Ist-Aufnahme und Lösungsalternativen

Karsten 17. September 2006 7 Kommentare Drucken

Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, werde ich hier mit einem gewissen Abstand meine geistigen Ergüsse zum gestrigen Kick zu „Papier“ bringen. Da der Beitrag von gestern noch ein wenig emotionaler geprägt war, denke ich, dass es jetzt Zeit wird für ein wenig sachliche Analyse inklusive Ursachenforschung und konstruktiver Vorschläge.

Baustelle 1 – die Abwehr
Naldo gefällt mir bis auf wenige Ausnahmen wirklich gut. Zusammen mit Pasanen (abgesehen von dem Patzer gegen Chelsea) bildet er eine solide Innenverteidigung, die durch einen fitten Mertesacker Stabilität in die Mannschaft bringen könnte. Die Außenpositionen hingegen sehe ich als echte Schwachstellen. Nach den wirklich beeindruckenden Leistungen im Ligapokal wurden die Darbietungen von Wome kontinuierlich schlechter, was dann letztendlich in dem gestrigen Tiefpunkt endete. Wenn ich Trainer gewesen wäre, hätte ich ihn nach 30 Minuten „erlöst“ und Schulle gebracht. Schaaf verfolgt ja bekanntlich eine andere Philosophie und ist damit bis jetzt auch immer gut gefahren. Von daher lassen wir die Entscheidung bei ihm. Allerdings wird es meiner Meinung nach wirklich mal Zeit, Schulle und Owo von Anfang an zu bringen. Viel schlechter kann es kaum noch werden. Wenn Wome und Fritz wenigstens die Defensivzweikämpfe gewinnen und die Flanken verhindern würden, wäre das ja schon mal ein Anfang. Aber neben den eklatanten Schwächen im Abwehrverhalten, kommen auch noch Fehlpässe und die Verweigerung, bis zur Linie durchzulaufen, um die Abwehr des Gegners mit einem Pass in den Rücken in Verlegenheit zu bringen.

Baustelle 2 – der Spielaufbau
Auch das Mittelfeld harmoniert noch nicht so wirklich. Für mich ist das auch nicht überraschend. Micoud war über einen recht langen Zeitraum der Dreh- und Angelpunkt, Diego muss da erst noch reinwachsen. Meiner Meinung nach macht er seine Aufgabe ganz gut. Er ist viel unterwegs und sehr bemüht. Allerdings kommen die Pässe häufig nicht an oder er verliert den Ball im Dribbling. Darüberhinaus habe ich den Eindruck, dass er sich noch nicht an die Härte der Bundesliga gewöhnt hat. Nach drei Fouls in der Anfangsphase des Spiels, wirkte er sehr verunsichert und ängstlich. Dass das Spiel insgesamt zu stark auf die Mitte konzentriert ist, kann man ihm allerdings nicht zum Vorwurf machen. Während Frings – wie auch beim 1 zu 0 – noch einige Flanken in den Strafraum bringt, geht die Leistung von Borowski seit einigen Spielen gegen null. Er bewegt sich viel zu wenig, wirkt lustlos und im Abschluss zu überhastet. Es wird Zeit, dass er Druck von Jensen bekommt, wenn dieser wieder fit ist. Alles auf den Weggang von Le Chef zu schieben, finde ich zu einfach. Auch er hatte Spiele, in denen er unterirdisch drauf war. Doch dann waren andere da, die für ihn mitgelaufen sind. Diese Bereitschaft bzw. Kondition fehlt zur Zeit völlig.

Baustelle 3 – der Sturm
Das Prunkstück der letzten Saison ist noch nicht wieder da. Klose ist noch lange nicht wieder in bekannter Form. Er wirkt sehr schnell müde und bekommt auch die Kugel mangels Konzentrationsfähigkeit nicht präzise auf den Kasten. Dazu kommt Klasnic, der zwar immer ein wenig depressiv wirkt, aber dazu auch noch seinen Killerinstinkt vermissen lässt. Die zweite Reihe mit Almeida, Zidan und Hunt scheinen eher auf die Jokerrolle zugeschnitten zu sein. Für ein Spiel von Anfang an reicht es bisher nicht. Von daher würde ich weiterhin auf den K-und-K-Sturm setzen, wenn die beiden wieder fit sind.

Baustelle 4 – das Mannschaftsgefüge
Viel wichtiger als die drei vorhergehenden Aspekte sehe ich – soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann – die Stimmung im Team. Die Nationalspieler Klose und Frings pochen mit Recht auf ihre Führerrollen, doch interpretieren sie diese meines Erachtens ein wenig falsch. Natürlich ist wichtig, dass man derartige Persönlichkeiten hat, die auch mal mit der Faust auf den Tisch schlagen. Das zeigt dann beim ersten, zweiten und dritten Mal Wirkung, doch irgendwann ist das ausgereizt. Die beiden spielen zwar im Vergleich zu den anderen ganz ordentlich, doch noch lange nicht überragend. Angeblich soll Klose gegen Klasnic und Frings nach dem 2 zu 3 gegen Diego gewettert haben. Zuvor kam von den beiden schon die Kritik an Diegos Eigensinnigkeit. Im Gegensatz zu Allofs sehe ich das überhaupt nicht positiv. Meiner Meinung nach sollten Schaaf und Allofs das Motzen möglichst schnell unterbinden. Zumindest in der Öffentlichkeit hat das nichts zu suchen. Natürlich sind Disputs und konstruktive Kritik unumgänglich für eine lebendige Mannschaft, allerdings muss sich das in Maßen halten. Und darüber hinaus gilt wie überall: wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

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7 Kommentare »

  • Lars sagt:

    Da ist sicherlich viel Wahres in der Analyse. Allerdings möchte auch ich meinen grün-weißen Senf dazu geben dürfen:
    Abwehr: Mit der Meinung zu den Innenverteidigern bin ich d’accord. Wome gegen Schultz mal ausprobieren. Ok, aber nicht nach 30min. Fritz hatte sicherlich keinen guten Tag gegen den VfB aber was Owomaltine kann, bringt Fritz schon lange. Das Spiel in Londin war sicher sein bestes.
    Mittelfeld: Sehe ich alles genauso, vielleicht sollte man da mal Schulle für Boro bringe, der anscheinend eine Pause braucht.
    Sturm: Mal ehrlich: Hunt hat nach meiner Erinerung noch kein grosses Spiel abgeliefert. Bleibt das ewige Talent und wird spätestens zu nächsten Saison den Verein verlassen müssen. Ivan hat irgendwie im Moment keine Lust, befürchte ich. Miro ist platt, Zidan irgendwie ohne Bindung und Hugo bei seinen beiden ersten Buden auch nur angeschossen worden. Bei Almeida befürchte ich eine Entwicklung a la Charisteas…
    Lösungsvorschlag: Allofs und Schaaf sollten intern mal auf den Tisch hauen und stark umstellen. Nur kurz vor den wichtigen Spielen gegen den HSV und Barca ist das sehr schwer…

  • Karsten sagt:

    Oh man, du siehst das ganze ja ziemlich negativ. Wenn wir erstmal nächsten Samstag die Nummer 2. des Nordens weggehauen haben, wird das Schiff schon wieder in ruhigere Gewässer fahren. Aber dazu müssen wir uns um 180 Grad drehen und das geschieht nicht von allein. Von daher finde ich deinen Lösungsvorschlag gar nicht so abwägig. Der Zeitpunkt für sowas ist immer schlecht.

  • Rouven sagt:

    Lieber Lars, da hast du wohl vergessen wie oft Hunt letzte Saison ganz starke Auftritte hatte. Ansonsten haben wir das Problem was fast alle Topteams zu Beginn einer Saison(nach einer WM) haben. Die geistige Frische und das Eingespielt sein, fehlt eben noch. Aber locker bleiben und nicht locker lassen, dann klappts auch wieder.

  • Karsten sagt:

    Ich kann mich daran erinnern, dass Hunt die letzte Saison kaum gespielt hat, weil er langzeit verletzt war. Ich halte ihn auch für ein Talent, allerdings ruft er das meines Erachtens zu selten ab. Bis jetzt.

    Ich habe gestern Abend das Spiel Real Madrid gegen Real Sociedad gesehen. Da war von fehlender Frische und Eingespieltheit überhaupt nichts zu merken. Dabei haben diese Vereine nachweislich eine Menge Nationalspieler und auch Neuzugänge. Diese Ausrede lasse ich daher nicht mehr gelten.

  • Lars sagt:

    @Rouven
    Also Sorry, ich kann mich an starke Spiel von Valdez erinnern, aber Hunt??? WEiss ich echt nicht mehr. Habe ich mehr so wie Karsten es sagt in Erinnerung:
    05/06:
    7 Einsätze, davon 6 Einwechslungen, kein Tor, kein Assist in der BL;
    6 Einsätze, davon 6 Einwechslungen, kein Tor, kein Assist in der CL

    War echt nicht so dolle.

  • WERDERBLOG.NET - Werder Bremen Weblog » Es wird Zeit für klare Worte sagt:

    […] Ist-Aufnahme und Lösungsalternativen […]

  • WERDERBLOG.NET - Werder Bremen Weblog » (fast) CL-Sieger Besieger sagt:

    […] Aber Schluss mit dem Jammern: auf DIESE Mannschaft bin ich stolz. Auch wenn es nicht ganz geklappt hat. Das war ein gänzlich anderes Team im Vergleich zu den letzten Auftritten. Dazu trug mit Sicherheit die Motivation durch den großen Namen des Gegners bei, aber meines Erachtens auch die veränderte Aufstellung. Der zuletzt erschreckend schwache Wome musste für Schulle weichen. Und den Sturm bildeten Miro Klose und Aaron Hunt. Letzter machte eine Wahnsinnspartie (was wohl Rouven erfreuen wird) mit sehr starker Laufbereitschaft und einem guten Flügelspiel. Zweite Umstellung: für den unglücklichen Pasanen kam zum ersten Mal Per Mertesacker zum Einsatz, der eine solide Leistung in der Innenverteidigung zeigte. Gefreut hat mich vor allem der Leistungsschub von Tim Borowski, der langsam wieder zur alten Form rangiert. Ich schließe mich Thomas Schaaf an (“Ich sehe elf ‘men of the match’ auf unserer Seite, denn sie alle haben etwas Besonderes geboten und gut ineinander gearbeitet.”) und verzichte daher auf weitere Bewertung einzelner Akteure. […]

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