Halbzeitfazit und Rückrundenausblick

Karsten 20. Januar 2008 Keine Kommentare Drucken

In meinem SPAM-Ordner habe ich heute diese E-Mail von Andre gefunden. Er hat sie zwar bereits am 04.01. geschrieben, aber die Inhalte sind nach wie vor aktuell. Vielen Dank für deine Mühe, Andre, das ist ein wirklich schöner Beitrag:

Erinnern wir uns mal 6 Monate zurück. Miro Klose hatte soeben zu den Bayern gewechselt (ein Umstand den ich insbesondere aufgrund der Art und Weise immer noch nicht ganz verwunden habe). Ein gleichwertiger Ersatz schien erstmal nicht zum Team zu stoßen. Hinzu kamen nach und nach mehr und mehr Verletzte, ein Problem dass sich durch die gesamte Hinrunde ziehen sollte. Ergänzt man dieses unschöne Bild noch um die Transferstreitigkeiten des Carlos Alberto und die mehr als deutlich durchklingende Skepsis, die Boubacar Sanogo aller Orten entgegenschlug, dann musste man sich als Bremenfan schon irgendwie fragen, ob man noch richtig ist bei einem Verein, der in negativer Hinsicht wohl noch nie so sehr einem FC Hollywood ähnelte, wie in diesem Sommer 2007.

Mit diesem Ballast ging es also in eine Saison, die auch für die fahrlässig verspielte Meisterschaft der letzten entschädigen sollte und entsprechend der schlechten Vorzeichen folgte ein ähnlich schlechter Saisonstart. Mit einem sehr glücklichen Weiterkommen im DFB-Pokal und einer Rekordklatsche gegen Miros neuen Verein schienen sich alle Schwarzseher in ihrer Meinung bestätigt, dass nun auch Werder mal dran ist, eine Seuchensaison wie etwa der HSV anno 2006 zu erwischen.

Insofern kann man den (ersten Saison-)Sieg gegen Nürnberg, welche am Beginn einer Nach-Pokalsieger-Saison-Depression standen, wahrscheinlich gar nicht als zu wichtig einschätzen, schauten doch auch so schon übermäßig viele Augen auf die holpernden und stolpernden Bremern und warteten darauf, die erste Krisenmannschaft der Saison verorten zu können. An dieser Stelle sei auch der junge Mann erwähnt, der uns diese Krise ersparte: Martin Harnik. Mit seinem Jokertor wurde er wohl erstmals auch einer breiteren Fußballöffentlichkeit bekannt und verdiente sich somit auch die folgenden Kurzeinsätze in der Champions League (-Qualifikation).

Apropos Champions League – schwerer als erwartet auch der Weg in die Gruppenphase, aber immerhin zeigt Diego in zwei engen Duellen gegen Zagreb, dass er auch ohne Antreiber und Rückversicherung Frings seine Rolle sehr gut spielen kann und das Mehr an Verantwortung zu tragen bereit und in der Lage ist. Nach der folgenden Gruppenauslosung war ich mir sicher, dass wir das Achtelfinale erreichen würden, sogar ein erster Platz schien mir einmal machbar. Eine sensationelle Leistung sahen wir dann auch – das 3:2 gegen Real Madrid, das für mich eine Werder-Mannschaft zeigte, wie ich sie selbstbewusst auf europäischer Ebene noch nicht gesehen habe. Doch nach zwei absolut enttäuschenden Leistungen gegen Piräus sollte Mitte Dezember nur der UEFA-Pokal überbleiben. Nach dem Spiel gegen die Bayern sollten diese beiden aber die einzigen katastrophalen Leistungen der Hinrunde sein, sieht man von dem Spiel in Dortmund (0:3) ab. Dies kann man meiner Meinung allerdings als Ausrutscher aufgrund der vorangegangenen Länderspiele und der dementsprechenden Indisponiertheit einiger Schlüsselspieler werten. Ferner steht als Rückrundenauftakt gleich die Revanche an, wenn es im Achtelfinale des DFB-Pokals wieder ins ehemalige Westfalenstadion geht.

Insgesamt verlief die Hinrunde also besser als erwartet, erinnert sei hier insbesondere an eine hervorragende Heimserie mit bisher acht Siegen in Folge, und an das historische 8:1 gegen Bielefeld. Spätestens mit diesem Spiel wurde deutlich, dass Bremen auch ohne zahlreiche Stammspieler eine sehr gute Rolle in der Bundesliga spielen kann und auch nichts an seiner offensiven Spielweise ändern muss. So schrumpfte der zu Beginn der Saison schon sehr große Abstand zu den Bayern in den folgenden Spieltagen immer mehr und spülte uns auf einen hervorragenden zweiten Tabellenplatz. Lediglich das Torverhältnis trennte uns von der Herbstmeisterschaft.

Wagen wir also angesichts dieser Ausgangsposition einen Ausblick auf die Rückrunde. Punktgleich mit dem Tabellenersten haben wir im Meisterschaftsrennen alle Chancen. Auch was das Torverhältnis anbelangt, dürfte sich dies dank unserer mittlerweile zahlreichen guten Stürmer und dem rotierenden und ergebnisorientierten Trainer unserer Widersacher noch umkehren lassen. Allerdings bleiben noch zahlreiche Fragezeichen, die vor allem die nun so langsam zurückkehrenden Verletzten betreffen. Zum einen kann die Mannschaft von der Hinrunde profitieren, da sich alle Spieler ihrer Wichtigkeit für den Verein bewusst sein können und viele über den Erwartungen liegende Einsatzzeiten erhalten haben (Pasanen, Jensen, Almeida). Andererseits haben eben diese Spieler mit guten Leistungen natürlich auch Ansprüche erworben, weiterhin zum Kader zu gehören. Dies verschärft natürlich auch die Konkurrenzsituation, ein Umstand der sich am letzten Spieltag mit der Auswechslung von Borowski bereits ankündigte. Vor einem Jahr noch undenkbar, ihn trotz weniger guter Form auszuwechseln, aber jetzt einfach nicht mehr vermittelbar ihn bei den nach vorn drängenden Ersatzspielern auf dem Feld zu lassen. Man kann also gespannt sein, wie die Mannschaft die verletzten Spieler reintegriert und wie sich die dadurch weichenden Spieler mit ihrer Rolle abfinden.

Ein in meinen Augen zweischneidiges Schwert ist der nun auf uns wartende UEFA-Cup, bedeutet er doch zum einen die Chance sich weiter international zu beweisen und scheint auch ein Titelgewinn möglich, allerdings kommen nun auch die engen Spielpläne mit geringen Verschnaufpausen auf uns zu, dies umso mehr bei noch fünf deutschen Vertretern. Das Motto kann also nur lauten „Titel holen oder früh ausscheiden“, wobei man natürlich von Vereinsseite die erste Variante bevorzugen und fordern wird.

Es bleibt also spannend, um eine lahme Schlussphrase zu dreschen. Drei Titel sind durchaus noch möglich und wenn es aller Wahrscheinlichkeit nach am Saisonende nicht alle drei sein werden, so können wir uns ja vielleicht über einen freuen. Für am realistischsten halte ich ehrlich gesagt die Meisterschaft, da ich mit zahlreichen Scharmützeln um Hitzfeld in den kommenden Monaten rechne, während sich bei uns endlich mal die gewachsene Erfahrung der Mannschaft auszahlen sollte. Und mit Ivan Klasnic haben wir ja nun auch wieder so etwas wie ein Maskottchen an Bord, leitete er doch wie weiter oben verewigt den entscheidenden Sieg zur letzten Meisterschaft ein.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 10, Durchschnitt: 4,70 von 5)
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