ich weiß es nicht. Einerseits ist es einfach typisch Werder. Nach zwei richtig guten Wochen (die natürlich die grundsätzlichen Schwächen der Mannschaft nicht verdeckt haben) gab es gestern ein Spiel, das ich von vorne bis hinten eigentlich nur als eine Riesenenttäuschung beschreiben kann, wenn ich mir dabei nicht gleichzeitig denken würde: Typisch Werder. Und vielleicht bin ich auch typischer Werderfan, dass ich eben nicht so richtig enttäuscht bin von dem Spiel gestern und mir denke: Mein Gott, das gehört eben dazu, die anderen Mannschaften haben auch nicht wirklich geglänzt, wir Bremer kommen schon noch ins Rollen und wenigstens die Bayern mal so richtig abgeschossen…dass Letzteres mittlerweile nicht mehr wirklich ein Qualitätsmerkmal ist, haben wir die letzten Wochen allerdings auch gesehen.
Aber zum Spiel gestern: Die ersten zehn Minuten habe ich mich tatsächlich wie der Kommentator auf Werder.tv einlullen lassen und dachte, dass das Ganze doch einigermaßen souverän aussah. Weitere zehn Minuten später merkte ich, dass diese Souveränität in Wirklichkeit Langsamkeit, Planlosigkeit, Konzentrationslosigkeit, Durchsetzungsschwäche und Müdigkeit(?) war; und Vorsicht der Stuttgarter, die nicht, wie Hoffenheim und Bayern, nach 40 Minuten weit zurückliegen wollten. Als die Schwaben dann, gleichzeitig mit mir, gemerkt haben, dass von den Bremern offensiv nichts kommt bei gewohnter Defensivschwäche, schlugen sie zu. Und waren dabei nicht mal total überlegen.
Woran lag es? Schaaf hat die Mannschaft eher defensiv aufgestellt mit Frings und Baumann mehr oder weniger hinter Özil und Diego und den Defensivexperten Pasanen für Boenisch. Das kann aber nicht wirklich der Grund dafür gewesen sein, dass es mit dem Tore schießen nicht klappte, siehe Bayern-Spiel. Das Spiel am Mittwoch war es wohl auch nicht, die Stuttgarter hatten ihr Europacup-Spiel am Donnerstag. Vielleicht waren sich die Spieler wieder einmal zu sicher und dachten, nach den tollen Spielen und Kommentaren der letzten Zeit klappt alles wie von alleine. Im Gegensatz zu den Stuttgartern, die ihr Famagusta-Spiel und damit den Hallo-Effekt am Donnerstag hatten und deswegen gestern richtig bei der Sache waren.
Die Bremer wurden immer dann gefährlich, wenn es über außen ging…und trotzdem rannten Diego und Özil und Frings und alle anderen immer wieder durch die Mitte, bis auch der letzte Stuttgarter geschnallt hatte, wie man das verteidigen kann. Das ist ein Trend, der sich seit einigen Spielen festgesetzt hat. Warum ändert die Mannschaft daran nichts? Dass sie es können und dass es was bringt, hat man auch im Spiel gestern gesehen. Und wenn dann der Ball im mittigen Spiel nach vorne verloren ging, spielte Stuttgart wie aus dem Lehrbuch. Mehr braucht es nicht, um die Bremer an einem schlechten Tag zu schlagen.
Und nochmal zu den Außen: Wahrscheinlich musste es auch die ganze Zeit durch die Mitte gehen, weil Fritz derzeit außer Form und Pasanen kein Spieler ist, der auch nur den klitzekleinsten Drang nach vorne hat. Bei einem Stand von 1:0 für Werder, ist das sicher eine gute Sache, dann kann die gut stehende Abwehr darauf warten, dass der Gegner Fehler macht und schnell über Diego und Özil nach vorne spielen. Wenn es jedoch darum geht, selber Druck nach vorne aufzubauen und Tore zu machen, braucht es echte Außenspieler. Dass Fritz es kann, hat er ab und zu gezeigt, aber es reicht halt nicht. Und immer auf Geistreiches von Diego und Özil zu warten, ist auf die Dauer auch etwas durchsichtig und ermüdend.
Man kann auch nicht irgendeinen Spieler herausheben, an dem es letztendlich gelegen hat (Vielleicht allerhöchstens noch Mertesacker, das Spiel ähnelte nämlich stark den ersten beiden Partien). Uninspiriert waren auf jeden Fall alle gleichermaßen und damit haben die Stuttgarter gewonnen, weil die Bremer sie gelassen haben. Insofern: Vielleicht doch nur typisch Werder und die nächsten Spiele geht es wieder rund?
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