Toni kann es immer noch

Karsten 7. Oktober 2007 17 Kommentare Drucken

Nach der unnötigen Heimniederlage gegen Olympiacos Piräus (über die ich aufgrund Zeitmangel leider nicht berichten konnte) langte eine mäßige Leistung, um gegen den Aufsteiger drei Punkte einzufahren. Das 3 zu 1 Endergebnis gaukelt demjenigen, der das Spiel nicht live verfolgen konnte, allerdings mehr Souveränität vor als in Wirklichkeit vorhanden war. Werder tat sich wieder einmal schwer, seinen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Und dabei spielten die Zebras zum Schluss nur noch mit 8 (!) Feldspielern.

Das Spiel selber würde ich eher in die Kategorie „Mittelmaß“ einordnen. Viel interessanter als die Partie selber waren einige Randerscheinungen. Zum einen lichtet sich allmählich das Bremer Lazarett und Thomas Schaaf konnte endlich wieder von Beginn an auf Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz zurückgreifen. Es ist schon kurios, dass die drei gleichzeitig wieder fit geworden sind. Ich hoffe, dass sie es auch wirklich sind und sich ein zu früher Einsatz nicht noch rächen wird.

Und dann gab es auch noch ein freudiges Wiedersehen mit dem Kugelblitz. Duisburgs Trainer Rudi Bommer entschloss sich, Toni gegen seinen alten Club in die Startformation zu nehmen. Dass dann auch noch die Bude zum zwischenzeitlichen 1 zu 1 Unentschieden schießt, war irgendwie vorauszusehen. Es ist mir ohnehin schleierhaft, warum er nicht dauerhaft spielt. Die paar Gramm zuviel hatte er schon immer. Doch seine Knipserqualität kann er auch ohne Sixpack abrufen.

Kommen wir zum eigentlichen Spielgeschehen. Werder startete gut und ging früh in Führung. Nach einer schönen Kombination von Frings, Borowski und Pasanen drosch Jensen die Kugel in die Maschen. Werder verpasste es in der Folgezeit jedoch die Führung auszubauen. Im Gegenteil, Duisburg kam immer besser ins Spiel und erzielte dann folgerichtig den Ausgleich. Ailton hatte vor der Halbzeit sogar noch eine Möglichkeit, sein Team in Führung zu bringen, scheiterte jedoch an Vander. Werders Keeper war auch an diesem Spieltag kein adäquater Ersatz für Tim Wiese. Wie schon gegen Piräus ließ er einige Bälle gefährlich abklatschen und strahlte dadurch nicht besonders viel Sicherheit aus. Eigentlich schade, ich halte ihn für einen fähigen Mann. Vielleicht fehlt ihm auch einfach nur die Matchpraxis.

Der Knackpunkt zum Sieg war wohl der erste Platzverweis für Duisburg kurz nach der Pause. Kurz darauf konnte Sanogo wieder einmal seine Treffsicherheit beweisen und machte ein ansehnliches Tor nach Vorarbeit von Per Mertesacker. Wie anfangs beschrieben schaffte Werder es aber nicht, diesen Vorsprung zu verwalten. Im Gegenteil, das Spiel wurde immer fahriger. Kurz vor Schluss musste Fritz sogar noch den Ball von der Linie kratzen. Der Konter zum Entstand war aber wiederum schön herausgespielt und von Leon Andreasen vollendet.

Alles in allem sind die drei Punkte die wichtigste Erkenntnis von diesem Spieltag. Während der Länderspielpause steht Werder dank der Niederlage von Schalke auf dem dritten Tabellenplatz und damit immer noch in Schlagdistanz zum zweiten Platz. Ich hoffe, dass die Zurückkehrer nach diesen zwei Wochen noch stabiler sind. Und vielleicht kann ich ja sogar noch ein paar Einträge von der Verletztenliste streichen.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 6, Durchschnitt: 4,00 von 5)
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17 Kommentare »

  • Ulrike sagt:

    ich habe auf jeden fall schon darauf gewettet, dass der ksc nun schwächelt, werder sich vor allem durch frings wieder berappelt und zwar nicht die herbstmeisterschaft, aber die meisterschaft an sich einfährt. man darf gespannt sein.

  • Joern sagt:

    Vielleicht gar nicht mal schlecht, dass Du keine Zeit für einen Bericht vom CL-Spiel hattest….

    Konnte das Spiel nur in Ausschnitten am Radio verfolgen, aber die Radioreporter teilten Deine Einschätzung: Werder soll alles andere als souverän gespielt haben, auch nicht als Duisburg nur noch zu neunt war.
    Aber egal. Hauptsache gewonnen! Solche Spiele müssen/dürfen auch mal sein und sind mir wesentlich lieber als Spiele die vom Papier und vom Spielgeschehen gewonnen werden müssten und dann verloren gehen…

  • Stephen sagt:

    Sicherlich dürfen solche Spiele auch mal sein, aber auch wenn ich mich hier wiederhole: Man muss so ein Spiel auch mal nach Hause schaukeln können. Schon gegen Wolfsburg wurde eine 1:0-Führung verspielt. Dann gegen Piräus. Es tut vor allem weh, wenn man sieht, wie sich die Mannschaft immer wieder von spielerisch limitierten Mannschaften hinten reindrängen lässt. Gerade in Duisburg, wo die Duisburger nur noch zu neunt waren und zudem auch Frings, Fritz und Borowski wieder dabei waren. Ist ja nicht so, dass in der Abwehr nur Aushilfen rumstehen.

    @Karsten: Dachte schon, Du wärst nach dem CL-Spiel mit nach Piräus gefahren. Nach der Schmach nur zu verständlich.

  • knibbelblitzer sagt:

    mit solchen Spielen ist Bayern über Jahre Meister geworden!

  • Stephen sagt:

    @knibbelblitzer: Die Bayern sind vielleicht mit knappen Ergebnissen und schlechten Spielen (angesichts ihrer Kader) Meister geworden und sie hatten auch ab und an Glück, aber sie waren auch in der Lage ein Spiel zu kontrollieren und souverän nach Hause zu bringen, wenn es mal nur 1:0 stand. Das fehlt Bremen ein bißchen im Moment.

  • knibbelblitzer sagt:

    das ist wohl richtig. ein weiterer unterschied von werder heute zu bayern früher ist, dass bei den bayern häufig die tore zum 2:1 bzw. 3:1 in der 91. und 93. minute fielen. machen wir heute viele tore in den ersten20 minuten, hab ich z.zt. nicht das gefühl, dass wir in den letzten 15 minuten noch ein spiel drehen könnten.

  • Stephen sagt:

    Die Frage ist ja nur, vorher das kommt. Die Mannschaft ist gut besetzt, aber zum Beispiel gegen Piräus schaut man in aller Seelenruhe zu, wie die sich die Pille vor dem 16er zuschieben. Da muss mal einer mit Anlauf dazwischenhauen (das ist kein Aufruf zu sinnlosen und brutalen Fouls), um mal eine Duftmarke zu setzen, wie man so schön sagt. Ich frage mich halt nur, wie es angehen kann, dass eine so stark besetzte Mannschaft sich immer wieder so unter Druck setzen lässt, dass die ganze Abwehr das Synchronschwimmen beginnt. Solange wir die Spiele gewinnen, kann man ja darüber hinwegsehen und ich will nicht alles schlecht reden. Denn nach dem Verletzungspech der letzten Wochen jetzt wieder auf dem dritten Platz zu sein, ist echt aller Ehren wert.

  • Karsten sagt:

    Normalerweise wird bei solchen Diskussionen schnell die Forderung nach einem Leader laut, der die Mannschaft aufrüttelt, wenn sie kurz vor dem kollektiven Dauerschlaf steht. Doch Leader haben wir genug. Ob das nun ein Mertesacker, Naldo, Wiese oder Frings übernimmt, sollte dabei eigentlich keine Rolle spielen. Ich bin mittlerweile etwas ratlos, was dieses Problem angeht. Der Zustand, dass wir kein Ergebnis verwalten können, besteht schließlich nicht erst seit dieser Saison.

  • Tingel sagt:

    Mertesacker und Naldo seh ich nicht in der Rolle eines Leaders. Ein Leader muss einfach mal „brüllen“ wenns nötig is.
    Frings ist wieder da und übernimmt den Part zum grossen Teil. Wiese macht sich auch immer wieder mal bemerkbar, was auch gut ist. Bremen fehlt das „Arschloch“ hinten drinne. Einen verrückten muss man haben der im richtigen Moment mal dazwischen haut und klar sagt was Sache is.

  • markus sagt:

    Zu Deiner Verletztenliste:
    Wiese hat einen (wie er selbst sagt: „kleinen“) Muskelfaserriss, die Kreiszeitung schreibt über Niemeyer, er habe eine „Kapselquetschung im Sprunggelenk“ und Ivan Klasnic trainiert seit eineinhalb Wochen mit der Mannschaft. Der Status müsste also „im Training“, oder so, heißen.
    Aber wie erwähnt: Gute Liste, weitermachen.

  • Karsten sagt:

    Über Naldos Leaderqualitäten lässt sich sicherlich streiten, aber wenn Merte kein Leader ist, weiß ich es wirklich nicht. Wenn du denkst, dass er nicht brüllen kann, kennst du ihn schlecht.

  • Karsten sagt:

    @Markus: Danke. Ich habe es integriert. Hatte in letzter Zeit keine Möglichkeit die neuesten Entwicklungen zu beobachten.

  • Thomas sagt:

    Ganz großen Sport konnte erleben, wer die Werderfans in Duisburg sah, wie sie Ailton feierten und wie Ailton demütig ob seines Tores für Duisburg, sich nicht von seinen Mannschaftskollegen direkt vor den Werderfans feiern liess.

    Mich erinnerten diese Szenen emotional an ähnlich großen Sport wie Werder ihn in Madrid im CL-Spiel erleben durfte, als die Tribüne Szenenapplaus für Diego gab.

    Unterstützung für meinen Club sollte mich einfach nicht daran hindern, auch Respekt vor Leistungen anderer zu haben, denn das macht den Sport erst aus.

  • Stephen sagt:

    Ja, ein „Arschloch“ fehlt wirklich. Einer, der dann mal auch eine gelbe Karte für ein Foul in Kauf nimmt, sich umdreht und die Mannschaft wachbrüllt. Aber Karsten hat es ja erwähnt: Das Problem besteht schon länger. Es fehlt einfach die Abgebrühtheit und Souveränität. Wenn ich mir manchmal die Bayern angucke, die geraten vielleicht auch mal hinten unter Druck bei einer knappen Führung, aber man sitzt da und denkt sich: da passiert schon nichts. Gerät Bremen unter Druck fangen auf einmal auch Leistungträger an, über den Ball zu treten oder können keinen anständigen Pass an den Mann bringen. Da frage ich mich dann immer, was da los ist? Man hat das Gefühl, die haben auf einmal Schiss.

  • knibbelblitzer sagt:

    ich dachte immer, Lutscher wäre ein Arschloch.

  • Stephen sagt:

    @knibbelblitzer: Dann muss er das mal wieder zeigen. Oder es machen wie hier: http://www.youtube.com/watch?v=m1mu7H_5oXI
    Immer feste druff.

  • Axel sagt:

    Vielleicht sollte man Rudi Assauer reanimieren?

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