Schlechte Stimmung, passables Ergebnis

Karsten 16. August 2007 8 Kommentare Drucken

Ronnys Halbzeitanalyse lasse ich jetzt den gewohnten Bericht nach Spielende folgen: Werder gewinnt das Hinspiel der Qualifikation gegen mit 2 zu 1 und verschafft sich somit eine ordentliche Ausgangsposition für das Rückspiel in zwei Wochen.

In Anbetracht der Umstände kann man mit diesem Ergebnis vielleicht zufrieden sein, mit dem Spiel der Mannschaft über weite Teile der Partie allerdings nicht. Wenn wir ganz ehrlich sind, haben wir wie schon im Pokal richtig Dusel gehabt. Zagreb war besonders in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und hatte über die gesamte Spieldauer die zahlreicheren und klareren Torchancen. Der Halbzeitstand von 1 zu 0 für die Gäste war nur die logische Konsequenz.

Man würde es sich meiner Meinung nach zu leicht machen, wenn man das Auftreten des Teams auf die vielen Verletzten schieben würde. Doch unterm Strich ist dies der Hauptgrund: weniger die Tatsache, dass wir keine elf guten Spieler auf den Platz bekommen, sondern vielmehr der Umstand, dass die Spieler das Verletzungspech als Ausrede heranziehen können.

Doch darüber wurde schon viel geschrieben. Bleiben wir bei der heutigen Partie. Schon auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion herrschte eine seltsam depressive Stimmung. Die Straßen(-bahnen) wirkten wie leergefegt. Wenn Klaus Bärbel nicht gewesen wäre, hätte man meinen können, dass das Spiel heute gar nicht stattfinden würde. Diese Stimmungsvakanz schleppte sich auch mit ins Stadion. Weder auf den Gängen noch auf den Rängen waren die gewohnten Klänge zu vernehmen. Es war eigentlich nichts wie immer (sogar die Gänge im Innenraum waren neu gestrichen).

Warum dieses Spiel nur 26.000 besuchten, bleibt übrigens auch kein großes Geheimnis. Während die ermäßigten Karten vor zwei Jahren gegen Basel noch 13 Euro kosteten, musste man heute ganze 18 Euro löhnen. Wenn ihr mich fragt, eine echte Frechheit. Ich will nicht wissen, was es kosten würde, wenn wir wider erwartend ins Viertelfinale einziehen würden.

Zurück zum Sportlichen. Nach der Pause brachte Thomas Schaaf Hugo Almeida für den bemühten Schindler und Daniel Jensen für Leon Andreasen. Ich nehme nicht zu viel vorweg, indem ich sage, dass die beiden eingewechselten Spieler kurz nach der Pause (Almeida) und kurz vor Schluss (Jensen mit einem 25-Meter-Schuss in den Knick) das Spiel drehen konnten. Doch zu Andreasen muss ich kurz noch etwas loswerden. Von einem, der lautstark Ansprüche auf einen Stammplatz stellt, erwarte ich einfach mehr. Ich will ihn jetzt nicht besonders negativ herausheben, da die erste Halbzeit insgesamt sehr graupig war, aber seine Leistung ging wirklich gegen null. Ähnliches gilt auch für Schulz – der will zwar keinen Stammplatz, sondern lieber den Schwanz einziehen, dennoch war seine Leistung zeitweise unterirdisch und demotiviert. Insgesamt machten wir einfach die seit Weihnachten bekannten eklatanten Abwehrschnitzer (Fehlpässe beim Flügelwechsel kurz vor dem Strafraum, einfache Ballverluste im Vorwärtsgang, zu frühes Grätschen, …). Eine etwas bessere Offensive (ja, damit meine ich unter anderem auch die Bayern) hätte uns schon in den ersten 45 Minuten auseinander genommen.

Die zweite Halbzeit war etwas besser. Die Mannschaft kam gut aus der Kabine und profitierte von Almeidas Killerinstinkt und Georg Kochs fortgeschrittenem Alter. Nach dem Ausgleich folgten zehn Drangminuten, dann war auch dies wieder vorbei. Wir spielten zwar offensiver, die Folge war aber eine vernachlässigte Defensive, die zu einigen Torchancen für Dinamo führten. Wiese war aber gewohnt sicher auf der Linie (und gewohnt unsicher beim Fußballspielen).

Jensens Hammer kurz vor Schluss sorgte dann für ein versöhnliches Ende. Wobei wir damit noch lange nicht durch sind. Dafür ist neben einer gesteigerten Siegermentalität auch eine Verbesserung des Umschaltens zwischen Defensive und Offensive notwendig. Diego und Alberto waren zwar sehr bemüht, fanden in Andreasen, Baumann, Pasanen und Schulz aber keine geeigneten Abnehmer. Sanogo gefiel mir eigentlich ganz gut. Das Tor hat zwar gefehlt, aber der Pass zum 1 zu 1 kam von ihm.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 9, Durchschnitt: 4,56 von 5)
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8 Kommentare »

  • Joern sagt:

    Hab‘ das Spiel leider nicht nicht ganz gesehen, nur die letzen 20 Minuten – und die waren ja gar nicht so schlecht! „ordentliche Ausgangsposition“, ich weiss ja nicht. Ein Törchen würde ja Zagreb langen, es ist immer schlecht daheim ein Tor zu kassieren – es sei denn man schießt genug! Ein schöner Satz für’s Phrasenschwein :)

    Lese ich das heute richtig: Rosenberg hat nicht gespielt?! Hatte ja erst gedacht er wurde ausgewechselt… Sorry, das verstehe ich nicht! Klose darf die ganze Rückrunde rumgurken und Rosenberg kommt gleich auf die Bank.
    Ob das richtig war, Rosenberg auf die Bank zu setzen? Ich würde sagen: Nein!

  • lars sagt:

    Ich glaube aber schon, dass die nicht optimale Vorbereitung nicht nur Ausrede für die Spieler ist, sondern wirklich ein großes Problem darstellt. Wahrscheinlich hat Thomas Schaaf recht, es dauert halt noch ein bisschen und man muss Geduld haben. Aber eingespielt – und dadurch souverän – wirkt die Mannschaft nicht.

    Bei der Bewertung von Schulz muss man, denke ich, klar zwischen Defensive und Offensive unterscheiden. Er hat noch nicht verstanden, dass es derzeit eher um Kampf als ums schöne Spielen geht. In der Defensive wirkte er eher unmotiviert, offensiv bemüht und teilweise gar nicht mal schlecht. Trotzdem fehlte bei ihm alles in allem die Einstellung. So ist er am Samstag eher unnütz.

    Bei Andreasen hab ich nicht mal gemerkt, dass er ausgewechselt wurde, was genug zu seiner Leistung in der ersten Halbzeit aussagt. Er war schlicht nicht vorhanden. Und Schindler wirkte irgendwie überfordert…vielleicht ist es doch noch zu früh, als dass er der Mannschaft hilft, wenn es allgemein nicht gut läuft.

    Bzgl. Carlos Alberto hat Poschmann tatsächlich mal was Richtiges gesagt: Er erinnerte stark an den frühen Diego der letzten Saison. Ich glaube, wenn er lernt, mehr mit den anderen zu spielen und weniger alle Gegner auf einmal ausspielen zu wollen, dann könnte das Mittelfeld in Zukunft richtig viel Freude machen.

    Am besten gefiel mir doch Sanogo, auch wenn er kein Tor gemacht hat. Das erinnerte mich schon an Klose oder auch Kuranyi, wenn die kein Tor schießen, aber sehr präsent, kämpferisch und immer anspielbar sind.

  • nic sagt:

    sanogo war wirklich 1a. hat hinten ausgeholfen. war anspielbar. vorlage zum 1:0!

    aber C.A ging mal gar nciht mit seiner fehlpassquote und ego-tour! erst kurz vor seiner auswechslung, als er eher zentral spielte, war eher ansehnlich! … das muss sich ändern – schnell!

  • Stephen sagt:

    Ähem, würde mal sagen, das war viel Dusel gestern. Mir gefielen persönlich Sanogo und Pasanen am Besten. Pasanen hat zumindest nach hinten fast alles richtig gemacht und man muss damit leben, dass er in diesem Leben kein Flankengott mehr wird. Natürlich muss man auch Jensen und Almeida lobend erwähnen. Wer mich erschreckt hat war Naldo. Er stand ständig falsch und konnte mit den einfachsten Körpertäuschungen ausgespielt werden.
    Jetzt muss man sehen, dass man das Spiel gegen die Bazis irgenwie über die Runden kriegt. Auch wenn wir im Moment viele Verletzte, so standen da ja gestern nicht nur Orgelpfeifen auf dem Platz. Leute wie Schulz oder Andreasen wollen weg, weil sie keine Zukunft sehen. Aber wie schon angedeutet sind die Leistungen echt mal grottig von den Jungs.
    Nur wie soll es weitergehen. Ich befürchte, vor der Winterpause wird nicht genug Zeit sein, damit sich die Truppe einspielen kann. Zwar werden schon vorher die Verletzten zurückkehren, aber auch sie müssen ja erstmal wieder richtig fit werden und wieder eingebunden werden. Bis dahin erwarte ich viel Stückwerk.

  • Mondscheins Sonate sagt:

    Werder Bremen gegen Dinamo Zagreb…

    Ich hoffe, Thomas Schaf wird ihn bald darauf aufmerksam machen, dass es sinnlos ist, den Ball nach einem Anspiel solange am Fuß zu behalten, bis er schließlich von einem gegnerischen Spieler übernommen wird….

  • Frank sagt:

    Zwei Konter in Zagreb und Werder ist zum vierten mal bei der CL.
    Egal wie die hier gespielt haben :-)

  • Leuchtturm sagt:

    Natürlich war die erste Halbzeit grottig, von vorne bis hinten. Vielleicht kann man von Glück sprechen, daß Bremen kurz vor der Halbzeit das 0:1 bekommen hat, sonst hätten die in der zweiten Halbzeit möglicherweise so weiter gemacht.
    Ich denke, sie waren einfach absolut verunsichert, wegen der vielen Verletzten und wollten „nichts falschmachen“ und die CL Chance nicht schon im Hinspiel vergurken. Zagreb hat bis auf zwei drei guten Pässen ja auch nicht wirklich viel von den Bremern gefordert.
    In der zweiten Halbzeit war das ja schon ganz gut und ich denke auch, dass wir im Rückspiel viel befrteiter aufspielen werden und sicher ein, vielleicht auch zwei Tore machen. Dann muß Zagreb schon mehr zeigen und zu drei oder vier Tore erzielen. So schlecht unsere Defensive nun auch nicht.

    kurz noch zu Schulz- ich fand er war in der zweiten Halbzeit immer einer der offensiv anspielbar war und auch seine Pässe und Flanken waren gut! Also verglichen mir C.A. war Schulle top!

  • Schaaf kann doch noch lachen » WERDERBLOG.NET sagt:

    […] man die heutige Partie und das Hinspiel zusammen, muss man von einem glücklichen Weiterkommen sprechen. Zagreb war eigentlich das […]

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