Die zwei Gesichter des Herrn Frings

Karsten 9. Mai 2007 8 Kommentare Drucken

Er fährt Ferrari und Hummer, lässt sich seine Haare auf Kopf und Brust stehen und zeigt seine schultergroße Tätowierung wann immer er kann (ist euch schon einmal aufgefallen, dass Frings in jedem Spiel sein Trikot mit einem Gegenspieler tauscht?). Doch spätestens heute ist klar geworden, dass sich hinter dieser Fassade ein äußert sensibler Charakter verbirgt.

Ab dieser Woche macht Werbung für SMINT. Die Firma begründet Frings Wahl zum Testimonial damit, dass er neben seiner Fußballer-Tätigkeit auch die Frauenwelt als „cooler, rebellischer sexy Junge“ anspricht. Nach außen mag er so wirken, doch die Vergangenheit und gerade die heutigen Aussagen werden an diesem Bild kräftig rütteln. Frings Begründung für seine Entscheidung zu Werder passen auf jeden Fall so gar nicht zu diesem konstruierten Image: „Ich habe mich blenden lassen. Ich muss nicht für einen guten Namen ins Ausland wechseln. Ich kann mir diesen Namen auch bei Werder erarbeiten. Ich dachte ich müsste noch einmal das Trikot eines Topklubs tragen, aber mir wurde bewusst, dass ich schon das Trikot eines Superklubs trage“. Dann wird er noch etwas deutlicher: „Es gibt wichtigere Dinge als das Ego zu befriedigen und mehr Geld zu verdienen. Hier in Bremen haben wir unsere Freunde“. Ok, da er das in Anbetracht eines 4 Millionen Euro Jahresgehaltes sagt, wirkt es etwas paradox, aber die Botschaft ist angekommen. Besonders der Satz mit dem Ego gefällt mir sehr gut (zur Erinnerung: Frings fährt Ferrari und Hummer).

Der RTL-Videotext hatte im Zuge der Juve-Gerüchte Frings Frau Petra ins Spiel gebracht. Angeblich hing die Entscheidung von ihr ab. Was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, geht mich nichts an und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht. Frings sagt auf jeden Fall dazu: „Meine Frau steht 100-prozentig hinter mir. Wenn wir gewechselt wären, wären wir alle gemeinsam dorthin gegangen. Aber meine Große kommt jetzt in die Schule und würde dort kein Wort verstehen. Das wollte ich ihr nicht antun“.

Ich hatte vor einem Monat von Frings Sprunghaftigkeit im Zusammenhang mit seinen Ausflügen nach Dortmund und München berichtet. Im Jahr 2001 sagte er zum Beispiel, dass er sich vorstellen könne seine „ganze Karriere beim SV Werder zu verbringen“. Ein Jahr später beschimpfte er den Verein mit: „Werder versaut mir meine Karriere. Sie können noch so häufig versuchen, mich zu überreden. Selbst wenn wir Meister werden, würde ich nicht verlängern“. Man darf daher nicht alles auf die Goldwaage legen, was Lutscher so von sich gibt. Allerdings nehme ich ihm die folgenden Worte ab. Anscheinend ist er reifer geworden: „Man hat hier alles, was man braucht. Werder ist für mich mehr als ein Fußballverein. Ich hänge sehr an Werder und hätte ein richtig schlechtes Gefühl gehabt, wenn ich gegangen wäre“.

Nach eigener Aussage hatte er sich übrigens schon gegen Werder entschieden: „Wir hatten alles in die Wege geleitet, um nach Turin zu wechseln. Meine Kinder haben sich schon gefreut, meine Frau hat die Koffer gepackt. Wir waren eigentlich schon weg“. Aber dann hatte er ein „längeres, sehr inniges Gespräch mit Thomas Schaaf“, das ihm klarmachte, dass diese Entscheidung „ein Fehler sein würde“.

Da fragt man sich doch, wer dieser Torsten Frings wirklich ist. Ist er eher der Prolet mit Tätowierung und Sportwagen, oder doch der sensible Familienmensch, der ein ruhiges Umfeld braucht? Vielleicht ist er ersteres ja auch nur, weil er so sensibel ist und sich für das harte Profigeschäft einen Panzer zugelegt hat?

Ganz ehrlich: mir ist das vollkommen wumpe!! Ich liebe die Art wie er Fußball spielt und meiner Meinung nach gibt es auf der Welt zurzeit keinen, der die 6er-Position (wenn er am Limit spielt) so ausfüllen kann wie Frings. Dass so einer bei Werder spielt, ist einfach großartig. Ich ziehe meinen Hut vor dem menschlichen Geschick eines Klaus Allofs und eines Thomas Schaaf, die ein Umfeld geschaffen haben, dass eine Spielerpersönlichkeit wie Frings sein Potential entfalten kann. Er selber sagt dazu: „Jeder weiß hier, wie ich bin. Jeder akzeptiert mich hier so. Das war für meine Leistung immer wichtig. Warum sollte ich das aufs Spiel setzen?“.

gar nichtnicht so gutdurchschnittlichguthervorragend (Stimmen: 4, Durchschnitt: 3,00 von 5)
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8 Kommentare »

  • Stephen sagt:

    Hmm, ich bin jetzt kein großer Frings-Fan, aber Du hast schon recht, dass er auch mal gerne sein Fähnchen in den Wind hängt. Aber das was er jetzt über Werder sagt, geht als Fan runter wie Öl. Ich hoffe, wir werden noch viel Freude am Zottel haben.

  • Joern sagt:

    Passender hätte die Überschrift nicht sein können!
    Ich kann Stephen nur recht geben. Gerade wie Du in dem Artikel schreibst sagt er heute „Hü“ und morgen „Hott“, aber das was er jetzt sagt ist natürlich eine feine Sache!
    Schön das er bleibt und wenn er einen guten Tag hat wird Juventus und jeder andere Verein sich richtig Ärgern keinen solchen Spieler zu haben.

  • Annika sagt:

    Hallo, herzlichen Dank für die aktuellen Berichte! Macht immer Spaß auf werderblog „vorbeizugucken“! und dass Frings bleibt, ist wirklich schön – wenn er alles gibt , ist und bleibt er Bremens wichtigster Mann (finde ich). Ersatz wäre da nur schwer zu finden – aber das ist Schnee von vorgestern! Also, hoffen wir dass die Grün-Weißen gewinnen und die anderen noch mal stolpern.. .

  • nolookpass sagt:

    Weil es gleich zweimal erwähnt wurde: Tätowierte Ferrari- und Hummerfahrer sind für mich keine Proleten (dagegen spricht auch Frings‘ halbwegs hörbaren Statements), sondern eher spießige und umweltunbewusste Hedonisten, die es sich leisten können.

    Und welcher Fußballer seines Alters, der bei einer WM mal einer der Spieler des Turniers gewesen war, ist denn bitte schön nicht sprunghaft?

  • TheFringsFan sagt:

    der letzte Absatz dieser „Geschichte“ ist echt super geworden!!!!!!!!! Werder kann wirklich sehr sehr stolz sein, dass sie so einen Spieler wie Frings haben….!!!!
    TORSTEN FRINGS ist und bleibt der geilste Spieler der Welt….zudem sieht er auch noch derbste geil aus^^ und seine Tätowierung sehen auch hamma sexy aus…..

    auch wenn Werder nun kein Meister mehr werden kann, haben sie meiner Meinung nach, fast immer Top-Spiele abgeliefert……

    und es ist wirklich, wie ein Geschenk Gottes, das Frings bei Werder bleibt…was Besseres kann auf dieser Welt nicht mehr passieren…..

    Liebe Grüße TheFringsFan……

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