Katerstimmung in Bremen

Karsten 18. Februar 2007 10 Kommentare Drucken

0 zu 2 gegen den Tabellenletzten und damit die dritte Niederlage in Folge. Soetwas nennt man dann wohl Krise. Und obwohl der Titan Olli Kahn gestern noch einmal bestätigte, dass „im Fußball alles möglich ist“, können Werders Meisterschaftsambitionen wohl damit endgültig ad acta gelegt werden. Ich will nicht verbittert klingen, aber nach den letzten Leistungen gehören wir auch nicht ganz nach oben. Zum Glück sind die Bayern auch gerade im freien Fall. Aber wenn wir nicht aufpassen, fängt uns auch noch der Club aus Nürnberg ab.

Die Niederlage im Derby bedeutet gleichzeitig, dass die Rückründe nicht in Analogie zur Hinserie verläuft. Wie schon mehrfach erwähnt, haben wir auch dort gegen Hannover und Leverkusen gewinnen können, dann aber gegen Schalke und Stuttgart verloren. Es folgte ein Untenschieden in Hamburg und dann der Beginn einer starken Serie. Viel Hoffnung auf eine ähnliche Serie habe ich im Moment allerdings nicht.

Die erste Halbzeit nahm ich eigentlich gar nicht so negativ wahr. Im Mittelfeld waren wir meistens aggresiv und gewannen die Zweikämpfe. Leider konnten wir aus dem Übergewicht kein zählbares Ergebnis erzielen. Torchancen waren absolute Mangelware. Einzig Diego und Frings waren bemüht, ihre verzweifelten Vorstöße durch die Mitte wurden allerdings von der Hamburger Defensive abgefangen. Da die Hamburger Beton anrührten und dieser sich nach dem berechtigen Elfmeter noch verdichtete, hätte der Mannschaft eigentlich klar sein müssen, dass man durch die Mitte keinen Treffer erzielen wird. Es kann sein, dass ich mich irre, aber gefühlt sind unsere Außen nicht einmal bis zur Grundlinie durchgelaufen. Die Flanken aus dem Halbfeld waren unpräzise oder einfach zu harmlos. Damit kann man nicht einmal dem Tabellenletzten gefährlich werden.

Ich werde mich hüten, hier über unseren Trainer herzuziehen. Thomas Schaaf bleibt in meinen Augen natürlich (egal was passiert) unantastbar. Allerdings kann ich die letzten Auswechslungen nicht nachvollziehen. Aaron Hunt befindet sich in einem absoluten Tief und bei einem 1 zu 0 Rückstand hätte ich auch nicht Peter Niemeyer für den zumindest defensiv souveränen Fritz gebracht, sondern eher versucht, mit Kevin Schindler für Verwirrung zu sorgen. Allerdings liegt es mit Sicherheit nicht an den Auswechslungen, sondern vielmehr an der Einstellung einiger Teammitglieder. Nach dem Rückstand war keine Leidenschaft zu sehen und auch nicht der unbedingte Siegeswillen. Vorbild war meines Erachtens wieder einmal Torsten Frings, der mit seiner robusten Spielweise voranschritt, aber keinen seiner Mitstreiter zum Nachahmen überzeugen konnte.

Vielleicht ist er auch nicht fit und ich tue ihm hier unrecht, aber auch die Einstellung von Miro Klose lässt in letzer Zeit zu Wünschen übrig. Während er sich früher die Kugel in der eigenen Hälfte abgeholt hat, läuft er jetzt nicht einmal einem verlorenen Ball hinterher. Vielleicht sollte er sich weniger mit Wechselabsichten und Schuhsponsoren beschäftigen und endlich wieder Leistung zeigen.

So, jetzt habe ich mir ein wenig Luft gemacht. Viel nützen wird es wohl nicht. Am Donnerstag gehts gegen Ajax und ich denke, den Vorsprung werden wir nach Hause bringen. Zurzeit bin ich allerdings ein wenig ratlos, wie wir in der Liga aus der Krise wieder herauskommen. Bis jetzt hat das Trainergespann ja in solchen Situationen immer einen Ausweg gefunden. Bleibt zu hoffen, dass sich die Geschichte wiederholt.

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10 Kommentare »

  • Stephen sagt:

    Tja, leider wahre Worte von Dir, lieber Karsten. Es war mal wieder auffällig, dass sich Bremen nach einer kurzen Drangphase am Anfang relativ schnell und einfach den Schneid abkaufen liess und danach war dann zwar ein Übergewicht da, aber mehr auch nicht. Es ist schon erschreckend, dass es mittlerweile reicht, nach Bremen zu kommen, und erstmal sich hinten reinzustellen und zu beten, dass nichts passiert, um die Mannschaft irgendwann völlig ratlos zu machen. Nach dem 0:1 haben wir dann irgendwann aufgemacht und dann wieder einen reingekriegt, wobei wir jetzt über das Zweikampfverhalten von Niemeyer mal den Mantel des Schweigens hüllen.

    Ich finde die momentane Verfassung einiger Spieler echt erschreckend. Im Mittelfeld ist einzig Frings wirklich am kämpfen. Diego kam nicht ins Spiel und Jensen und Vranjes waren auch nicht wirklich anwesend. Und vorne im Sturm. Tja, der Hunt scheint nach einem starken Anfang in der Hinrunde seine Form zu suchen. Rosenberg ist noch nicht soi wirklich ins Spiel eingebunden. Almeida wirkt auch so manches mal, als würde das Spiel an ihm vorbeirauschen. Bei Klose merkt man, dass er einfach nicht wirklich fit ist, und dass er auch mal wieder ein Erfolgserlebnis braucht.
    Die Frage bleibt, ob man nicht lieber Zidan hätte halten sollen. Denn er ist ein spielstarker Mann, der auch mal eins gegen eins geht, was ich im Moment vermisse. Vielleicht haben Allofs und Schaaf hier einen kleinen Fehler gemacht.

    Einzig die Defensive hat einigermaßen gut gestanden, wenn man mal berücksichtigt, dass Jensen den Elfer verursacht hat und beim 0:2 sowieso alle weit aufgerückt waren. Tja, aber wie soll man der Mannschaft wieder Leben einhauchen und vor allem den Glauben an sich selbst?

    Sorry, dass ich hier so viel sülze, aber ich kann das Ganze noch nicht so wirklich fassen. :-(

  • vandango sagt:

    Ich bin inzwischen auch ziemlich von Werder entäuscht. Wer zurzeit so schlecht spielt, dem gehört der Titel nicht.
    Ausserdem finde ich es ein zumutung den Fans gegenüber.

  • Lars sagt:

    Auch ich hab mich mittlerweile dazu durchgerungen, diesen ganzen Mist als eine Krise anzuerkennen. Nur woran liegt’s? Man kennt das ja schon von früheren Spielzeiten, dass sich die Bremer gerne mal für einige Wochen eine Auszeit nehmen, aber ich hätte, genauso wenig wie Klaus Allofs gedacht, dass es auch in diesem Jahr so sein wird.

    Das Problem ist wohl wirklich die Offensive. Es war ja oft so, dass Werder vor allem am Anfang viel Druck machte und ein frühes Tor erzielte, um dann schön das eigene Spiel aufzuziehen. Und auch wenn wir in Rückstand gerieten, hatte ich nie wirklich Sorge, dass es schief gehen könnte. Klose sollte so schnell wie möglich wieder in Form kommen, ich wüsste nicht, wer da sonst sein sollte…(und kann man da vielleicht von einer zumindest zweifelhaften Transferpolitik im Winter sprechen?)

    Amsterdam war anscheinend doch kein Maßstab. Wenn eine Mannschaft Werders Defensive bindet, ist derzeit keiner mehr da, der Tore schießt.

  • Stephen sagt:

    @ Lars: Ja, aber Bremen spielt dann auch stumpf nach Schema. Wenn eine Mannschaft dann mal massiert hinten steht, wird nichts probiert. Nach 30 Minuten stellt die Mannschaft fest, dass man mit dem üblichen Offensivspiel nicht weiterkommt, und dann rennen alle mit einem dicken Fragezeichen über dem Kopf rum.
    Und es stimmt schon, dass Bremen in den überzeugenden Spielen auch oft früh in Führung geht und sich dann den Gegner zurechtlegen konnte, um ihn auseinanderzunehmen. Ich hoffe, Schaaf findet einen Weg, die Mannschaft aus der Lethargie zu holen. Sonst wird es am nächsten Wochenende beim nächsten Tabellenletzten auch ungemütlich.

  • Lars sagt:

    @Stephen: Hab dann auch nach meinem Kommentar gesehen, dass Du auch schon leise Kritik an der Transferpolitik geübt hast…ich hoffe, Schaaf und Allofs werden am Ende recht behalten.
    Und was das übliche Offensivspiel angeht: Das wird ja eben gerade NICHT gemacht…mit dem üblichen, also grandiosen Offensivspiel wären wir Erster.

    Seltsamerweise bin ich am Samstag abend nicht ganz so betrübt gewesen, wie die beiden Wochen davor. Lag wohl vor allem am zweiten Tor der Wolfsburger und der Einsicht, dass auch Schalke patzen kann. Jetzt müssen wir nur noch Kapital draus schlagen…

  • Joerns Blog » Der 22. Spieltag sagt:

    […] Der 22. Spieltag 19. Februar 2007 Seit langem mal wieder was zur Bundesliga: Was hätte das am Wochenende für ein schöner Spieltag werden können: Schalke führt 2:0 und spielt dann doch nur 2:2, Bayern verliert gegen Aachen und Werder spielt gegen den Tabellenletzten zu hause – doch Bremen verliert zum dritten mal in Folge. Nordderby hin oder her: Als Meisterschaftanwärter muss man einfach gegen den 18. gewinnen, selbst ein Unentschieden wäre viel wenig gewesen. Nun muss man aber zusehen dass man den Champions-League-Platz nicht aus den Augen verliert. Beim Werderblog wundert man sich über die Einwechslungen, mich hat aber am meisten nach dem Spiel der Kommentar von Klaus Allofs verärgert: Da wird doch in bester FC-Bayern-Manier als ein Grund für die schwache Leistung das Europapokalspiel vom Mittwoch mit angeführt… […]

  • fussball sagt:

    noch ist nicht aller tage abend… schalke bricht noch ein, der vfbäh sowieso. solange man vor den bayern steht ist alles gut und der titel noch nicht weg…

  • Lars sagt:

    Und jetzt gleich holt sich Klose sein Selbstbewusstsein zurück!

  • WERDERBLOG.NET - Werder Bremen Weblog » Sieg im Spiel der Wiedersehen sagt:

    […] erstes wäre da der Aufruf zum Fanboykott. Nach einer Fan-Choreographie im Spiel gegen den HSV haben sich laut Werder Bremen einige Logenbesucher über die versperrte Sicht während des […]

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