“Stand up and fuck off”
Bis zum heutigen Nachmittag verlief die Woche für Werder Bremen sehr erfolgreich. Zuerst verlängerte Manager Klaus Allofs seinen Vertrag bis zum Jahr 2012 und dann gewann Werder mit angezogener Handbremse gegen Sporting Braga und zieht in das Achtelfinale des UEFA-Cups ein. Heute setzte es dann allerdings gegen Eintracht Frankfurt eine bittere 0 zu 1 Niederlage. Neben dem Spiel verlor man auch noch Diego, der in der 40. Minute vom Platz gestellt wurde.
Über die Partie selber möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen. Werder verschlief die Anfangsphase und hatte Glück (und Wiese), dass man nicht schon zu früher Phase in Rückstand geraten ist. Das Spiel war sehr zerfahren und bewegte sich auf einem überschaubaren Niveau. Nach den ersten 20 Minuten fing Werder sich ein wenig und war die spielbestimmende Mannschaft, konnte aber daraus nicht wirklich große Chancen entwickeln.
In der zweiten Halbzeit leistete sich der auch sonst auffällig schlechte Boenisch einen Lapsus und spielte im Spielaufbau einen völlig unmotiverten Pass in die Mitte. Vranjes konnte ihn nicht verarbeiten und irgendwie kam der Ball zum freistehenden Amanatidis, der nur noch einschieben musste. In der Folge kämpften die 10 Bremer um einen Punkt. Klasnic, Borowski und auch Naldo per Freistoß hatten gute Tormöglichkeiten, scheiterten aber am guten Frankfurter Schlussmann Nikolov.
Obwohl Werder einen Punktgewinn in der zweiten Halbzeit selber in der Hand hatte und sich daher an die eigene Nase fassen muss, war die Schlüsselszene des Spiels für mich eindeutig der Platzverweis von Diego. Vorweg: die rote Karte ist absolut gerechtfertigt. Es war kein böses Foul (ich rechne mit 2 Spielen Sperre), aber es war eine Tätlichkeit. Von daher kein Zweifel an der Entscheidung des Schiedsrichter Fleischers. Dennoch ist die Art und Weise des Zustandekommens höchst bedenklich. Da ich im Gegensatz zu den Protagonisten in den Medienanstalten keinerlei Zwängen unterliege, kann ich offen darüber reden: für mich war dieser Platzverweis bewusst geplant. Diego bekommt man zwar in jedem Spiel auf die Klamotten, jedoch hatte das heute eine ganz andere Qualität. Kein anderer Spieler wurde so bewusst angegangen wie er. Dabei wechselten sich die Frankfurter sehr geschickt ab und verteilten die Fouls auf mehrere Schultern. Gleich zwei Frankfurter bekamen gelbe Karte wegen Fouls gegen den Brasilianer. Hinzu kam das besonders sympathische und faire Publikum, dass Diego bei jedem Ballkontakt lautstark auspfiff.
Die 40. Minute war dann eben der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Kyrgiakos stocherte wahllos in den Beinen von Diego herum. Da er ihn dabei aber nicht zu Fassen bekam, pfiff Fleischer korrekterweise nicht ab. Diego stolperte und verlor den Ball. Daraufhin drehte sich Kyrgiakos noch einmal um und schrie ihn an (Zitat Diego nach dem Spiel): “Stand up and fuck off”. Diego tat wie ihm geheißen und verpasste dem zotteligen Griechen einen Bodycheck, woraufhin dieser theatralisch zu Boden ging. Keine Frage, derlei Aktionen dürfen Diego nicht unterlaufen und er entschuldigte sich nach dem Spiel bei Mannschaft und Trainer. Andererseits kann ich ihn schon verstehen: auf dem heimischen Sofa war ich selber drauf und dran, den Fernseher einzuschlagen.
Dass Diego jetzt fehlen wird, ist zwar bitter, aber ich denke, dass Werder den Verlust nach der Rückkehr von Daniel Jensen verkraften wird. Vielleicht kann Diego die Pause ja nutzen seine Schambeinentzündung auszukurieren. Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV morgen gegen die Bayern punktet. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde…
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