Werder verteilt munter Geschenke
Auch mehr als 24 Stunden danach steckt mir die Enttäuschung noch tief in den Knochen. Werder verliert auch gegen den VFL Wolfsburg mit 0 zu 1 und verspielt in ein paar Wochen, was man sich über Monate hinweg mühsam aufgebaut hat. Ich könnte es mir (und der Mannschaft) leicht machen und die Misere auf die hohe Belastung der unterschiedlichen Wettbewerbe im Zusammenhang mit einer Vielzahl von verletzten Leistungsträgern schieben. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht wirklich, dass es daran liegt. Auch in der Hinrunde hatten wir mit derlei Hürden zu kämpfen und beendeten diese auf dem zweiten Platz punktgleich mit dem Tabellenführer. Mittlerweile sind es 9 7 Punkte, die uns von den Bayern trennen und wenn ich mir die Leistungen der beiden Mannschaften ansehe (die Niederlage gegen Cottbus einmal ausgeklammert), ist das eigentlich noch viel zu wenig. Ich will jetzt nicht in Polemik verfallen und alles mies machen, aber die Darbietungen nach der Winterpause treiben mir wirklich die Röte ins Gesicht. Und zwar aus zweierlei Hinsicht: aus Scham und aus Wut!
Fehlender Wille und Einsatzbereitschaft kann man der Mannschaft nicht vorwerfen. Und den Umarmungen vor dem Spiel nach zu urteilen, scheint mir die Stimmung im Team auch einigermaßen intakt zu sein. Zugegeben, bei Nahaufnahmen sieht man den Gesichtern einiger Spieler schon die Strapazen der letzten Wochen an, aber dennoch ist die Vorwärtsbewegung mitunter gar nicht so übel. Wir machen nur einfach die Bude nicht.
Natürlich könnte man jetzt auf die Stürmer einprügeln. Die Chancen, die Rosenberg, Almeida und co. vergeben, können einen schon verzweifeln lassen. Aber ich mache weniger der Offensive einen Vorwurf. Solche Phasen, in denen einfach nichts gelingen mag, hat jede Mannschaft einmal. Dass wir es können, haben wir in der Hinserie gezeigt, in der wir (mal wieder) die meisten Hütten aller Mannschaften erzielten. Was mich viel mehr zur Weißglut bringt, ist die wiederholt desolate Defensivarbeit. Ich glaube, für Felix Magath war es noch nie so einfach, seine Spieler auf einen Gegner vorzubereiten. Eigentlich muss man nur kompakt stehen. Irgendwann wird sich die Möglichkeit zum Konter schon ergeben. Der Rest ist dann eigentlich nur noch Formsache.
Ich weiß gar nicht, ob man den Spielern wirklich einen Vorwurf machen kann. Meiner Meinung nach haben wir das Spielerpotential für eine solide Defensivarbeit. Vielleicht ist der Fehler vielmehr beim Trainerstab zu suchen. Nein, ich möchte keine Diskussion um Thomas Schaaf lostreten. Und nein, ich möchte nicht den Rückschritt zum öden Sicherheitsfußball. Nur langsam wäre es an der Zeit, zu konstatieren, dass wir so eben gegen jeden Gegner verlieren können. So lange wir vorne keinen Knipser haben, der immer eine Bude mehr schießt als der Gegner, kannst du diese grenzenlose Naivität einfach nicht an den Tag legen. Am Schlimmsten ist es bei Ecken. Ob da nun 5 oder 10 Feldspieler im gegnerischen Strafraum stehen, wir strahlen ohnehin keine Torgefahr aus. Ich verstehe nicht, warum wir dann nicht lieber nach hinten absichern?!
Ich stecke zwar noch nicht den Kopf in den Sand, aber langsam mache ich mir Sorgen. Wenn wir so weiter spielen, werden wir nach unten durchgereicht. Und ohne Champions League wird es schwer werden einen Diego an der Weser zu halten. Und dann könnten wir doch schneller als uns lieb ist zurück zum öden Mittelmaß verfallen.
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