Was war zuerst: Henne oder Ei?

Karsten 3. Juni 2007 5 Kommentare Drucken

Ich hatte mir diesen Post bereits gestern Abend nach dem EM-Qualifikationsspiels gegen San Marino vorgenommen. Torstens Kommentar zum Diego-Beitrag passt hier sehr gut hinein, so dass ich ihn als Einleitung missbrauche. Ich hatte geschrieben:

„Diego funktioniert nur im Kollektiv: wenn seine Mitspieler nicht mitziehen, sieht auch er alt aus.“

Daraufhin reagierte Torsten ein wenig ironisch mit den Worten:

„Ein toller, absolut Ultimativer Satz! Ich werde ihn demnächst mit Sicherheit klauen, wobei ich natürlich zuvor Diego durch Lincoln ersetzen muss.“

Natürlich handelt es sich bei meinem Satz um eine recht stupide Phrase. Doch anscheinend (und das meine ich ohne jede Arroganz) muss man derartige Sätze von Zeit zu Zeit bringen, um einigen Leuten den Kopf zu waschen. Die gestrige hat mich darin bestärkt. Während Bela Rety die Mannschaft über 90 Minuten schlecht redete, wusste Johannes „nach-mir-kommt-lange-nichts“ Kerner kein besseres Thema als die Klose-Krise.

Ob Lincoln gegen Dortmund, Diego gegen Barcelona oder Klose die gesamte Rückrunde. Warum müssen viele Reporter eigentlich immer auf den Mainstream aufspringen? Natürlich war das gestern nicht die beste Leistung der deutschen Elf, allerdings ist es gegen 11 verteidigende Gegenspieler auch nicht immer leicht eine Bude zu erzielen. Die Chancen hatten wir und haben sie auch gut herausgespielt.

Im Vorfeld der Partie wurde von einem neuen Torrekord gesprochen. Im Radio sagten einige Fans, dass 17 Tore wohl durchaus drin seien. Diese völlig überzogene Erwartungshaltung erklärt natürlich auch die Pfiffe zur Halbzeit. Ich benutze hier bewusst das allseits verwendete Wort „Fremdschämen“, denn das ist es, was ich empfinde, wenn die eigene Mannschaft in einem Heimspiel ausgepfiffen wird. Dieser Eindruck wird auch nicht revidiert, wenn die Mannschaft nach dem Spiel eine Ehrenrunde dreht und Bela Rety von der „Stimmung des Sommermärchens“ schwärmt.

Es stellt sich jetzt natürlich die Frage, was zuerst war: Henne oder Ei? Wird die Erwartungshaltung der Zuschauer von den Medien geweckt, oder springen die Medien (allen voran Kommentatoren) auf den Stimmungszug auf, da ihnen dann die Zustimmung der Zuschauer gewiss ist? Abschließend wird das (genau wie die Frage nach Henne oder Ei) wohl nicht geklärt werden können, da die beiden Richtungen in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen. Allerdings hat Jürgen Klopp gestern bewiesen, dass es durchaus noch neutrale Statements geben kann, in dem er sich öffentlich gegen die Meinungen von Bela Rety und Konsorten aussprach. Leider haben wir zuwenige Klopps, deren oberstes Ziel es ist, seinen Sachverstand an die Leute zu bringen und nicht, die Beliebtheitsskala der Bunten nach oben zu klettern.

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5 Kommentare »

  • Faabarto sagt:

    Karsten, du sprichst mir aus der Seele. Gestern während des Spiels habe ich auch ähnlich gedacht. Ich fühlte mich an die Spiele von uns gegen Cottbus erinnert und sah in San Marino eine Mannschaft, die in der Bundesliga bestehen könnte, wenn sie auch nur ansatzweise offensiv etwas zu stande bringen würde. Ich fand Bela Rety’s Kommentar auch etwas überzogen. Sicherlich war das kein fußballerischer Offenbarungseid, aber auch er hatte die Erwartungshaltung von 17:0 und hat die Deutsche Mannschaft daran gemessen. Wie eben leider auch das Nürnberger Publikum. Deutschland hatte die Chancen, hat es einfach nicht geschafft früh ein Tor zu erzielen, wie im Hinspiel. Alles wäre ganz anders gelaufen, der Widerstand wäre gebrochen und ein zweistelliges Ergebnis durchaus möglich gewesen. Aber es hat einfach nicht geklappt. San Marino hat wirklich gut dagegen gehalten. Das sollte man respektieren. Genau dieser Respekt hat mir bei Bela Rety gefehlt. Für ihn war San Marino kein Gegner, sondern eine Mannschaft die nach Nürnberg gefahren ist um Deutschland einen neuen Rekord zu verschaffen. Das San Marino andere Interessen verfolgte und dafür vorbildlich kämpfte hat er leider nicht gesehen.

  • miro sagt:

    Über JBK sage ich lieber nix, sonst werde ich noch wegen Beleidung verklagt. Aber wenn tatsächlich Leute ein 17:0 erwarten, ist das nicht nur überzogen, sondern dummdreist.
    Man sollte den Spielern von San Marino schon eine Weiterentwicklung zutrauen und dass sie aus dem 13:0 auch was mitgenommen haben.
    Abgesehen davon haben viele Spieler eine lange und harte Saison hinter sich davor WM und davor auch eine lange Saison. D.h. fast zwei Jahre ohne genügend Erholung.
    Möchte mal sehen, welcher Reporter das durchhält, ohne dauernd Müll zu labern, aber das machen sie ja auch mit Urlaub.

  • vandango sagt:

    Was ist jetzt eigentlich mit Klose? Ich hab heute morgen auf Bremen4 gehört das Allofs jetzt wohl doch bereit ist, ihn abzugeben?

  • Stephen sagt:

    Das PRoblem ist doch in einem gewissen Sinne, dass seit der WM im letzten Jahr alle wieder denken, die DFB-Elf wären die allergrößten. Jetzt sind schlechte Leistungen nicht mehr erlaubt. Jetzt hat jeder Gegner die Gegenwehr einzustellen und sich zweistellig die Bude vollhauen zu lassen.
    Also sind wir genau bei derselben Anspruchshaltung, die auch früher schon immer herrschte. Eigentlich dachte ich, dass die EM 04 für die deutsche Fußballnation eine Lektion in Demut war. Aber das ist vergessen, schließlich waren wir schon immer die Größten. Das ganze wird dann auch gerne angeheizt, in dem die Fußballprominenz verkündet, Deutschland hätte die beste Elf Europas.
    Jogi Löw kann einem schon einmal leid tun. Denn bei der Quali zu einem großen Turnier gibt es einfach Spiele, wo die Starkicker nicht mehr können, weil sie platt sind oder nicht wollen, weil es mitten zwischen zwei wichtigen CL-Spielen gegen Zypern geht. War aber schon immer so. Gegen die Slowakei wird es ein knappes 1:0 geben und danach wird wieder viel diskutiert.

  • Kuno sagt:

    Von Fussball hab ich keine Ahnung, aber von Wissenschaft. Wollte nur sagen dass die Frage „Wer war zuerst, das Huhn oder das Ei“ längst geklärt ist. Somit ist es falsch zu sagen „Die Frage kann nie geklärt werden“ auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält.

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